Krieg in der Ukraine: Russland annektiert ukrainische Gebiete – wie geht es heute weiter?

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Krieg in der UkraineRussland annektiert ukrainische Gebiete – wie geht es heute weiter?

Nach den Scheinreferenden in den besetzten ukrainischen Gebieten über einen Beitritt zu Russland soll die Annexion nun formal besiegelt werden. 

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Am Freitag findet im Kreml eine Zeremonie statt. 

Am Freitag findet im Kreml eine Zeremonie statt. 

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Nach Angaben seines Sprechers Dmitri Peskow wird Putin eine lange Rede halten.

Nach Angaben seines Sprechers Dmitri Peskow wird Putin eine lange Rede halten.

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Die vier Regionen Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk bilden einen wichtigen Landkorridor zwischen Russland und der 2014 annektierten Halbinsel Krim.

Die vier Regionen Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk bilden einen wichtigen Landkorridor zwischen Russland und der 2014 annektierten Halbinsel Krim.

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Darum gehts

Mit der Annexion der vier besetzten ukrainischen Regionen verschiebt Russland erstmals seit der Einverleibung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 wieder gewaltsam Grenzen in Europa. Die Vereinten Nationen kritisieren dies als Völkerrechtsbruch. Die Ukraine fordert schwere Waffen vom Westen, um die Gebiete zu befreien und verlangt von der EU und den USA noch härtere Sanktionen. Der bereits seit sieben Monaten andauernde Krieg geht damit in eine neue Phase. Wie es nun weiter geht, dazu einige Fragen und Antworten:

Was passiert heute?

Bei einer Zeremonie im Kreml (14.00 Uhr MESZ) sollen die Abkommen über die Aufnahme der ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk sowie der südukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson in die Russische Föderation unterzeichnet werden. In Kiew kommt derweil der ukrainische Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Nach Angaben seines Sprechers Dmitri Peskow wird Putin eine lange Rede halten. Die von Moskau eingesetzten prorussischen Vertreter aus den vier ukrainischen Regionen waren bereits am Donnerstag in Moskau eingetroffen, wie örtliche Medien berichteten.

Wie begründet Putin die Annexion?

Putin begründet diese mit dem angeblichen Schutz der dortigen Zivilbevölkerung vor Angriffen ukrainischer Nationalisten. Zweieinhalb Millionen Menschen hätten wegen der Kämpfe fliehen müssen. «Diejenigen, die geblieben sind – etwa fünf Millionen Menschen – sind nun ständigen Artillerie- und Raketenangriffen von neonazistischen Kämpfern ausgesetzt. Sie greifen Krankenhäuser und Schulen an und verüben Terroranschläge gegen Zivilisten», behauptete Putin in seiner Mobilmachungsrede. Inzwischen sagen auch viele russische Soldaten, dass sie dort keine ukrainischen Nazis gefunden hätten.

Wo liegen die Gebiete?

Die vier Regionen Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk bilden einen wichtigen Landkorridor zwischen Russland und der 2014 annektierten Halbinsel Krim. Zusammen mit der Krim machen sie rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets aus. Eine Rückgabe der Gebiete über diplomatische Verhandlungen schliesst Moskau aus. Russland wirbt bei den Menschen mit einer historischen Heimkehr zum Mutterland und mit höheren Renten und Sozialleistungen als in der Ukraine.

Was könnte passieren, wenn die Ukraine versucht, die annektierten Gebiete zurückerobern ?

Am Dienstag hatte der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew abermals mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. «Russland hat das Recht, wenn nötig Atomwaffen einzusetzen», erklärte die Nummer zwei des russischen Sicherheitsrates. Kreml-Sprecher Peskow ergänzte, die «militärische Doktrin» Russlands sehe die Möglichkeit nuklearer Schläge vor, wenn von Moskau als russisch angesehene Gebiete angegriffen werden.

Die USA haben Russland sowohl öffentlich als auch in vertraulichen Gesprächen vor «katastrophalen» Konsequenzen eines Atomwaffen-Einsatzes gewarnt. «Wir haben den Russen sehr deutlich öffentlich und auch unter vier Augen gesagt, dass sie das Geschwätz über Atomwaffen sein lassen sollen», sagte US-Aussenminister Antony Blinken.

Wie reagiert die Weltgemeinschaft?

UN-Generalsekretär Guterres betonte in New York, eine Annexion von ukrainischem Territorium verstosse gegen die Charta der Vereinten Nationen und habe keinen rechtlichen Wert. Die sogenannten Referenden in den vier Regionen könnten nicht als echter Ausdruck des Volkswillens gewertet werden. Sie seien während eines bewaffneten Konflikts in Gebieten unter russischer Besatzung und ausserhalb des rechtlichen und verfassungsmässigen Rahmens der Ukraine erfolgt. 

Auch US-Präsident Joe Biden machte deutlich, dass die Vereinigten Staaten die vier ukrainischen Regionen niemals als russisches Territorium anerkennen würden. «Die sogenannten Referenden waren eine Farce, eine absolute Farce», erklärte Biden. Ein direktes militärisches Eingreifen des Westens gilt aber weiter als ausgeschlossen. Stattdessen wurden neue Sanktionen gegen Russland sowie weitere Unterstützung für die Ukraine in Millionenhöhe angekündigt.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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(DPA/AFP/fur)

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