Aktualisiert 27.01.2011 19:18

Bülach ZHRund eine Million für Luxusautos abgezweigt

Innerhalb von sechs Jahren hat ein Bülacher Rechnungsführer der Bildungsdirektion über 957 000 Franken für ein Leben in Luxus in die eigenen Taschen gewirtschaftet. Da er bis heute trotz eines guten Einkommens nichts zurückbezahlt hat, erhält er eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren.

von
Attila Szenogrady

Das dreiste Vorgehen des heute 39-jährigen Buchhalters war nicht mehr bestritten. Als Rechnungsführer des Bezirksjugendsekretariats Bülach hatte er zwischen Mai 2000 und Sommer 2006 regelmässig die Konten der Bildungsdirektion zu privaten Zwecken geplündert. Als der Zürcher aufflog, hatte er mit einem gesamten Deliktsbetrag von über 957 000 Franken fast eine Million Franken für sich abgezweigt.

Grosses Vertrauen genossen

Das Tatmotiv des langjährigen Beamten, der monatlich über 7000 Franken verdiente, war denkbar einfach: Die Finanzierung eines aufwändigen Lebensstils. Worunter der Täter in erster Linie den Kauf von diversen Luxusautos und einen privaten Hausbau verstand.

Erstaunlich war dabei, dass der Angeklagte nicht selbständig handeln durfte, sondern für die Auslösung der Zahlungen jeweils eine Zweitunterschrift eines Vorgesetzten oder eines Mitarbeiters benötigte. Was er allerdings jedes Mal ohne Mühe erreichte. So genoss der laut Zeugenaussagen sympathische und liebenswürdige Mann bei allen Mitarbeitern ein grosses Vertrauen.

Teilbedingte Strafe in Bülach

Im letzten Mai kam der Buchhalter am Bezirksgericht Bülach mit einem blauen Auge davon. Weil ihm die Rechnungsführung nicht alleine anvertraut gewesen sei, sprachen ihn die Bülacher Richter von einem Teil der Veruntreuungen frei. Wegen teilweise mehrfacher Veruntreuung sowie Urkundenfälschungen erhielt er eine teilebedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten. Zehn Monate davon sollte er absitzen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gingen in die Berufung und stellten am Donnerstag vor Obergericht neue Anträge. Während Staatsanwalt Hans Maurer eine teilbedingte Strafe von 33 Monaten, 15 Monate davon unbedingt, verlangte, setzte sich die Verteidigung für eine umfassende Bewährungsstrafe von zwei Jahren ein.

Noch nichts zurückbezahlt

Bei der Befragung zur Person fanden die Oberrichter am Aufritt des Angeklagten überhaupt keinen Gefallen. So kam heraus, dass der Familienvater heute als Finanzverwalter bei der Römisch-Katholischen Kirche tätig ist und über ein ansehnliches Monatseinkommen von über 9000 Franken verfügt. Dennoch hat er bis heute trotz formeller Anerkennung keinen Rappen dem Kanton zurückbezahlt. Für das Obergericht eine unverständliche Haltung, die zu einem harten Urteil führte. So stuften die Oberrichter sämtliche Handlungen als Veruntreuung ein und liessen die Zweitunterschriften aufgrund des missbrauchten Vertrauens nicht als Entlastungsgrund gelten.

Drei Jahre unbedingt

Aufgrund des hohen Deliktsbetrags setzte die Mehrheit des Obergerichts eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren fest. Ein überstimmter Richter hatte sogar dreieinhalb Jahre gefordert. Der Angeklagte wurde zudem verpflichtet, dem Staat eine Ersatzforderung von 300 000 Franken abzuliefern. Zwei beim Täter noch sichergestellte Barschaften von 55 000 Franken sowie 86 000 Franken wurden eingezogen.

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