UN-Menschenrechtsrat: Russland soll «bedeutende Zahl» ukrainischer Heimkinder verschleppt haben
Publiziert

UN-MenschenrechtsratRussland soll «bedeutende Zahl» ukrainischer Heimkinder verschleppt haben

Eine UN-Kommission untersucht Berichte über Kinder aus ukrainischen Einrichtungen, die nach Russland gebracht wurden. Es gebe bereits Adoptionsprozesse und die Kinder bekämen die russische Staatsbürgerschaft.

1 / 4
Eine Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats hat am Mittwoch bei ihrem Besuch in der Ukraine Hinweise bekommen, dass ukrainische Heimkinder nach Russland transportiert würden. Bild: Kinder werden am 30. Mai aus Kupiansk in der Nähe von Charkiw evakuiert. 

Eine Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats hat am Mittwoch bei ihrem Besuch in der Ukraine Hinweise bekommen, dass ukrainische Heimkinder nach Russland transportiert würden. Bild: Kinder werden am 30. Mai aus Kupiansk in der Nähe von Charkiw evakuiert. 

REUTERS
Gemäss den Berichten würden die Kinder in Russland die russische Staatsbürgerschaft erhalten und Adoptionsprozesse durchlaufen. 

Gemäss den Berichten würden die Kinder in Russland die russische Staatsbürgerschaft erhalten und Adoptionsprozesse durchlaufen. 

REUTERS
Kommissionsmitglied Jasminka Džumhurin sprach von einer «bedeutenden Zahl» Kinder. Bild: Zerstörtes Kinderheim in Mariupol.

Kommissionsmitglied Jasminka Džumhurin sprach von einer «bedeutenden Zahl» Kinder. Bild: Zerstörtes Kinderheim in Mariupol.

REUTERS

Darum gehts

In von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine sollen Kinder aus Heimen verschwunden sein. Hinweise dazu hat die Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats bei ihrem Besuch in der Ukraine erhalten, wie sie am Mittwoch in Kiew berichtete. Man müsse Berichten nachgehen, «wonach Kinder, die in Einrichtungen in den vorübergehend besetzten Gebieten untergebracht waren, nach Russland gebracht wurden», sagte Kommissionsmitglied Jasminka Džumhurin.

Die Kinder erwartet Adoption und russische Staatsbürgerschaft

Sie hätten gehört, dass diese Kinder die russische Staatsbürgerschaft bekämen und Adoptionsprozesse in Gang gesetzt würden. Nach Džumhurins Worten konnte die Kommission die Berichte zunächst nicht selbst prüfen, da sie nicht in die besetzten Gebiete reisen konnte. Sie würde dem aber nachgehen. Um wie viele Kinder es sich handelt, konnte Džumhurin nicht sagen. Sie sprach von einer «bedeutenden Anzahl».

Auf ihrer Reise habe die dreiköpfige Kommission seit dem 7. Juni Informationen erhalten, die auf Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit hindeuten könnten, sagte der Kommissionsvorsitzende Erik Møse. Er verwies unter anderem auf Besuche in Butscha und Irpin, wo Menschen der Kommission über willkürliche Tötungen von Zivilisten, Plünderungen und Angriffe auf zivile Infrastruktur, darunter Schulen, berichteten.

Russland ignoriert den Menschenrechtsrat

Die Kommission plant weitere Reisen in die Ukraine. Sie spreche sich mit Experten etwa des Internationalen Strafgerichtshofs ab, der ebenfalls wegen möglicher Kriegsverbrechen ermittelt. Es müsse vermieden werden, dass Opfer durch mehrmalige Befragungen erneut traumatisiert würden. Die Kommission habe bislang vergeblich versucht, mit Russland über die Botschaft in Genf in Kontakt zu treten, sagte Møse.

Der UN-Menschenrechtsrat in Genf hatte die Kommission im März eingesetzt. Kommissionsmitglied Pablo de Greiff betonte, dass alle Taten untersucht würden, unabhängig davon, von wem sie begangen wurden. Die Kommission will dem Rat im September erstmals berichten.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

My 20 Minuten

(dpa/fis)

Deine Meinung

28 Kommentare