Rund 70 Tote bei Gefechten im Irak
Aktualisiert

Rund 70 Tote bei Gefechten im Irak

Heftige Gefechte zwischen Kämpfern des schiitischen Predigers Muktada al Sadr mit US-Truppen und irakischen Soldaten haben rund 70 Menschen das Leben gekostet.

In der südirakischen Stadt Nadschaf hielten die Kämpfe am Freitag den zweiten Tag in Folge an, dort wurden bislang mindestens 32 Tote gemeldet. In Bagdad wurden im Stadtteil Sadr City laut Gesundheitsministerium am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag 19 Menschen getötet und 111 verletzt. Auch aus Samarra nördlich von Bagdad wurden wieder Angriffe gemeldet.

Vertraute Al Sadrs forderten eine Rückkehr zu dem vor mehr als zwei Monaten ausgehandelten Waffenstillstand mit den US-Truppen. Ein Sprecher des Predigers in Bagdad, Mahmud al Sudani, rief die irakische Übergangsregierung auf, «die amerikanischen Angriffe zu stoppen». Ein Regierungssprecher erklärte jedoch, die Mahdi-Armee Al Sadrs werde als kriminelle und terroristische Gruppe betrachtet und könne nicht toleriert werden.

US-Kampfhubschrauber beschossen am Freitagmorgen in Nadschaf einen Friedhof, auf dem sich Anhänger Al Sadrs verschanzt hatten. Parallel zu den Hubschrauber-Angriffen rückten US-Bodentruppen und irakische Polizisten auf das Gelände vor. Ein Sprecher Al Sadrs, Ahmed al Schaibani, berichtete von heftigen Gefechten. «Nadschaf droht die vollständige Zerstörung», sagte er.

Mindestens 13 Zivilisten starben bislang nach Krankenhausangaben in den zweitägigen Kämpfen, rund 60 wurden verletzt. 16 Kämpfer Al Sadrs und drei US-Soldaten wurden nach Angaben beider Seiten getötet.

Auch Stützpunkte der internationalen Truppen in der Region wurden nach polnischen Angaben am Freitagmorgen mit Mörsergeschossen angegriffen. Verletzt wurde niemand. In Amara besetzten Anhänger Al Sadrs laut Augenzeugenberichten vier Polizeiwachen.

In der südirakischen Nassirija wurden italienische Soldaten und eine Polizeiwache angegriffen. Bei anschliessenden Kämpfen wurden nach Behördenangaben acht Iraker getötet, darunter fünf bewaffnete Kämpfer. Nahe Nassirija gerieten auch rund 60 rumänische Soldaten unter Beschuss. In Bagdad griffen Anhänger al Sadrs am Donnerstagabend amerikanische Soldaten mit Granaten und Schusswaffen an, wie die US-Streitkräfte am Freitag mitteilten. Dabei seien 15 US-Soldaten verletzt worden.

Auch nördlich der Hauptstadt kam es zu neuer Gewalt: In Samarra wurde ein Konvoi aus zehn Geländewagen der US-Armee angegriffen. Kampfhubschrauber schossen auf die Stellungen der Angreifer. Mindestens zwei Menschen wurden nach Krankenhausangaben getötet, 16 weitere verletzt.

Die Extremistengruppe Tawhid und Dschihad zwang unterdessen einen irakischen Gouverneur durch die Geiselnahme seiner drei Söhne zum Rücktritt. Die Demission des Gouverneurs der Provinz Anbar, Abdul Karim Al Rawi, erfolgte in einer Videobotschaft, die am Freitag vom Fernsehsender Al Dschasira ausgestrahlt wurde.

NATO-Ausbildungsmission in wenigen Tagen

NATO-Mitarbeiter sollen schon in wenigen Tagen in den Irak reisen, um die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte vorzubereiten. Das verlautete am Freitag aus dem NATO-Hauptquartier in Brüssel. Die 40-köpfige Gruppe soll vom niederländischen Luftwaffengeneral Carel Hilderink geleitet werden. (dapd)

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