Russen füllen Januar-Loch
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Russen füllen Januar-Loch

Die russischen Touristen sind im Januar-Loch ein Segen für die Schweizer Nobel-Skiorte. Beliebt sind sie vor allem auch wegen ihrer Vorliebe für Luxus-Produkte.

Geschätzt wird die Schweiz vor allem wegen ihrer hohen Lebensqualität und den hohen Preisen, die in den Augen der Russen mit Qualität gleichgesetzt werden.

In den Schweizer Wintersportorten haben die Gäste aus Russland in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Nach dem sprunghaften Anstieg der Gäste aus Russland um zehn Prozent im Jahr 2002 wurde von Januar bis November vergangenen Jahres entgegen dem allgemeinen Trend erneut eine Zunahme von 3,2 Prozent verzeichnet, wie Laurence Gabriel, Sprecher von Schweiz Tourismus, sagte. Er bezeichnete das Resultat im Vergleich zum den restlichen Märkten als «fantastisch». Die russische Kundschaft macht bereits 1,3 Prozent der ausländischen Gäste in der Schweiz aus. In diesem Winter hat der Dachverband Schweiz Tourismus zudem erstmals eine Werbekampagne in Russland gestartet.

Die Rangliste der bei den Russen beliebtesten Destinationen führt St. Moritz vor Zermatt an, wie es beim Reisebüro Soleans in Genf hiess. Dahinter folgten Crans Montana und Verbier. Die Russen schätzten die Schweiz wegen der Sicherheit und ihrer hohen Lebensqualität. Die hohen Preise werden von den Touristen aus dem Osten mit hoher Qualität gleichgesetzt.

Russen füllen Januarloch

Die russischen Gäste logieren vor allem in den Vier- oder Fünf-Stern-Häusern, wie der Zermatter Tourismusdirektor Roland Imboden erläuterte. Obwohl sie übers Jahr verteilt nur einen kleinen Teil der Gäste ausmachten, sei ihre Präsenz in den Januarwochen wichtig. In dieser traditionell schlecht belegten Zeit fällt die Weihnachtszeit der orthodoxen Christen.

Im Gegensatz zu den japanischen Gästen, die Pantoffeln und Bademantel in den Zimmern schätzten, seien für Russen Luxuswarengeschäfte in der Umgebung des Hotels wichtig, wie Gabriel weiter ausführte. Russen würden die Luxus-Boutiquen oft «regelrecht plündern», wie sich Cedric Noujaim, Chef des Reisebüros Inexco, sagte. «Wenn die Russen reisen, wollen sie sich amüsieren», erklärte er.

Weiter gingen die Russen meist mit einem Skilehrer auf die Piste. In Zermatt und St. Moritz sind deshalb auch Skilehrer aus Oststaaten angestellt worden. In Crans Montana gehen die Russen laut dem Kommunikationsverantwortlichen Jörg Romang auch bei schlechtem Wetter auf die Piste. «Das sind keine empfindlichen Naturen», bestätigt Roland Imboden aus Zermatt.

Die meisten Hotels haben kaum Anstrengungen unternommen, ihrem Personal Russisch beizubringen, da die Gäste aus dem Osten immer besser Englisch sprechen. Im Hotel Ambassador in Crans-Montana arbeiten trotzdem rund sieben Angestellte, die die russische Sprache beherrschen, wie Direktor Patrick Berod sagte. In seinem Fünf-Sterne-Betrieb waren zwischen dem 2. und dem 10. Januar gegen 40 Prozent der Gäste Russen.

Die Russen hätten viel gelernt bezüglich Urlaub und Umgangsformen, sagt Imboden. Man sehe heute kaum mehr Russen, die in Pantoffeln und Trainer im Restaurant eines Luxushotels auftauchten. Manchmal überraschen russische Gäste aber immer noch und trinken zum Fondue Wodka wie andere Gäste Weisswein, wie Christian Besse, Wirt im «la Channe valaisanne» in Verbier, erzählt. (dapd)

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