Russland: Demo gegen Wehrpflicht
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Russland: Demo gegen Wehrpflicht

Die landesweiten Demonstrationen fielen mit dem Beginn der Frühjahrs-Einberufungen zusammen. Bis heute bringen brutale Übergriffe von Vorgesetzten auf junge Soldaten die russischen Streitkräfte in Verruf.

In zahlreichen russischen Städten haben Oppositionsanhänger gegen die Wehrpflicht und Missstände in den Streitkräften demonstriert. In Moskau forderten am Samstag etwa 300 Menschen den Rücktritt von Verteidigungsminister Sergej Iwanow.

Ähnliche Kundgebungen waren in mehr als 30 Städten des Landes angekündigt. Im Vorjahr kamen nach Angaben Iwanows mehr als 850 Soldaten durch Unfälle oder Verbrechen in den Streitkräften ums Leben.

Die Veranstalter beklagten, wer als Wehrpflichtiger in die Armee eintrete, riskiere seine Gesundheit oder gar sein Leben. «Wir brauchen eine Berufsarmee», forderte der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow in Moskau. Die bisherigen Bemühungen Iwanows um eine Reform der Streitkräfte seien so gut wie gescheitert.

Bis heute bringen brutale Übergriffe von Vorgesetzten auf junge Soldaten die Streitkräfte in Verruf. Zu Jahresbeginn hatte der Fall eines sibirischen Wehrpflichtigen für Empörung gesorgt, dem nach Folter durch Dienstältere beide Beine und die Genitalien amputiert werden mussten.

Die landesweiten Demonstrationen fielen mit dem Beginn der Frühjahrs-Einberufungen zusammen. Ein Sprecher der Streitkräfte teilte am Samstag mit, dass nur jeder zehnte Wehrpflichtige eingezogen werden könne.

Aus Angst oder Bequemlichkeit versuchen viele junge Männer, sich vor der Einberufung zu drücken. Wohlhabende Eltern kaufen ärztliche Gutachten für ihre Söhne, in denen häufig Geistesschwäche attestiert wird.

Im Vorjahr seien allein wegen psychischer Erkrankungen 110 000 junge Männer von der Wehrpflicht befreit worden, teilte das Verteidigungsministerium im März mit.

(sda)

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