Schweizer Hotellerie: Russen und Japaner bleiben in diesem Jahr weg
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Schweizer HotellerieRussen und Japaner bleiben in diesem Jahr weg

In diesem Jahr fehlen in den Schweizer Hotels nicht nur Gäste aus Russland, sondern auch Touristen aus Japan. Schuld daran sind Währungsschwankungen.

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Das Hotel Gstaad Palace ist bei einigen russischen Gästen beliebt. Der Zerfall des Rubels sorgt aber dafür, dass viele Russen sich dieses Jahr keine Skiferien in der Schweiz leisten können.

Das Hotel Gstaad Palace ist bei einigen russischen Gästen beliebt. Der Zerfall des Rubels sorgt aber dafür, dass viele Russen sich dieses Jahr keine Skiferien in der Schweiz leisten können.

Keystone/Gaetan Bally
Ebenfalls beliebt und ein «Must-see»: Zermatt. Dort ist vor allem das Hotel Mont Cervin Palace äusserst beliebt. Nicht nur russische Gäste fallen weg, sondern auch Touristen aus Japan.

Ebenfalls beliebt und ein «Must-see»: Zermatt. Dort ist vor allem das Hotel Mont Cervin Palace äusserst beliebt. Nicht nur russische Gäste fallen weg, sondern auch Touristen aus Japan.

Keystone/Olivier Maire
Ein Klassiker ist natürlich St. Moritz. Das Palace (hier im Bild) sowie das Kempinski Les Bains gelten als Lieblingshotels der Russen.

Ein Klassiker ist natürlich St. Moritz. Das Palace (hier im Bild) sowie das Kempinski Les Bains gelten als Lieblingshotels der Russen.

Keystone/Giancarlo Cattaneo

In der Schweizer Hotellerie fehlen in diesem Jahr nicht nur Russen, sondern vor allem auch Japaner. Allerdings stehen im Geschäft mit russischen Touristen die umsatzstärksten Wochen erst noch bevor.

Von Januar bis Oktober sind in Schweizer Hotels 10,7 Prozent weniger Japanerinnen und Japaner abgestiegen als vor einem Jahr. Dies zeigt eine Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS). Der Einbruch ist damit bisher wesentlich massiver als bei den Russen. Hier betrug der Rückgang der Logiernächte im gleichen Zeitraum 7,4 Prozent.

Dass das Wegbleiben russischer Gäste in der Öffentlichkeit stärker auffällt, erklärt sich damit, dass der negative Effekt erst jetzt, im Winterhalbjahr, deutlich spürbar wird, wie Daniela Bär von Schweiz Tourismus auf Anfrage feststellt.

Russen kommen im Winter, Japaner übers ganze Jahr

Mehr als die Hälfte der Übernachtungen von Russen fallen nämlich auf die Wintermonate während bei den Japanern die Verteilung übers Jahr gleichmässiger ist. Und in den vergangenen Jahren hatte man sich auch in der Schweiz über die gutbetuchten russischen Gäste gefreut, die aufgrund des späteren Weihnachts- und Neujahrsfestes das Januarloch füllten.

Verantwortlich für den starken Rückgang von japanischen wie russischen Gästen zeichnen Währungsschwankungen. So hat sich die Abwertung des Rubels in den vergangenen Tagen dramatisch beschleunigt. Seit Anfang Dezember verlor die russische Währung gegenüber dem Franken rund ein Drittel an Wert. Seit Jahresbeginn hat der Rubel sogar über die Hälfte an Wert eingebüsst.

Gründe für den Rubel-Zerfall sind die Ukraine-Krise, die daraus folgenden Sanktionen des Westens gegen Moskau sowie der sinkende Ölpreis. Die russische Regierung hat ausserdem aus patriotischen Gründen empfohlen, von Reisen in den Westen abzusehen.

All dies zeitigt nun auch Folgen für den Schweizer Tourismus. Bei Schweiz Tourismus spricht man denn auch von «einem signifikanten und schmerzlichen Rückgang».

Auch Japanerinnen und Japaner ächzen seit längerem unter der Last des Devisenkurses. Der japanische Yen hat in den letzten zwei Jahren rund ein Viertel des Werts eingebüsst. Die Reiselaune der Japaner gehemmt hat zudem eine Verdoppelung der Konsumsteuer.

