Jugendliche: Run auf Gymiprüfungen – einige hoffen auf Corona-Glück
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JugendlicheRun auf Gymiprüfungen – einige hoffen auf Corona-Glück

Keine Lehrstelle oder die Hoffnung, leichter durchzukommen: Diverse Kantonsschulen verzeichnen für die Gymi-Aufnahmeprüfung eine Zunahme der Anmeldungen.

von
Bettina Zanni
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Im März werden voraussichtlich überdurchschnittlich viele Schüler die Gymiprüfung schreiben.

Im März werden voraussichtlich überdurchschnittlich viele Schüler die Gymiprüfung schreiben.

Getty Images/iStockphoto
So rechnet etwa der Kanton Schaffhausen mit einem Ansturm.

So rechnet etwa der Kanton Schaffhausen mit einem Ansturm.

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Zurzeit seien es schon rund zehn Prozent mehr Anmeldungen als letztes Jahr, sagt Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen.

Zurzeit seien es schon rund zehn Prozent mehr Anmeldungen als letztes Jahr, sagt Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen.

Screenshot/kantiverein.ch

Darum gehts

  • Dieses Jahr treten auch Schüler die Gymi-Aufnahmeprüfung an, die wegen der Coronakrise keine Lehrstelle finden.

  • Andere Kandidaten spekulierten darauf, prüfungsfrei ins Gymi zu kommen, so der Präsident des Vereins der Gymnasiallehrer.

  • Wegen des Lockdowns im März haben einige Schüler noch Lücken – der Stresslevel ist darum noch höher als sonst.

Bei den Aufnahmeprüfungen für die Kantonsschulen diesen März zeichnet sich ein grosser Ansturm ab. Schon vor Anmeldeschluss sind die Anmeldungen rekordhoch.

«Aus den bereits erfolgten Anmeldungen deutet sich an, dass wir mehr Anmeldungen als in den letzten Jahren haben werden», sagt Pasquale Comi, Rektor der Kantonsschule Schaffhausen. Zurzeit seien es schon rund zehn Prozent mehr als letztes Jahr. «Und auch schon mehr als im langjährigen Mittel.»

Boom bei Anmeldungen

Auch der Kanton St. Gallen verzeichnet mehr Kandidaten. «Die Zahl der Anmeldungen liegt über jener des Vorjahres», sagt Tina Cassidy, Leiterin des Amts für Mittelschulen im Kanton St. Gallen. Für das Gymnasium sei sie dieses Jahr um 7,5 Prozent und für das Untergymnasium um 13,5 Prozent gestiegen.

Der Kanton Zürich gibt die Anmeldezahlen erst im Mai bekannt. Auch dort stellen Kantonsschulen bei den Anmeldungen für die Kurz- und Langzeitgymnasien einen Boom fest, wie 20 Minuten aus Prüfungsexperten-Kreisen erfuhr. «Beim letzten Zwischenstand habe ich gehört, dass die Anmeldezahlen auch in meiner Schule höher seien als in anderen Jahren», sagt auch Lucius Hartmann, Lehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland und Präsident des Vereins der Schweizerischen Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer VSG.

«Er würde so gerne eine Banklehre machen»

Entsprechend gross ist die Nachfrage nach Prüfungsvorbereitungskursen. «Nicht nur die Kurse für die Gymiprüfung, sondern auch unsere Kurse für andere Mittelschulen sind ausgebucht», sagt Christian Marty, Geschäftsführer der Schlaumacher GmbH in Zürich. Seit Wochen müssten sie etliche Schüler abweisen.

Wegen der Krise wählten viele Sekschüler eine Mittelschule als Alternative, sagt Marty. «Gerade heute Mittag sagte mir wieder ein Sekschüler, dass er so gerne eine Banklehre machen würde und nun die Gymiprüfung versuche, weil er nur Absagen erhalten habe.» Marty stellt fest, dass viele der Schüler in der Mittelschulvorbereitung gestresst sind. «Sie stellen sich mangels Lehrstelle einer anspruchsvollen Aufnahmeprüfung und müssen gleichzeitig noch Lücken vom Lockdown im März decken.»

Anmeldungen mit Hintergedanken

Auch Lucius Hartmann geht davon aus, dass die allgemeine Unsicherheit und die erschwerte Lehrstellensuche mehr Schüler für die Gymiprüfung motivieren. Einige hofften vielleicht auch auf «Corona-Glück»: «Es gibt möglicherweise auch Einzelfälle, die darauf spekulieren, dass die Prüfung oder Teile davon infolge der epidemiologischen Lage nicht stattfinden und man dann prüfungsfrei aufgenommen wird. »Bereits unter normalen Umständen gebe es jedes Jahr Kandidaten, die derart schlecht abschnitten, dass man sich fragen müsse, ob sie die Prüfung einfach ausprobieren wollten. «Dieses Jahr werden die Prüfungen unter der Einhaltung von Schutzkonzepten aber normal stattfinden.»

Gegenüber Prüfungskandidaten, die mit dem Gymi einen Plan B anstreben, hat Hartmann Vorbehalte. «Das Gymi als Negativwahl ist die falsche Wahl», sagt er. Der Besuch der Kantonsschule setze ein gewisses Grundinteresse und eine Grundmotivation voraus. «Die Kandidaten müssen bereit sein, sich auf die anspruchsvolle, breite Allgemeinbildung einzulassen und stärker theoretisch zu arbeiten.»

Anspruchsvollere Prüfungen drohen aufgrund der vielen Anwärter aber nicht. Hartmann: «Die Prüfungen selbst sind schon längst fertig, das heisst lange vor dem Anmeldeschluss, und können daher nicht schwerer werden.»

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

52 Kommentare
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Medicuss

24.02.2021, 20:43

Ging ans Gymi, war für mich die schönste Zeit. Musste nie lernen und hatte super Noten. Anderen gings nicht so ring, da wurden wirklich miese Schüler auf Biegen und Brechen durchgewürgt (ne 2.5 wurde auf eine 3 aufgerundet etc.), so dass sie am Ende doch noch den 4er hatte. Teils völlig unfähige Leute studieren heute irgendwas mit Ach und Krach. Die sollen endlich wieder besser sieben. Gibt sowieso immer mehr arbeitslose Akademiker, nützt weder der Gesellschaft noch den Einzelnen wenn man jeden durchwürgt.

En Schwiizer

24.02.2021, 15:45

Danke Bundesrat, ich freue mich darüber, dass ihr euch nicht einschüchtern lässt. Ich zahle lieber 10 Jahre lang mehr Steuern um Wirtschaftsschäden auszugleichen - Tote kann man nicht wieder zurückholen.

Maturand2014

24.02.2021, 07:37

Die Aufnahmeprüfung wird es schon richten. Und sonst ist eine bestandene Prüfung auch keine Garantie für die Matura. In meiner Klasse traten nur noch 50 Prozent des Anfangsbestands zur Matura an. Der Rest ist rausgeflogen.