Vor Sotschi: Russische Bank wirbt in Davos mit Nazi-Spruch
Aktualisiert

Vor SotschiRussische Bank wirbt in Davos mit Nazi-Spruch

«Heute Sotschi. Morgen die Welt»: Diese Schlagzeile prangt auf einem Plakat der Sberbank in Davos. Der Spruch erinnert stark an eine Zeile eines Nazi-Lieds.

von
laf
Plakat in Davos: Marketing-Fettnapf.

Plakat in Davos: Marketing-Fettnapf.

Die Sberbank will in Davos die ganz wichtigen potenziellen Kunden auf sich aufmerksam machen. Das dürfte der Bank gelungen sein. Doch nicht unbedingt aus den Gründen, die das russische Institut sich gewünscht hat. «Sochi today. The world tomorrow», prangt auf den Plakaten, die in Davos auf dem Postgebäude gerade vor dem Bahnhof Davos-Platz an der Promenade im Zentrum hängen. Übersetzt: «Heute Sotschi. Morgen die Welt».

Die Botschaft erinnert stark an eine Liedzeile des Nazi-Lyrikers Hans Baumann. «Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt», heisst es in dem Lied mit dem makabren Titel «Es zittern die morschen Knochen» aus dem Jahr 1932. Das Lied wurde zum Pflichtlied des Reichsarbeitsdienstes, und auch die Hitlerjugend und zahlreiche andere Organisationen des Dritten Reichs bedienten sich des Textes häufig. Von der Sberbank heisst es, der Slogan sei in keiner Weise so gemeint. Eigentlich gehe es noch weiter: «We see the bigger picture» Damit wolle man zeigen, dass sowohl Sochi als auch die Olympischen Spiele insgesamt Aufmerksamkeit verdienen.

Nicht allein in der Nazi-Falle

Dass den Werbern der russischen Bank bewusst war, in welches Fettnäpfchen sie treten, ist ohnehin unwahrscheinlich. Und allein sind sie mit dem Fauxpas auch nicht. So warb etwa die Therme Vals im Jahr 2012 in einem Schreiben mit dem Slogan «Kraft durch Freude». Unter diesem Motto hatten die Nationalsozialisten die Freizeitgestaltung der Bevölkerung organisiert.

Ein Spruch, der immer wieder Werber in die Bredouille bringt: Jedem das Seine. Diese Worte standen über dem Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald. Dessen waren sich unter anderem Burger King, der Mineralölkonzern Esso oder der deutsche Detailhändler Rewe nicht bewusst. Sie alle mussten Kampagnen stoppen, die mit dem Spruch warben.

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