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Russischer Gasstopp: Keine Panik in Kiew

Die ukrainischen Behörden haben einen sinkenden Gasdruck in den Leitungen registriert, geben sich aber gelassen. Die Ukraine will bis zum Abschluss eines neuen Gasprom- Liefervertrages mit eigenen Ressourcen sowie mit Exporten aus Turkmenien auskommen.

Für den Monat Januar sei die Versorgung aus eigenen Quellen gewährleistet, zitierte die Agentur Interfax am Sonntag einen ranghohen Mitarbeiter der staatlichen Energieversorgung. Die an Neujahr erfolgte Abschaltung durch den Gasprom-Konzern werde in der Ukraine keinen Schaden anrichten, sagte er.

Einigung gescheitert

Der staatlich-kontrollierte russische Energiekonzern Gasprom hatte am Sonntagmorgen seine Drohung wahr gemacht, der Ukraine den Gashahn abzudrehen, sollte sie sich nicht bereit erklären, ab dem 1. Januar eine Verfünffachung des Preises hinzunehmen.

Eine Einigung war in der Nacht gescheitert. Die Ukraine lehnte laut Gasprom einen Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin ab. Er hatte angeboten, die Erhöhung des Preises unter der Bedingung auf den 1. April zu verschieben, dass sich die Ukraine dann auf die neuen Lieferbedingungen einlässt.

In dem Streit geht es um die Pläne von Gasprom, die Preise auf 230 Dollar (rund 300 Franken) je 1000 Kubikmeter Erdgas von derzeit 50 Dollar zu erhöhen. Der bisherige Preis geht auf Sowjetzeiten zurück.

Retourkutsche?

Die Ukraine ist zwar grundsätzlich mit einer Angleichung an das Weltniveau einverstanden, will aber eine Übergangsphase. In der Ukraine wird hinter der Vorgehensweise Russlands auch ein Sanktionsmechanismus für die pro-westliche Haltung der ukrainischen Regierung vermutet.

Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine hatten sich seit der «Orangenen Revolution» vor einem Jahr verschlechtert. Dies vor allem auch deshalb, weil Juschtschenko auf einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union und NATO setzt.

«Vor einem Jahr haben wir gemeinsam die Diktatur besiegt», sagte Juschtschenko in seiner Neujahrsansprache. «Heute müssen wir einen Schritt weiter gehen, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Ukraine zu sichern.»

EU-Länder besorgt

Sorgen bereitet der Gasstreit auch den Europäern. Sie fürchten um die Erdgas-Lieferungen aus Russland. Am Samstag hatten deshalb mehrere EU-Länder Russland aufgefordert, die Gaslieferungen «in vollem Umfang» aufrechtzuerhalten. Eine Reduzierung «könnte zu nicht unerheblichen Problemen in der Gasversorgung führen»

Gasprom-Sprecher Sergej Kuprijanow versicherte am Sonntag, für die Lieferungen nach Westeuropa gebe es keine Probleme. Und sollte doch weniger Gas nach Europa fliessen, wäre laut Gasprom die Ukraine schuld. «Sie (die ukrainische Führung) stiehlt das Gas bei den europäischen Verbrauchern», sagte der Gasprom-Sprecher weiter.

(sda)

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