Russen verhindern Botschafter Blair
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Russen verhindern Botschafter Blair

Tony Blair möchte auch nach seinem Auszug aus der Downing Street 10 eine wichtige Rolle in den internationalen Beziehungen spielen. Doch einen Tag vor der Amtsübergabe kam die erhoffte Berufung zum Sondergesandten des Nahostquartetts noch nicht zu Stande.

Die Diplomaten der EU, der Vereinten Nationen, der USA und Russlands gingen am Dienstag in Jerusalem auseinander, ohne sich zu der von den USA ins Gespräch gebrachten Personalie zu äussern. Dabei hatte Blair in London kurz zuvor schon seine Bereitschaft verkündet, ein solches Amt zu übernehmen. Blair werde von allen Beteiligten unterstützt - mit Ausnahme von Russland, verlautete aus diplomatischen Kreisen. Der Kreml habe Vorbehalte gegen den engen Verbündeten von US-Präsident George W. Bush, hiess es.

Aber auch Blairs Nachfolger Brown soll nicht besonders glücklich über die Idee gewesen sein, seinen Vorgänger zum Nahost-Beauftragten zu ernennen. Dies könnte eine Ablenkung von seinem Plan bedeuten, die Versöhnung zwischen Israel und den Palästinensern mit wirtschaftlichen Anreizen voranzubringen, hiess es in der «Financial Times». Dem Zeitungsbericht zufolge hegt auch der EU-Chefdiplomat Javier Solana Bedenken - schliesslich ist er selbst in der Region engagiert.

Neben der Rolle als Nahost-Gesandter wurden Blair auch Pläne für eine Stiftung zur Förderung der Beziehungen zwischen den Religionen nachgesagt. «Er ist immer enttäuscht gewesen, dass sein christlicher Glaube und sein Respekt für den Islam weder verstanden wurden noch während seiner Zeit als Premierminister eine angemessene Stimme erhielten», sagte Blair-Biograf Anthony Seldon. Eine Stiftung würde ihm die richtige Plattform dafür geben.

Blair gehört der anglikanischen Kirche an, soll aber auch den Koran schätzen. «Die Tragödie ist, dass wir als Christen, Juden und Muslime gemeinsam einer Religion Abrahams angehören», sagte Blair im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Indonesien. «Wir betrachten uns als Kinder Abrahams, aber wir haben uns so lange bekämpft.»

Am Wochenende löste ein neuerlicher Besuch Blairs im Vatikan Spekulationen aus, dass er mit Papst Benedikt XVI. über einen möglichen Übertritt zum Katholizismus gereden haben könnte. Schliesslich ist auch Blairs Frau Cherie katholisch, und seine Kinder haben katholische Privatschulen besucht. Der Vatikan erklärte aber lediglich, Blair habe seinen Wunsch bekundet, sich in besonderer Weise für den Frieden im Nahen Osten und für den interreligiösen Dialog einzusetzen.

Auch von einer Beratermission für die Entwicklung Afrikas wird gesprochen, wenn man in London nach der Zukunft Blairs fragt. Auf Vortragsreisen könnte er Geld für eine mögliche Stiftung sammeln. Schliesslich ist der Abstieg vom Premierminister zum einfachen Abgeordneten für Blair mit einer Reduzierung seiner jährlichen Besoldung von 127.334 Pfund (187.420 Euro) auf 60.277 Pfund (88.720 Euro) verbunden. (dapd)

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