Richter zu Raser: «Russisches Roulette auf vier Rädern»

Aktualisiert

Richter zu Raser«Russisches Roulette auf vier Rädern»

Ein mazedonischer Raser aus Opfikon ist bei privaten Rennen bis zu zehn Mal über die Autobahn gerast. Mit bis zu 243 km/h. Nun muss der notorische Schnellfahrer für 42 Monate ins Gefängnis.

von
Attila Szenogrady

Es war am 15. November 2010, als sich zwei Personenwagen auf der Autobahn bei Glattbrugg ein gefährliches Rennen lieferten. Die beiden Fahrzeuge rasten mit bis zu 172 km/h über den Asphalt. Bei einem Abstand von nur einem bis zwei Metern. Der spätere Hauptbeschuldigte überholte einen unbeteiligten Personenwagen von rechts und wurde kurz darauf von der Polizei angehalten.

Beim erwischten Verkehrsrowdy handelte es sich um einen heute 27-jährigen Chauffeur aus Opfikon. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass mit dem Mazedonier den Behörden einer der gefährlichsten Raser der Schweiz in das Netz gefahren war. So konnten die Fahnder auf dem sichergestellten Handy des Beschuldigten diverse Filmaufnahmen über nicht weniger als neun weitere Raserexzesse sicherstellen und zur Anklage bringen.

«Purer Wahnsinn»: Mit bis zu 243 km/h gerast

Die Untersuchung zeigte auf, dass der Beschuldigte zwischen Dezember 2009 und März 2010 neunmal mit massiv übersetzten Geschwindigkeiten zu schnell unterwegs gewesen war. Jedes Mal mit Rennpartnern. Meistens über die A51 zwischen Bülach und Kloten. Laut Staatsanwalt Rolf Jäger die persönliche Rennstrecke des Beschuldigten. Am 21. Februar 2010 sorgte er für einen bedenklichen Rekord, als er mit seinem VW Golf bei Bülach mit 243 km/ mit dem doppelten Tempo als erlaubt über den Asphalt bolzte. «Es war der pure Wahnsinn», blickte der Beschuldigte am Montag vor dem Zürcher Obergericht zurück.

Der einschlägig vorbestrafte Mann zeigte sich geläutert und gelobte Besserung. So besuche er heute regelmässig eine verkehrspsychologische Therapie und habe sich vom alten Kollegenkreis getrennt, sagte er. Zudem sei er zum Geschäftsführer einer Logistik-Firma aufgestiegen. Sein Verteidiger sprach von einer günstigen Prognose und setzte sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten ein.

Im Gegensatz zum Bezirksgericht Bülach, das den geständigen Raser bereits im Sommer 2012 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt hatte. Die Hälfte davon unbedingt.

«Russisches Roulette auf vier Rädern»

Gefängnis sei aber keine Lösung, plädierte der Rechtsanwalt, der die Einholung eines Gutachtens zur Frage der Schuldfähigkeit seines Klienten verlangte. «Raserei ist keine Krankheit», widersprach Staatsanwalt Jäger dem Verteidiger und sprach von einem unverbesserlichen Täter. Der Ankläger forderte eine markante Straferhöhung auf 42 Monate Knast. Ohne Bewährungschance. Mit Erfolg. So war sich das Obergericht über eine markante Straferhöhung einig. Eine allerletzte Chance kam nicht mehr in Frage.

Der zuständige Referent Stefan Volken erklärte, dass es ihm beim Ansehen der Filme kalt über den Rücken gelaufen sei. «Das war Russisches Roulette auf vier Rädern» erklärte er. Man dürfe den Beschuldigten nicht mehr auf den Verkehr loslassen, zeigte er sich überzeugt. Von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit infolge einer Geschwindigkeitssucht wollten die Oberrichter nichts wissen. Sie gingen vielmehr von einem Geltungsdrang des Rasers aus. Sie setzten wegen eines schweren Verschuldens und eines gemeingefährlichen Verhaltens anklagegemäss eine unbedingte Freiheitsstrafe von 42 Monaten fest.

«Es war nur Glück, dass nichts passiert ist», hielt der Gerichtsvorsitzende zum Schluss fest. Der verurteilte Mazedonier und frühere Kokainkonsument wirkte unmittelbar nach der Urteilseröffnung geschockt.

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