WM-Qualifikation: Russland fordert Deutschland, Frankreich zittert
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WM-QualifikationRussland fordert Deutschland, Frankreich zittert

Am dritten Spieltag der WM-Qualifikation will sich Deutschland in gute Position für den Gruppensieg bringen. Am Samstag gastiert mit Russland der stärkste Gruppengegner in Dortmund. Beim Duell Frankreich gegen Rumänien geht es um die Zukunft der beiden Nationalcoaches.

In Russland hat die erfolgreiche Euro für einen Boom rund um die Nationalmannschaft gesorgt. Bei einer repräsentativen Umfrage zweifelten nur 13 Prozent der heimischen Fussballfans an einer Qualifikation der «Sbornaja» für die nächste Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. «Wir müssen dafür sorgen, dass wir sagen können: Die Europameisterschaft war der Start in eine neue Ära des russischen Fussballs», sagte Nationalcoach Guus Hiddink gegenüber dem «Kicker».

Der Start zur WM-Qualifikation gegen Wales (2:1) war zwar wenig glanzvoll und erinnerte in keiner Weise an die spektakulären EM-Auftritte, wie denjenigen im Viertelfinal gegen Holland, doch für drei Punkte reichte es dank dem Siegtreffer in der 81. Minute. Der Erfolgsdruck ist im zweiten Spiel am Samstag in Dortmund wesentlich kleiner. «Einen Punkt in Deutschland zu holen, noch dazu in einem Stadion wie in Dortmund, wäre super», so Hiddink. Mit Roman Pawljutschenko, dem besten russischen EM-Torschützen, Verteidiger und Freistossspezialist Denis Kolodin und Flügelspieler Dimitri Torbinski fehlen dem Holländer drei wichtige Spieler.

Deutschland mit Ballack und Frings

Deutschland kann erstmals in dieser Saison auf die beiden Mittelfeldspieler Michael Ballack und Torsten Frings zählen. Dafür muss Bundestrainer Joachim Löw auf der Goalieposition umdisponieren. Für den verletzten Robert Enke, der in den drei Länderspielen nach der Euro im Tor stand, rückt Rene Adler, Teamkollege von Tranquillo Barnetta und Pirmin Schwegler in Leverkusen, in die Startformation. Während Adler sein Nationalmannschafts-Debüt geben wird, kommt Miroslav Klose zu seinem 85. Einsatz. Mit einem Treffer gegen Russland, seinem insgesamt 45. für Deutschland, würde der Angreifer in der ewigen Torschützenliste des Deutschen Fussball-Bundes auf den fünften Platz vorrücken - torgleich mit seinem Chef, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Klose schoss zuletzt in Finnland drei Tore, trotzdem reichte es Deutschland nur zu einem enttäuschenden Remis. Um die Tabellenführung zu verteidigen, benötigt der EM-Finalist mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Sieg. Die Statistik spricht deutlich für Deutschland. In 17 Begegnungen mit Russland gab es 12 Siege, 2 Remis und 3 Niederlagen. Von den bislang 66 bestrittenen WM-Qualifikationspartien konnten 48 gewonnen werden (2 Niederlagen), und in Dortmund verlor das DFB-Team erst einmal, im WM-Halbfinal 2006 gegen Italien.

Verlieren verboten für Domenech

Auch im rumänischen Constanta kommt es zu einem Duell zweier EURO-Teilnehmer. Bei der Partie Rumänien - Frankreich, die vor einigen Wochen in Zürich nach den 90 langweiligsten EM-Minuten 0:0 endete, dreht sich vieles um die beiden Trainer. Victor Piturca steht nach dem 0:3 gegen Litauen und dem mühevollen 1:0 gegen die Färöer allerdings bei weitem nicht so stark unter Druck wie sein französisches Pendant Raymond Domenech.

Der «Fall Domenech» ist im Hexagone längst ein Dauerbrenner. Seit dem glanzlosen EM-Ausscheiden der Franzosen vergeht kaum eine Woche, ohne dass über die Entlassung des ehemaligen Verteidigers spekuliert wird. Am Mittwoch trifft sich die Verbandsspitze, um unter anderem die Zukunft Domenechs zu diskutieren. Nur bei einem Sieg in Rumänien dürfte der Sélectionneur, der Frankreich 2006 in den WM-Final führte, im Amt bleiben. In Constanta kann Domenech erstmals seit Juni auf Franck Ribéry zählen. Dieser dürfte zusammen mit Marseilles Hatem Ben Arfa und Yoann Gourcuff von Bordeaux das offensive Mittelfeld hinter Sturmspitze Thierry Henry bilden.

Italien mit Verletzungssorgen

Österreich, das mit einem Sieg gegen Frankreich gestartet war, musste zuletzt mit der Niederlage in Litauen einen Rückschlag hinnehmen. Heute tritt das Team von Karel Brückner auf den Färöern an. 1990 verlor Österreich in Landskrona (Sd) sensationell gegen die Fussballer vom Inselstaat. Die Färinger kamen damals zu ihrem wertvollsten von insgesamt nur sieben Pflichtspiel-Siegen. In den letzten sechs Jahren gewannen die Färöer, die mehrheitlich mit Amateuren antreten, bei ihren Qualifikations-Kampagnen allerdings nur einen Punkt (2:2 gegen Zypern).

Weltmeister Italien muss bei seinem Gastspiel in Bulgarien auf diverse Stammkräfte verzichten. Anstatt Andrea Pirlo, Gianluigi Buffon, Marco Materazzi oder Fabio Grosso machten die potentiellen Debütanten Giuseppe Rossi, Simone Pepe, Christian Maggio und Fabiano Santacroce die Reise nach Sofia mit. Die «Squadra Azzurra» ist neben Griechenland, England, der Ukraine und Europameister Spanien, der seit 25 Partien ohne Niederlage ist, die einzige Mannschaft, die ihre beiden ersten Begegnungen gewonnen hat.

Pflichtaufgaben für Griechenland und Israel

In der «Schweizer Gruppe» 2 weist Griechenland in der laufenden WM-Qualifikation eine makellose Bilanz auf. Daran dürfte sich am Samstag nichts ändern. In Piräus gastiert Moldawien, das Schlusslicht der Gruppe.

Mit sechs Punkten und einem Torverhältnis von 5:0 erfüllte Griechenland seine Pflicht gegen Luxemburg und Lettland in den ersten beiden Spielen problemlos. Nach der völlig missglückten Europameisterschaft, an der die Mannschaft als Titelverteidiger keinen Punkt holte, waren die Startsiege nicht nur gut für das Punktekonto, sondern auch für die Teamstimmung und das Selbstvertrauen. «Jetzt sind alle wieder zufrieden», konstatierte Trainer Otto Rehhagel. Die Bewährungsproben stehen gegen die vermeintlich stärksten Gegner, Schweiz und Israel, allerdings noch an.

Vor dem Duell mit der Schweiz am kommenden Mittwoch dürfte Griechenland gegen Moldawien einen weiteren Sieg einfahren. Die routinierte griechische Equipe, die weiterhin sieben Europameister von 2004 in ihren Reihen hat, geht als klarer Favorit in die Partie und hofft vor allem auf Tore von Theofanis Gekas. Der Leverkusener traf in der WM-Qualifikation bislang dreimal.

Im dritten Spiel der Gruppe 2 gastiert Israel in Luxemburg. Für die Luxemburger, die in der Qualifikation für die WM 2006 punktelos geblieben waren, ist diese Kampagne dank dem Sieg gegen die Schweiz bereits ein Erfolg. Für Israel ist ein Sieg Pflicht. (si)

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