Kritik an Kosaken-Chor: «Diese russische Militär-Symbolik ist jetzt unangebracht»

Publiziert

Kritik an Kosaken-Chor«Diese russische Militär-Symbolik ist jetzt unangebracht»

Ende Januar soll der österreichische Männerchor in der Kirche Oberstrass auf die Bühne treten. Wegen des russischen Hintergrunds des Chors sind bereits Proteste angekündigt. 

von
Daniel Krähenbühl
1 / 3
Am 24. Januar tritt der Männerchor in Zürich auf. 

Am 24. Januar tritt der Männerchor in Zürich auf. 

BDK
Olena, die ukrainische Wurzeln hat, will aufgrund der russischen Aggression gegen die Ukraine gegen den Auftritt protestieren.

Olena, die ukrainische Wurzeln hat, will aufgrund der russischen Aggression gegen die Ukraine gegen den Auftritt protestieren.

BDK
Wie die Reformierte Kirche Zürich ausführt, habe man die Vorwürfe geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass eine Absage des Konzerts nicht gerechtfertigt sei. 

Wie die Reformierte Kirche Zürich ausführt, habe man die Vorwürfe geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass eine Absage des Konzerts nicht gerechtfertigt sei. 

Wikimedia/Micha L. Rieser

Darum gehts

  • Vom 16. bis zum 31. Januar gastiert der Männerchor in verschiedenen Schweizer Städten.

  • Der Chor wurde 1921 von Sergej Jaroff gegründet, Mitglieder waren Emigranten, die nach der Russischen Revolution in den Westen geflohen sind.

  • Auf ihrer Website schreibt der Chor, dass sie mit ihrer Musik ein Zeichen für den Frieden setzen wollen.

Der ausschliesslich aus Opernsolisten bestehende Männerchor «Bolschoi Don Kosaken» gastiert in der Schweiz. Dass am 24. Januar eine Aufführung in der Zürcher Kirche Oberstrass geplant ist, stösst nun jedoch auf Kritik, wie «ZüriToday» berichtet: «Der Chor setzt auf Symbolik, wie russische Militär-Uniformen. Vor dem Hintergrund der russischen Aggression im Krieg gegen die Ukraine finde ich das jetzt unangebracht», sagt Olena, die ukrainische Wurzeln hat und seit 20 Jahren in der Schweiz lebt. Aufgrund der russisch geprägten Ideologie habe sie sich bei der Reformierten Kirche Zürich gemeldet, in deren Räumlichkeiten das Konzert stattfinde, so Olena.

Wie die Reformierte Kirche Zürich ausführt, habe man die Vorwürfe geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass eine Absage des Konzerts nicht gerechtfertigt sei. «Der Chor ist seit 40 Jahren in Österreich beheimatet und besteht grösstenteils aus EU-Staatsbürgern, die aus einem halben Dutzend Nationen stammen», sagt Alexander Schaeffner, Präsident der Kirchenkreiskommission des Kirchenkreises 6. Eine aktuelle politische Nähe des Chors zur russischen Regierung oder Äusserungen, welche den Krieg gegen die Ukraine unterstützten, seien nicht bekannt. Zudem habe der Chor den Angriff auf die Ukraine wiederholt öffentlich verurteilt.

Ein «Chor des Westens»

Die Managerin des Chors, Valerie Houdjakov, lässt gegenüber «ZüriToday» verlauten, dass der Bolschoi-Don-Kosaken-Chor zwar in «irgendwelcher Weise einen russisch-ähnlichen Namen» trage, seit 100 Jahren aber ein Chor des Westens sei. Das Management des heutigen Chors habe seit 40 Jahren seinen Sitz in Österreich und die Direktion sei österreichisch. Beim Männerchor würden Mitglieder aus Bulgarien, Tschechien, Österreich, Deutschland, Russland und Weissrussland singen. «Selbstverständlich sind wir gegen Kriege und Gewalt, aber wir sind nicht berechtigt, zu urteilen, schon als Künstler und auch als fremde Staatsbürger nicht», so Houdjakov.

Olena will trotzdem vor der Kirche gegen die Veranstaltung protestieren – mit Bewilligung der Polizei. Es gehe ihr nicht darum, jemanden zu diskriminieren, betont sie. «Mein Ziel ist es, die Schweizer Bevölkerung für Russland, seine Kultur und seine Symbolik im Blick auf die blutige Aggression gegen die Ukraine zu sensibilisieren.»  

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung