Aktualisiert 10.03.2016 12:20

Flieger-Beschaffung«Russland ist scharf auf einen Kampfjet-Deal»

Ein Berater aus der Rüstungsindustrie erzählt, wie er der Schweiz russische Kampfjets vermitteln möchte. Die Elektronik soll ein Schweizer Konsortium entwickeln.

von
D. Waldmeier

Francesco Petricca ist CEO der Zuger Firma Aliteco AG, die seit 25 Jahren Geschäfte in der Rüstungsindustrie zwischen Ost und West einfädelt. Wir treffen den fein gekleideten Italiener, kurz nachdem der Bundesrat Ende Februar den Startschuss für den Kauf neuer Kampfjets gegeben hat. In seiner Aktentasche liegt ein Dossier mit dem Titel «Kampfflugzeug für die Schweiz». Dieses enthält einen konkreten Plan für den Ersatz der alten F-5 Tiger, mit dem er die Diskussion aufmischen möchte.

Sein Vorschlag: Die Schweiz soll den Kampfjet beim russischen Flugzeugbauer Suchoi kaufen. Infrage komme entweder der Su-35 oder der T-50, so Petricca. Der Russen-Jet soll aber mit westlicher Technologie ausgestattet werden, die grösstenteils in der Schweiz entwickelt wird.

«Schweiz bekäme Jets zum Schnäppchenpreis»

«Mit den ETHs, dem Technologiekonzern Ruag und führenden Industriebetrieben sind die Voraussetzungen für ein solches Projekt nirgends besser.» Rhetorisch fragt Petricca: «Wenn Schweden mit dem Gripen einen Kampfjet entwickeln kann, warum sollte es dann die Schweiz nicht können?»

Das Risiko des Unterfangens könne reduziert werden, indem Firmen, die an der Entwicklung des Eurofighters beteiligt waren, an Bord genommen werden. Laut Petricca, der nach eigenen Angaben über beste Kontakte ins russische Verteidigungsministerium verfügt, ist Moskau scharf darauf, mit der Schweiz ins Geschäft zu kommen. «Der Deal würde die Tür für westliche Absatzmärkte öffnen.»

Die Schweiz bekäme die Jets darum «zu einem Schnäppchenpreis». «Das Projekt käme nicht teurer als die Beschaffung des Gripen.» Auch würde die Schweizer Industrie in viel höherem Mass profitieren als bei indirekten Gegengeschäften. Zudem würde die Abhängigkeit von den USA reduziert.

Schon 2010 hat Aliteco von Rosoboronexport, dem russischen Monopolexporteur für Rüstungsgüter, die Erlaubnis erhalten, die Jets in der Schweiz anzubieten, wie ein entsprechendes Dokument belegt. Man sei damals in der Schweiz aber auf taube Ohren gestossen, sagt Petricca. Am Ende setzte sich Saab mit dem Gripen gegen Dassault (Rafale) und Airbus (Eurofighter) durch. Die 22 Schweden-Flieger hätten 3,1 Milliarden Franken gekostet, stürzten aber an der Urne ab.

Experte nennt das Projekt «realitätsfremd»

Beim Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) will man den Plan zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Kritisch äussert sich Aviatik-Experte und SkyNews.ch-Chefredaktor Hansjörg Bürgi: «Die Idee ist interessant, aber realitätsfremd.» Die russischen Jets seien zwar gut, das System aber nicht mit den westlichen kompatibel. «Man müsste zunächst einen Prototypen bauen – der Aufwand wäre enorm.» Bis 2025 hätte man niemals einen Flieger.

«Wann immer die Schweiz gemeint hat, einen Jet auf unsere Bedürfnisse zuzuschneiden, ist er am Ende enorm teurer geworden. Es sei darum sinnvoller, ein Flugzeug von der Stange zu kaufen, zumal die Schweiz als neutrales Land den Jet kaum werde exportieren können. «Für die kleinen Stückzahlen lohnt es sich nicht, die Katze im Sack zu kaufen.» Ohnehin hätte ein Deal mit Russland in der Schweizer Politik kaum Chancen.

Auch Bürgi sagt aber, dass es für Russland ein Prestige-Erfolg wäre, wenn es in die Schweiz liefern könnte. Ein Sieg im strengen Schweizer Evaluationsverfahren sei die beste Referenz.

Schweizer Kampfflugzeug floppte in den 50er-Jahren

nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte die Schweiz mit der P-16 ein eigenes Kampfflugzeug. Der Tiefdecker erreichte im Stechflug Überschallgeschwindigkeit und kam mit einer extrem kurzen Landebahn aus. Gebaut haben es die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein am Bodensee. Obwohl die Luftwaffe bereits 100 Stück bestellt hatte, wurde die P-16 nie eingeführt: Nach dem Absturz einer Vorserienmaschine am 25. März 1958 wurde die Bestellung storniert, das Vorhaben später eingestellt. (Bild: Wikipedia)

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