Dank Schweizern: Rund um die Uhr Aspirin für Nordkoreaner
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Dank SchweizernRund um die Uhr Aspirin für Nordkoreaner

Nordkorea feiert nicht nur seine Atombombentests, sondern auch die Eröffnung seiner ersten 24-Stunden-Apotheke. Sie verkauft sogar Bleaching-Mittel. Möglich macht es eine Firma in Schweizer Besitz.

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hal
Rund 250 Produkte sind in der Apotheke in Pjöngjang im Angebot - in Schweizer Apotheken sind es mindestens 6'000.

Rund 250 Produkte sind in der Apotheke in Pjöngjang im Angebot - in Schweizer Apotheken sind es mindestens 6'000.

Ein kleiner Raum, zwei Ärzte, eine Theke und dahinter ein Regal voller Arzneimittelchen: Viel anders als in der Schweiz sind die Apotheken in Nordkorea nicht - zumindest nicht auf den ersten Blick. Allerdings gibt es in Schweizer Apotheken laut pharmaSuisse 6'000 bis 10'000 Produkte. In Nordkorea sind es gerade mal 250 - darunter Aspirin, Antibiotika und Asthmamedikamente.

Aber die Nordkoreaner holen auf: «Mittlerweile verkaufen sie auch Mittel für weisse Zähne und Multivitamin-Tabletten», sagt Markus Häfeli, Geschäftsführer der Parazelsus Limited. Ohne die Firma, die Schweizern gehört und ihr Geld mit Investments in Fabriken und Pharmaunternehmen macht, hätte Nordkorea heute noch weniger Medikamente. Sie ging 2002 ein Joint Venture ein mit Pyongsu, einem Tochterunternehmen des nordkoreanischen Gesundheitsministeriums.

Dritter Atomtest von Nordkorea

Kein Geld für Narkose

Bis heute entstanden daraus eine WHO-zertifizierte Medikamenten-Fabrik und zehn Apotheken. Wie Pyongsu diese Woche mitteilte, hat inzwischen sogar die erste 24-Stunden-Apotheke des Landes in Pjöngjang geöffnet. Ein wichtiger Schritt und ein Zeichen des Fortschritts, sagt Häfeli. «Es gibt immer mehr Menschen in Nordkorea, die sich Medikamente leisten können.»

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist die Lage in der kommunistischen Diktatur aber prekär: Nordkorea gibt nicht einmal einen US-Dollar pro Jahr und Bürger für die Gesundheitsversorgung aus - so wenig wie kein anderes Land. Wer operiert werden will, muss den Ärzten Schmiergeld zahlen.

Amnesty International liegen sogar Berichte vor, denen zufolge in Spitälern grosse Operationen ohne Narkose durchgeführt werden, weil der Patient kein Geld dafür hat. Und nicht von ungefähr rät das Schweizer Aussendepartement, bei Reisen nach Nordkorea eine gut gefüllte Reiseapotheke mitzunehmen.

Kim Jong-Un als Hoffnungsträger

Häfeli, der einmal im Jahr selbst nach Nordkorea reist, ist aber überzeugt: «Es geht voran in Nordkorea, wenn auch auf tiefem Niveau.» Einen einstelligen Millionenbetrag hat die Firma Parazelsus mittlerweile im Land investiert. Als Entwicklungshilfe will Häfeli das Geld aber nicht abschreiben. «Wir hoffen schon, langfristig in Nordkorea Erfolg zu haben.»

Einer könnte Parazelsus helfen: Der Machthaber Kim Jong-Un. Er hat mehrfach angedeutet, das Land wirtschaftlich öffnen zu wollen. Bis sich alle Nordkoreaner Medikamente leisten können, ist es aber noch ein langer Weg. Wenn Kim Jong-Un wieder mal kiloweise Süssigkeiten verteilt, können vorderhand also nur die Kinder der Reichen ein Mittel gegen Bauchweh einkaufen - neu dafür sogar mitten in der Nacht.

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