Krieg in der Ukraine - «Russland setzt Phosphorbomben ein»

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Krieg in der Ukraine«Russland setzt Phosphorbomben ein»

Ukrainische Behörden behaupten, in der östlichen Stadt Kramatorsk sowie in Irpin und Hostomel nahe Kiew sei weisse Phosphormunition eingesetzt worden. Die Substanz gilt nicht als Chemiewaffe, doch deren Einsatz hat für Menschen grausame Folgen.

von
Karin Leuthold
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Am 22. März 2022 soll Russland weisse Phosphorbomben über Hostomel und Irpin in der Ukraine abgeworfen haben.

Am 22. März 2022 soll Russland weisse Phosphorbomben über Hostomel und Irpin in der Ukraine abgeworfen haben.

Telegram/Oleksandr Markushin
Die Bilder stammen aus dem Telegram-Kanal des Bürgermeisters von Irpin, Oleksandr Markushin.

Die Bilder stammen aus dem Telegram-Kanal des Bürgermeisters von Irpin, Oleksandr Markushin.

Telegram/Oleksandr Markushin
Auch Userinnen und User auf Twitter meldeten einen Angriff mit weissem Phosphor.

Auch Userinnen und User auf Twitter meldeten einen Angriff mit weissem Phosphor.

Telegram/Oleksandr Markushin

Darum gehts

Russland soll in Hostomel und Irpin, zwei Vororte nordwestlich von Kiew, weisse Phosphorbomben abgeworfen haben. Das gab der Bürgermeister von Irpin, Oleksandr Markushin, auf Telegram bekannt. Der Angriff soll in der Nacht zum Dienstag geschehen sein, meldeten Userinnen und User auch via Twitter.

Oleksi Biloshytski, der stellvertretende Polizeichef von Kiew, veröffentlichte seinerseits ein Video auf den sozialen Medien, in dem er Russland beschuldigte, Phosphormunition gegen die Stadt Kramatorsk im Osten des Landes eingesetzt zu haben.

Die ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Liudmila Denisova schrieb vor einigen Tagen in einem Statement: «Das Bombardieren ziviler Ziele mit diesen Waffen ist ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.»

Russland wurde schon vor zehn Tagen beschuldigt, weisse Phosphormunition eingesetzt zu haben. Dabei soll die Ortschaft Popasna, rund 100 Kilometer westlich von Luhansk, von der russischen Armee angegriffen worden sein.

Warum ist weisser Phosphor so gefährlich?

Der Einsatz von Phosphor ist in dicht besiedelten Gebieten nach internationalem Recht verboten, gilt aber nach dem Chemiewaffenübereinkommen nicht als chemische Waffe. Weisser Phosphor, der sich bei Kontakt mit der Luft entzündet, wird häufig eingesetzt, um feindliche Ziele zu markieren und eine Nebelwand zu erzeugen, um Truppenbewegungen zu verbergen.

Laut einem Bericht von «Human Rights Watch» haben Phosphorexplosionen grausame Folgen für Menschen. Bei Kontakt verursacht weisser Phosphor thermische und chemische Verbrennungen, Schäden an den Atemwegen, Erstickungsanfälle und Kohlenmonoxidvergiftungen, was oft zu einem langsamen Tod führt. Opfer eines Phosphorangriffs leiden unter Umständen unter starken Schmerzen, schweren Infektionen, Organversagen, Verstümmelungen und lebenslangen Behinderungen.

Je bedrängter er sich fühlt, desto mehr wird Putin zu Chemiewaffen greifen

Je länger der Krieg in der Ukraine durch den erbitterten Widerstand der Bevölkerung ins Stocken gerät, umso mehr nehmen weltweit die Befürchtungen zu, dass Wladimir Putin den Einsatz chemischer Waffen in Erwägung zieht. 

US-Präsident Joe Biden bezeichnete vor seinem Aufbruch am Mittwoch Richtung Europa einen Chemiewaffeneinsatz Russlands in der Ukraine als «echte Gefahr». Zudem warnten die USA erneut davor, dass Russland im Begriff sein könnte, einen Angriff unter falscher Flagge zu inszenieren, um den Einsatz chemischer Waffen zu rechtfertigen.

Biden hatte zuvor erklärt, dass die Behauptung Russlands, die Ukraine verfüge über biologische und chemische Waffen, ein klares Zeichen dafür sei, dass Putin den Einsatz dieser Waffen erwäge. Der US-Präsident hat vor schwerwiegenden Konsequenzen gewarnt, sollten sie eingesetzt werden. 

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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