10.10.2016 03:42

Historical Medieval BattlesRussische Ritter kämpfen unter Berner Wappen

Sie ziehen wie einst die Ritter mit Schwert und Schild in die Schlacht: Bei Mittelalter-Kampfspielen in Russland mischen auch Wahlberner mit. Zimperlich dürfen sie dabei nicht sein.

von
Mira Weingartner
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Auf dem Schlachtfeld geht es brutal zu und her: Die Ritter des Berner Ordens kämpfen voller Inbrunst um den Sieg.

Auf dem Schlachtfeld geht es brutal zu und her: Die Ritter des Berner Ordens kämpfen voller Inbrunst um den Sieg.

zvg
Mit dabei ist auch der 33-jährige Russe Alex Mashtakov. Unter dem Namen Sasha-Jeweller zieht er für sein Team in den mittelalterlichen Krieg.

Mit dabei ist auch der 33-jährige Russe Alex Mashtakov. Unter dem Namen Sasha-Jeweller zieht er für sein Team in den mittelalterlichen Krieg.

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Die Kampfmontur des 33-Jährigen: Alleine der Helm wiegt rund 5kg. Die gesamte Rüstung wiegt zwischen 30 und 45kg.

Die Kampfmontur des 33-Jährigen: Alleine der Helm wiegt rund 5kg. Die gesamte Rüstung wiegt zwischen 30 und 45kg.

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Historical Medieval Battles – Kämpfe mit historischen Waffen und Rüstungen – sind in Russland beliebt. So trainiert auch Alex Mashtakov in einer der bis zu 45 Kilogramm schweren Metallrüstung viermal wöchentlich für diesen kriegerischen Sport. Stolz trägt der 33-jährige «Ritter» dabei das Berner Wappen auf seinem Schild. Er ist einer von 12 Männern und drei Frauen, die in der russischen Stadt Glasow für den Berner Orden kämpfen. In ganz Russland gehören über 60 Kämpfer zu ihrem Team. So gibt es etwa Berner Fraktionen in Moskau, St. Petersburg und im russischen Rostow.

Während den sogenannten Tournaments, die zwischen einer bis zwölf Minuten dauern können, treten diese Ritter heute mit denselben Rüstungen auf, mit denen die Berner im 14. Jarhundert den Aargau erobert haben. «Wir fertigen unsere Ausrüstungen wahrheitsgetreu zur damaligen Zeit an», erzählt Mashtakov. Dies sei sehr zeit- und und kostenintensiv.

Kampflustig und gewaltbereit

2002 wurde sein Team gegründet. «Dabei wurde der Verein nach dem Kanton Bern in der Schweiz benannt», so Mashtakov. Das mittelalterliche Bern sei vorbildlich: Die damaligen Herren seien äusserst angriffslustig gewesen und hätten sich nicht unterkriegen lassen.

So sind die gold-schwarz-roten Kämpfer mit bernischer Bärenkraft laut Mashtakov auch noch im Jahr 2016 besonders erfolgreich: «Wir sind die besten in Russland, die Nummer eins auf der Welt.» Der Motivationsgrund dieser Ritter mutet aber etwas seltsam an: «In unserem Team sind Menschen mit einer Leidenschaft für Gewalt – viele möchten kämpfen, aber nicht ins Gefängnis kommen.»

Obwohl die Ritter Berns eine konservative Gemeinschaft seien, gehe es hauptsächlich um den Sport. Dieser ist aber alles andere als ungefährlich: Auch Mashtakov muss immer wieder Wunden und Striemen pflegen. «Wenn die Rüstungen kaputt gehen, sind die Verletzungen verheerend», so der Russe. Es gibt zwar auch gewisse Regeln: Hiebe auf den Nacken und Würgen sind verboten. Auch ist die Zulassung von Waffen und Rüstungen geregelt, um das Verletzungsrisiko für alle Teilnehmer zu minimieren. Doch der Russe sagt: «Für uns Berner ist es die grösste Ehre, verletzt zu Boden zu gehen, um damit der Gemeinschaft zu dienen»

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