Er verliess die Armee: Russischer Offizier über Putins Krieg – «Male den Buchstaben Z wie Zorro»
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Er verliess die ArmeeRussischer Offizier über Putins Krieg – «Male den Buchstaben Z wie Zorro»

Ein russischer Nachwuchsoffizier kam während des Kriegs in der Ukraine zum Schluss: Es ist nicht seine Schlacht, die er kämpfen will. Er verliess die Armee. 

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Ein russischer Nachwuchsoffizier hat den Dienst quittiert. Nun packt er aus. 

Ein russischer Nachwuchsoffizier hat den Dienst quittiert. Nun packt er aus. 

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In der ostukrainischen Region Donbass hatten prorussische Separatisten im Jahr 2014 die «Volksrepubliken» Donezk und Luhansk ausgerufen. Im Bild: Soldaten der prorussischen Miliz vor der Filiale der Oschad-Bank in Stanytsia Luhanska in der Region Luhansk. 

In der ostukrainischen Region Donbass hatten prorussische Separatisten im Jahr 2014 die «Volksrepubliken» Donezk und Luhansk ausgerufen. Im Bild: Soldaten der prorussischen Miliz vor der Filiale der Oschad-Bank in Stanytsia Luhanska in der Region Luhansk. 

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Ein im Krieg zerstörtes Gebäude in der Stadt Wolnowacha in der Region Donezk. 

Ein im Krieg zerstörtes Gebäude in der Stadt Wolnowacha in der Region Donezk. 

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Darum gehts

Ein russischer Nachwuchsoffizier hat den Dienst quittiert.  Nun erzählt er, wie er den Krieg erlebte. «Wir waren schmutzig und müde. Die Menschen um uns herum starben. Ich wollte mich nicht als Teil davon fühlen, aber ich war ein Teil davon», sagte der Offizier gegenüber «CNN».

«Male den Buchstaben Z wie Zorro»

Der Offizier sagt, er sei Teil der massiven Truppenaufstockung im Westen Russlands gewesen. Am 22. Februar dieses Jahres seien er und der Rest seines Bataillons aufgefordert worden, ihre Mobiltelefone abzugeben, während sie in Krasnodar, Südrussland, stationiert waren – ohne jede Erklärung.
In jener Nacht hätten sie Stunden damit verbracht, weisse Streifen auf ihre Militärfahrzeuge zu malen. Dann habe man ihnen gesagt, sie sollten sie abwaschen, sagte er. «Der Befehl hat sich geändert, male den Buchstaben Z, wie in Zorro», erinnerte er sich. 

«Am nächsten Tag wurden wir auf die Krim gebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so weit kommen würde», sagte der Mann. Als sich seine Einheit auf der Krim – der 2014 von Russland annektierten ukrainischen Region – versammelte, startete Präsident Wladimir Putin am 24. Februar seinen Einmarsch in die Ukraine.
Der Offizier sagt, dass er und seine Kameraden nichts davon wussten, da ihnen keine Nachrichten übermittelt worden seien und sie ohne ihre Telefone keinen Kontakt zur Aussenwelt hatten.

Ziel der Mission nicht gekannt

Zwei Tage später sei er in die Ukraine beordert worden, so der Offizier gegenüber dem Nachrichtensender CNN. Der Offizier gibt an, er habe das Ziel der Mission nicht gekannt. «Viele haben nicht verstanden, worum es hier geht und was wir hier tun», sagt er. Er habe auf eine diplomatische Lösung gehofft und fühle sich schuldig, weil Russland in die Ukraine einmarschiert sei. Die Truppe fuhr nach Nordwesten, in Richtung Cherson. Als sie sich einem Dorf näherten, sprang ein Mann mit einer Peitsche heraus und begann, den Konvoi zu peitschen und zu schreien: «Ihr seid alle am Arsch!», erinnerte sich der Offizier.

«Einige der Einheimischen versteckten Waffen unter ihrer Kleidung, und als sie näher kamen, schossen sie.»
Er habe sein Gesicht aus Scham und aus Sicherheitsgründen verborgen, weil es ihm peinlich war, von Ukrainern gesehen zu werden. Auf ihrem Land. Der Offizier erzählt CNN, er sei nicht der einzige Soldat gewesen, der besorgt oder verwirrt darüber war, das sie überhaupt in die Ukraine einmarschierten. 

Konsequenzen für Offizier unklar

Der ukrainische Geheimdienst berichtet, dass in mehreren russischen Einheiten, insbesondere in der 150. motorisierten Schützendivision der 8. Armee des südlichen Militärbezirks, 60 bis 70 Prozent der Soldaten den Dienst verweigerten. 

Unerlaubtes Fernbleiben von der russischen Armee ist ein Straftatbestand, der mit Gefängnisstrafen geahndet wird. Vertragsbedienstete haben jedoch das Recht, innerhalb von zehn Tagen nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst zu kündigen und den Grund für ihr Fernbleiben zu erklären. 

Der Offizier, der mit CNN sprach, hatte genug. Er hat seine Demission unterschrieben. Obwohl die Vorgesetzten ihm gedroht hätten. Er ist jetzt bei seiner Familie. Ob er Konsequenzen davon tragen wird, ist unklar. 

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(lea)

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