«Das macht Angst»: Russische Website ruft zur Jagd auf Schwule auf
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«Das macht Angst»Russische Website ruft zur Jagd auf Schwule auf

Eine russische Website fordert ihre Nutzer auf, Homosexuelle zu jagen, zu foltern und zu töten. Die LGBT+-Community warnt Besucher der Fussball-WM.

von
kko
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In Russland sehen sich Homosexuelle seit langem Repressalien ausgesetzt.

In Russland sehen sich Homosexuelle seit langem Repressalien ausgesetzt.

epa/Sergei Ilnitsky
Dass Polizisten wie hier 2015 in Moskau gegen Schwulendemos vorgehen, ist an der Tagesordnung.

Dass Polizisten wie hier 2015 in Moskau gegen Schwulendemos vorgehen, ist an der Tagesordnung.

AFP/Dmitry Serebryakov
Jüngst ging in Russland eine Seite online, die ihre Besucher dazu bewegen will, Menschen zu melden, die sie für lesbisch, schwul, bisexuell oder Transgender halten – um Jagd auf sie zu machen.

Jüngst ging in Russland eine Seite online, die ihre Besucher dazu bewegen will, Menschen zu melden, die sie für lesbisch, schwul, bisexuell oder Transgender halten – um Jagd auf sie zu machen.

Screenshot

In Russland ist jüngst eine Seite online gegangen, die ihre Besucher dazu bewegen will, Menschen zu melden, die sie für lesbisch, schwul, bisexuell oder Transgender halten. Zu den Personen sollen sie möglichst Fotos und Informationen stellen. Mit den Daten kreieren die Betreiber ein, wie sie es nennen, «Spiel», in dem die Zielpersonen gejagt werden.

«Saw» nennt sich die Website auf Englisch, benannt nach dem Horror-Thriller aus dem Jahr 2004, in dem ein Serienmörder seine Opfer foltert. Weiter ruft sie ein «tschetschenisches Comeback» aus, bei dem sie sich auf Massenverhaftungen im Nordkaukasus vom letzten Jahr bezieht, bei denen Homosexuelle festgenommen und in geheimen Gefängnissen misshandelt wurden.

Seit «Saw» online ging, haben sich mindestens drei Männer beim russischen LGBT+-Network gemeldet und von gewalttätigen Übergriffen berichtet. Es wird allerdings von weiteren Opfern ausgegangen.

Warnung an WM-Besucher

«Das ist erschreckend», sagte Mikhail Tumasov, Vorsitzender des russischen LGBT+-Network, gegenüber «Gay Star News». Etwas Ähnliches habe er noch nie gesehen. «Das Töten und Quälen von Schwulen nennen sie ein Spiel», sagt er. Was besonders Angst mache, sei der erstmals «organisierte Ansatz homophober Gewalt».

Tumasov befürchtet, dass die «Saw»-Betreiber auch Besucher der Fussballweltmeisterschaft 2018 im Visier haben – dazu zählten neben LGBT+ dann auch LGBT+-freundliche Fans. «Wenn es einen Verdacht gibt, könnten sie verfolgt werden», so Tumasov.

Sein Rat an WM-Besucher ist derselbe wie an seine betroffenen Landsleute: «Seid sehr vorsichtig, wenn ihr ein Online-Date trefft, nehmt beim ersten Mal immer einen Freund mit», sagt Tumasov.

Löschung von Namen kostet 23 Franken

Bisher zielt «Saw» offenbar im Zeitraum vom 1. bis 31. Mai auf Menschen in der Provinz Ufa, im Südosten Russlands, ab. Das spielt laut Tumasov aber keine Rolle. Auch jemand aus einer anderen Region sei schon Opfer geworden.

Zugang zu den «Saw»-Daten erhält, wer eine Gebühr von 200 Rubel, umgerechnet rund 3 Franken, zahlt. Wer als Opfer dieser Jagd seinen Namen von der Seite gelöscht haben will, muss 1500 Rubel (rund 23 Franken) zahlen.

EGMR verurteilte russisches Gesetz

In Russland schützt kein Gesetz LGBT+-Menschen vor Diskriminierung oder Gewalt. 2013 unterzeichnete Präsident Wladimir Putin gar ein Gesetz, das positive Äusserungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien wie das Internet unter Strafe stellt.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg hat Russland im Juni vergangenen Jahres wegen des Verbots von «Propaganda für Homosexualität» verurteilt.

Das Gesetz habe Schwulenfeindlichkeit in Russland gefördert und sei «unvereinbar mit den Werten einer demokratischen Gesellschaft», urteilten die Strassburger Richter.

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