POM-3 – Russen setzen in der Ukraine offenbar verbotene neuartige Springminen ein
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POM-3Russen setzen in der Ukraine offenbar verbotene neuartige Springminen ein

Gemäss der NGO Human Rights Watch setzt die russische Armee im Ukraine-Krieg verbotene und besonders tückische Antipersonenminen ein: Diese werden aus der Distanz verlegt und springen in die Höhe, wenn sich ein Mensch nähert. 

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Diese Minen wurden in der Nähe von Charkiw eingesetzt.

Diese Minen wurden in der Nähe von Charkiw eingesetzt.

Human Rights Watch
Sie werden aus der Ferne «verlegt» und schweben an Fallschirmen zur Erde.

Sie werden aus der Ferne «verlegt» und schweben an Fallschirmen zur Erde.

mil.in.ua
Nähert sich ein Mensch, springen sie in die Luft und explodieren.

Nähert sich ein Mensch, springen sie in die Luft und explodieren.

mil.in.ua

Darum gehts

  • In der Region Charkiw wurden nicht explodierte Antipersonenminen eines neuen Typs gefunden.

  • Die POM-3 haben eine besonders grausame Wirkungsweise.

  • Sprengfallen dieser Art sind seit 1997 verboten.

«Alle Antipersonenminen töten und verletzen auf willkürliche Weise, aber die POM-3 ist aufgrund ihrer Fähigkeit, eine sich nähernde Person ohne direktes Auftreten zu erkennen, besonders willkürlich. Die von ihr weggeschleuderten Splitter mit einer Reichweite von 16 Metern sind speziell darauf ausgerichtet, die Augen, den Hals und den Schritt zu treffen», sagt Perrine Benoist, Leiterin der Abteilung für die Reduzierung bewaffneter Gewalt bei der Schweizer NGO Handicap InternationaI.

Sie bezieht sich auf erst 2020 eingeführte Antipersonenminen des Typs POM-3, deren Einsatz Human Rights Watch kürzlich bekanntmachte, nachdem sie in der Nähe der Stadt Charkiw eingesetzt worden waren. Die auch als «Medaillon» bekannten Sprengkörper würden unter anderem von speziellen mobilen Raketenwerfern aus fünf bis 15 Kilometern Distanz in Kassetten à sechs Minen abgefeuert und sinken im Zielgebiet an Fallschirmen zur Erde. Dort entfaltet sich ein metallener Fächer und richtet die Mine senkrecht auf. Gleichzeitig bohrt sich ein seismischer Sensor in die Erde, der feine Erschütterungen wie etwa von Schritten wahrnimmt und die Mine zur Explosion bringt. Zuvor wird diese einen bis eineinhalb Meter in die Luft geschleudert, um besonders schwere Verletzungen zu verursachen. Nach einer Frist von mehreren Stunden oder Tagen zerstören sich die Minen selbst.

«Antipersonenminen unterscheiden nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten. 80 Prozent der Opfer dieser Waffen im Jahr 2020 waren Zivilisten, 30 Prozent davon Kinder. Minen töten oder verursachen komplexe Verletzungen, die häufig zu schweren Behinderungen sowie langanhaltenden psychologischen Traumata führen», so Handicap International weiter. Der Einsatz von Antipersonenminen, deren wohl schlimmste Variante die Springminen sind, ist seit 1997 durch die Ottawa-Konvention verboten.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

(trx)

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