Gefährliche Fracht: Russe verdiente mit Transport von Ammoniumnitrat eine Million Dollar
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Gefährliche FrachtRusse verdiente mit Transport von Ammoniumnitrat eine Million Dollar

Der russische Geschäftsmann, der das Ammoniumnitrat in den Hafen von Beirut transportieren liess, soll dafür eine Million US-Dollar kassiert haben.

von
Reto Heimann
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Der russische Geschäftsmann Igor Gretschuschkin soll mit dem Transport von Ammoniumnitrat eine Million Dollar verdient haben.

Der russische Geschäftsmann Igor Gretschuschkin soll mit dem Transport von Ammoniumnitrat eine Million Dollar verdient haben.

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Das ist die MV Rhosus. Auf diesem Schiff sollen die 2750 Tonnen Ammoniumnitrat nach Beirut gekommen sein.

Das ist die MV Rhosus. Auf diesem Schiff sollen die 2750 Tonnen Ammoniumnitrat nach Beirut gekommen sein.

KEYSTONE
Die MV Rhosus war 2013 von Georgien nach Moçambique unterwegs. Aus Gründen, die nach wie vor nicht ganz klar sind, lief das Schiff dann allerdings den Hafen von Beirut an.

Die MV Rhosus war 2013 von Georgien nach Moçambique unterwegs. Aus Gründen, die nach wie vor nicht ganz klar sind, lief das Schiff dann allerdings den Hafen von Beirut an.

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Darum gehts

  • Der russische Geschäftsmann, der das Ammoniumnitrat nach Beirut transportierte, soll damit eine Million US-Dollar verdient haben.
  • Eigentliches Ziel soll Moçambique gewesen sein.
  • Warum das Ammoniumnitrat nie aus dem Hafen abtransportiert wurde, ist unklar.

Die 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, die mutmasslich für die gewaltige Explosion im Hafen von Beirut verantwortlich waren, wurden mit einem moldauischen Schiff nach Beirut transportiert. Gemäss Recherchen der deutschen «Bild» hatte das Frachtschiff Rhosus im September 2013 einen auf Ammoniumnitrat basierenden Sprengstoff geladen. Angebliches Ziel: Moçambique. Den Transport eingefädelt hatte der russische Geschäftsmann Igor Gretschuschkin.

Aus Gründen, die nicht ganz klar sind, lief die Rhosus dann aber den Hafen von Beirut an. Dort sollten angeblich Strassenbaugeräte geladen werden, für die die Rhosus aber gar nicht zugelassen war. Aus diesem Grund und auch weil die anfallenden Hafengebühren nicht bezahlt wurden, hielten die libanesischen Behörden das Schiff und die Crew während elf Monaten fest.

Briefe an Putin helfen nichts

Nicht mal Briefe an den russischen Präsidenten Wladimir Putin hätten Wirkung gezeigt, sagt der damalige Kapitän der Rhosus, Boris Prokoschew. Auch aus Moçambique sei nie eine Reklamation eingetroffen wegen des nicht gelieferten Ammoniumnitrats. Nichtsdestotrotz: Igor Gretschuschkin kassierte für den Transport angeblich eine Million US-Dollar.

Im Hafen von Beirut lag das Ammoniumnitrat dann während sieben Jahren in einer Lagerhalle ungesichert herum. Warum es nicht an einen sichereren Ort abtransportiert wurde, ist Gegenstand von Ermittlungen.

Explosion in Beirut

Am Dienstag um 18.08 Uhr Ortszeit kam es in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu einer gewaltigen Explosion. Die Detonation ereignete sich in einer Lagerhalle am Hafen. Grund für die Explosion soll derzeitigen Erkenntnissen zufolge die Chemikalie Ammoniumnitrat gewesen sein, die dort jahrelang ungesichert in einer Menge von 2750 Tonnen gelagert wurde. Die Chemikalie soll mit einem Schiff und eher zufällig nach Beirut gelangt sein. Die Detonation zerstörte die Gegend um den Beiruter Hafen fast komplett und verwüstete auch weiter gelegene Stadtteile Beiruts. Gemäss Informationen der Newsplattform «al-Jazeera» sollen dabei mindestens 135 Menschen getötet und über 5000 verletzt worden sein (Stand 6.8.2020). Über eine Viertelmillion Menschen soll obdachlos sein. Die sanitäre und gesundheitliche Versorgung ist gemäss humanitären Hilfsorganisationen «prekär».

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