Aktualisiert 22.06.2013 08:08

«Unverhältnismässig»

Russische Polizisten stürmen Opposition

Der Kreml hat das Büro des bekannten Menschenrechtlers Lew Ponomarjow gestürmt. Beim nächtlichen Einsatz wurde unter anderem auch der Chef der Opposition verletzt.

von
bro
Menschenrechtler Lew Ponomarjow spricht mit einem Polizisten. Später wird sein Büro gestürmt.

Menschenrechtler Lew Ponomarjow spricht mit einem Polizisten. Später wird sein Büro gestürmt.

Russische Spezialeinheiten haben in Moskau das Büro des prominenten Menschenrechtlers Lew Ponomarjow gestürmt. Bei dem nächtlichen Einsatz seien mehrere Menschenrechtler verletzt worden, wie der Radiosender Echo Moskwy am Samstag berichtete.

Auch der Chef der Oppositionspartei Jabloko, Sergej Mitrochin, trug demnach Verletzungen davon. Der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Wladimir Lukin, habe bei dem Polizeieinsatz keinen Zugang erhalten, hiess es. Mitarbeiter der Organisation Memorial sprachen von «unverhältnismässiger Gewalt».

Abgelaufener Mitevertrag als Grund

Die Moskauer Behörden begründeten den Einsatz damit, dass der Mietvertrag der Bewegung «Für das Recht des Menschen» ausgelaufen sei. Der 71-Jährige Ponomarjow wies das zurück. Die Mitarbeiter hatten sich geweigert, das Gebäude zu verlassen.

Die sonst auf Anti-Terror-Einsätze spezialisierten Einheiten der Sonderpolizei OMON habe dann das Büro gestürmt, sagte Ponomarjow, der auch ein scharfer Kreml-Kritiker ist. «Sie gingen entsetzlich grausam vor», sagte er. Die Uniformierten hätten Anwesende im Büro getreten und herumgestossen.

Menschenrechtler in Russland beklagen seit Monaten ein immer härteres Vorgehen der Machthaber gegen ihre Organisationen. Zuletzt hatte es auch bei deutschen Stiftungen Razzien gegeben. (bro/sda)

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