UNO-Resolution: Rund 100 Tote in Zentralafrika
Aktualisiert

UNO-ResolutionRund 100 Tote in Zentralafrika

Der UNO-Sicherheitsrat gibt grünes Licht für den Militäreinsatz in Zentralafrika. Frankreich ist schon vor Ort. Mindestens 100 Menschen sind in den letzten Tagen getötet worden.

Nach Monaten geprägt von Unruhen und Gewalt zwischen Muslimen und Christen hat die UNO einen internationalen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik erlaubt. Der Weltsicherheitsrat sprach sich am Donnerstag einstimmig für die Intervention afrikanischer und französischer Truppen aus. In der Hauptstadt Bangui hatte es wenige Stunden zuvor die heftigsten Gefechte zwischen muslimischen Rebellen und Christen seit Monaten gegeben. Doch die Machtverhältnisse werden immer verworrener, denn auch die Häuser des ursprünglich mit den Rebellen verbündeten Präsidenten Michel Djotodia und seines Regierungschefs wurden angegriffen.

Einsatz soll ein Jahr dauern

Mindestens 16 Menschen seien getötet und mehr als 40 verletzt worden, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Die Strassen der zentralafrikanischen Hauptstadt waren am Nachmittag wie leer gefegt, nur vereinzelte Militärfahrzeuge waren zu sehen. Zahlreiche verängstigte Menschen hatten in einer Kirche Zuflucht gesucht.

Der internationale Militäreinsatz soll nun ein Jahr dauern und die Gewalt beenden. Die Soldaten dürfen alle «notwendigen Massnahmen» zum Schutz der Bevölkerung und zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung ergreifen, heisst es in der Resolution. Frankreich will insgesamt 1200 Soldaten in die ehemalige Kolonie entsenden, die afrikanische Truppe soll etwa 3500 Soldaten umfassen. Frankreich hatte gewarnt, die Zentralafrikanische Republik stehe am Rande eines Völkermordes, und eine Intervention angekündigt.

Rebellen erobern Hauptstadt Zentralafrikas

Frankreich dringt darauf, den Einsatz bald zu starten. «Wir müssen diese humanitäre Katastrophe beenden und die Sicherheit wiederherstellen», sagte Aussenminister Laurent Fabius dem Fernsehsender BFM-TV. Inzwischen habe sein Land bereits rund 600 der anvisierten 1200 Soldaten in Zentralafrika stationiert, sagte er.

Präsident angegriffen

Der französische Botschafter, Charles Malinas, sagte, die Häuser von Präsident Michel Djotodia und Regierungschef Nicholas Tiangaye seien von Bewaffneten angegriffen worden. Tiangaye bestätigte dies und machte das Rebellenbündnis Séléka dafür verantwortlich. Seine Familie sei in Sicherheit gebracht worden.

Präsident Djotodia verkündete gegen Mittag das Ende der Gefechte. «Alles ist ruhig, alles ist gut», sagte er BFM-TV.

Im März hatte Séléka Präsident François Bozizé gestürzt und Rebellenchef Djotodia an die Macht gebracht. Seitdem sollen die Aufständischen Gräueltaten, Vergewaltigungen und Plünderungen begangen haben. Zudem sollen die vorwiegend islamischen Aufständischen gezielt gegen Christen vorgehen, die die Mehrheit der Bevölkerung stellen.

Beobachter sehen Anzeichen dafür, dass Djotodia inzwischen an Einfluss auf die Rebellen verliert. Im TV-Interview bat er Frankreich, den Frieden im Land wieder zu sichern.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass Frankreich Truppen in eine ehemalige Kolonie entsendet. Im Januar startete Paris eine Militärintervention im westafrikanischen Mali, um islamistische Rebellen zu vertreiben. (sda)

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