Russische Super-Rakete soll US-Schild überwinden
Aktualisiert

Russische Super-Rakete soll US-Schild überwinden

Russland schafft neue Fakten im Streit um den umstrittenen US-Raketenschild: Heute wurde eine neue Interkontinentalrakete getestet, die mehrere Atomsprengköpfe tragen kann.

Angeblich ist sie vom Gegner nur schwer abzufangen. Die Rakete sei am Dienstag vom nordrussischen Übungsgelände Plessetzk abgefeuert worden und zielgenau 6500 Kilometer östlich auf der Halbinsel Kamtschatka niedergegangen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Damit könne Russland im Ernstfall jede gegnerische Abwehr überwinden, sagte der für Militärfragen zuständige Vize- Regierungschef Sergej Iwanow.

Zugleich erneuerte Präsident Wladimir Putin seine Kritik an dem von den USA geplanten Abwehrsystem in Tschechien und Polen. Es sei schädlich und gefährlich, «Europa in ein Pulverfass zu verwandeln und mit neuen Waffen vollzustopfen», warnte er in Moskau. «Das schafft neue und unnötige Risiken für das gesamte System internationaler und europäischer Beziehungen.»

«Reale Bedrohung»

Iwanow begründete die «Anschaffung neuester Präzisionswaffen» mit dem Argument, einige Nachbarn im Süden und Osten rüsteten gefährlich auf. «Das ist für uns eine reale Bedrohung», sagte der frühere Verteidigungsminister nach Angaben der Agentur Interfax.

Die Aufrüstung vor den Grenzen Russlands zeige einmal mehr, dass der sowjetisch-amerikanische Vertrag über das Verbot der Kurz- und Mittelstreckenraketen nicht mehr wirksam sei.

US-Präsident Ronald Reagan und der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow hatten 1987 in Washington die Vernichtung aller Raketen von 500 bis 5500 Kilometern Reichweite vereinbart. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres nannte Iwanow den Vertrag ein «Überbleibsel aus dem Kalten Krieg», das nicht ewig Bestand haben werde.

Abrüstungsvertrag ratifizieren

Zugleich bekräftigte der Vize-Regierungschef die russische Haltung im Konflikt um den Abrüstungsvertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE). Die NATO-Staaten müssten endlich den Vertrag ratifizieren.

Am Vortag hatte Moskau die NATO-Staaten zu einem Krisentreffen zur Rettung des KSE-Vertrags Mitte Juni in Wien aufgefordert. Präsident Wladimir Putin hatte im April damit gedroht, sich nicht mehr an den Vertrag zu halten, der Obergrenzen für schwere Waffen wie Panzer, Geschütze und Flugzeuge vorsieht. (dapd)

Deine Meinung