Massive Umsatzeinbusse

Bei den japanischen Touristen geht Schweiz Tourismus für das Gesamtjahr 2014 von einem Rückgang um rund 10 Prozent aus, wie Bär sagt. Vermutlich noch stärker dürfte der Einbruch bei den Hotelübernachtungen von Russen sein.

Schweiz Tourismus rechnet für die laufende Wintersaison mit einem Rückgang dieser Logiernächte um 10 bis 30 Prozent. Laut Berechnungen von Schweiz Tourismus ergibt das hochgerechnet auf die Wertschöpfung eine Umsatzeinbusse zwischen 7,5 und 22,5 Mio. Fr. für den Schweizer Tourismus.

Zermatt: Buchungen sind gut

Wichtiger als für die meisten anderen Schweizer Destinationen sind Russinnen und Russen für Zermatt. Im Winter stellen sie die viertgrösste Gästegruppe hinter Schweizern, Deutschen und Briten dar, wie Marc Scheurer, Vizedirektor von Zermatt Tourismus, auf Anfrage erklärt.

Scheurer bezeichnet die Buchungen russischer Gäste für die Feiertage als gut. Ob alle Buchungen auch zu Logiernächten führten, bleibe abzuwarten. Bilanz werde erst Ende Wintersaison gezogen, so Scheurer.

2,5 Prozent aller Zermatt-Gäste sind übers Jahr gesehen Russen. 2013 wurden knapp 50'000 Logiernächte mit Russen generiert. Für 2014 rechnet Zermatt Tourismus mit 46'700 Logiernächten, was einem Rückgang um über 6 Prozent entsprechen würde. Damit wäre der Rückgang in Zermatt deutlich geringer als von Schweiz Tourismus befürchtet.

Kaum Stornierungen in Fünfsterne-Hotels

Positiv ins Gewicht fallen könnte, dass russische Gäste in Zermatt mehrheitlich Fünfsterne- oder Viersterne-Hotels buchen. Hier wirken sich ungünstige Währungsschwankungen erfahrungsgemäss weniger stark auf das Gästeverhalten aus. Im Fünfsterne-Geschäft hat es denn auch laut Scheurer bis jetzt kaum Stornierungen gegeben. Einige Absagen wurden aber bei den Dreisterne- und Viersterne-Hotels verzeichnet.

Scheurer stellt zudem fest, dass die meisten Russen ihre Ferien bereits bei der Buchung, also schon lange im Voraus, bezahlt hätten. Viele Russen besässen auch Konten in Dollar und Euro. Auf das Einkaufsverhalten werde die Währungssituation aber ganz sicher auswirken.

Bei den Übernachtungen von Japanern verzeichnete Zermatt im letzten Jahr (November 2013 bis Oktober 2014) ein Minus von fast 19 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 18'300 Logiernächten.

Schweiz Tourismus setzt auf China und die Golfstaaten

Schweiz Tourismus geht davon aus, dass derzeit zusätzliche Werbung kaum hilft. Kampflos will man das Feld dennoch nicht den anderen überlassen, glaubt man doch weiterhin an das grosse touristische Potenzial vor allem im russischen Markt.

Um russische Ferienreisende anzulocken, stehen den fünf Schweiz Tourismus-Beschäftigten in Moskau jährlich 1,4 Mio. Fr. zur Verfügung. In Japan bemühen sich in gleicher Mission sechs Beschäftigte ebenso emsig um Schweiz-Besucher. Sie haben dazu aber lediglich 600'000 Fr. zur Verfügung.

Schweiz Tourismus rechnet damit, dass sich an der Währungssituation in Japan kurz- und mittelfristig nichts ändert. Es werde höchstens ein gewisser Gewöhnungseffekt einsetzen.

Überproportional investieren die Schweizer Tourismus-Verantwortlichen inzwischen in Märkte wie China oder die Golfstaaten. Diese versprechen ein grosses Wachstumspotenzial und zeigen auch schon erfreuliche Resultate.

Die Hotelübernachtungen der chinesischen Gäste nahmen beispielsweise von Januar bis Oktober um 13,3 Prozent zu. Bei Gästen aus den Golfstaaten konnte sogar ein Plus von 23,1 Prozent registriert werden. (sda)

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