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Tsunami-TorpedoRussland testet atomare Unterwasser-Drohne

Die russische Marine baut unbemannte Torpedos, die mit Wasserstoffbomben ganze Grossstädte an Küsten auslöschen können.

von
sut
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Eine nukleare Unterwasserdrohne wird von einem U-Boot abgefeuert. Das von Russland entwickelte System von Atomtorpedos soll die US-Raketenabwehr unterlaufen. (Künstlerische Impression)

Eine nukleare Unterwasserdrohne wird von einem U-Boot abgefeuert. Das von Russland entwickelte System von Atomtorpedos soll die US-Raketenabwehr unterlaufen. (Künstlerische Impression)

Screen Grab YouTube
Gegen die schnelle und sehr tödliche Waffe ist keine Abwehr gefeit. (Künstlerische Impression)

Gegen die schnelle und sehr tödliche Waffe ist keine Abwehr gefeit. (Künstlerische Impression)

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Der von den USA «Kanyon» genannte Torpedo ist bis zu 100 Stundenkilometer schnell und hat mit seinem Nuklearantrieb eine Reichweite von 10'000 Kilometern. (Künstlerische Impression)

Der von den USA «Kanyon» genannte Torpedo ist bis zu 100 Stundenkilometer schnell und hat mit seinem Nuklearantrieb eine Reichweite von 10'000 Kilometern. (Künstlerische Impression)

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Mit dem Ziel, die russischen Streitkräfte aufzurüsten, lässt Präsident Wladimir Putin eine schreckliche Massenvernichtungswaffe entwickeln. Wie von US-Geheimdiensten bestätigt wurde, hat Russlands Marine Ende November erstmals eine nuklear bewaffnete Unterwasser-Drohne getestet, gegen die jede Abwehr wirkungslos ist.

Die Drohne ist ein rund 24 Meter langer, von einem Atomreaktor angetriebener Torpedo. Bei den Russen heisst die Waffe Ozeanisches Mehrzwecksystem Status-6. US-Militärs haben sie Kanyon getauft.

Schnelle Entwicklung

Offizielle amerikanische Kreise machen zu Kanyon keine Angaben. Zum ersten Mal berichtete darüber die Online-Zeitschrift «Washington Free Beacon» im September 2015. Damals hiess es, mit einem Prototypen sei erst 2019 zu rechnen. Doch nun ist kaum mehr als ein Jahr nach der erstmaligen Erwähnung ein Test gelungen.

«Als nuklear getriebene und nuklear bewaffnete Unterwasser-Drohne ist Status-6 das verantwortungsloseste Waffenprogramm, das Putins Russland je erfunden hat», sagte Mark Schneider, ein früherer Pentagon-Offizieller, dem «Beacon». «Status-6 ist dafür gedacht, Zivilisten durch eine massive Explosion und radioaktive Verseuchung zu töten.»

Vernichtende Tsunamis

Der Experte untertreibt. Wie ein russischer Experte in einem Video-Interview (siehe unten) ausführt, ist ein Hintergedanke der U-Boot-Drohne zusätzlich, dass die Explosion einer Wasserstoffbombe in grosser Wassertiefe einen gewaltigen Tsunami erzeugen würde. Er könnte die an den Küsten liegenden Grossstädte Amerikas und Europas mit gigantischen Flutwellen überschwemmen.

Die technischen Daten von Kanyon sind beeindruckend. Die wie ein grosser Torpedo aussehende Drohne kann eine Wasserstoffbombe von bis zu 100 Megatonnen TNT 10'000 Kilometer weit in einem Kilometer Tiefe durch die Ozeane tragen. Ihre maximale Geschwindigkeit wird mit 100 Stundenkilometern angegeben. Gesteuert wird Status-6 aus grosser Distanz von einem Kriegsschiff oder von einem Angriffs-U-Boot der Sarow-Klasse.

Reaktion auf Abwehrsysteme

Fachleute gehen davon aus, dass die Existenz dieses unheimlichen Waffenprogramms 2015 absichtlich «geleakt» wurde, um die USA zu warnen. Putin reagiert mit den Planungen auf die westliche Absicht, in Osteuropa zusätzliche Raketenabwehrsysteme einzurichten. Mit den auf Schiffen platzierten Abfangwaffen will Washington russische Aggression abschrecken und verhindern, dass Moskau nach der Annexion der Krim-Halbinsel weitere Eroberungen erwägt.

Putin seinerseits will mit den U-Boot-Drohnen die US-Abwehrsysteme umgehen. An einer Besprechung mit Militärs kündigte der russische Präsident 2015 an: «Wir werden in einem ersten Schritt zuerst die Angriffssysteme entwickeln, die fähig sind, beliebige Antiraketensysteme zu überwinden.»

Keine Reaktion Washingtons

Eine kleine, geräuschlos tief im Ozean schwimmende Atomdrohne wäre schwer zu orten und auszuschalten. Ihr Zerstörungspotenzial ist jedoch gigantisch. Die USA entwickeln laut «Beacon» ebenfalls Unterwasserdrohnen. Sie sollen in erster Linie auskundschaften und Seeminen räumen. Das Pentagon plant aber nicht, die Drohnen mit Nuklearwaffen zu bestücken.

Experte Mark Schneider wirft der US-Regierung vor, nichts gegen Putins Atomdrohnen zu unternehmen. «Das Obama-Aussenministerium scheint am Steuer zu schlafen», sagt er. Solche neuen Waffen seien nach Abrüstungsverträgen meldepflichtig. «Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Verhandlungen im Gange sind oder dass die USA dieses Thema überhaupt gegenüber Russland vorgebracht haben.»

Video über Tsunami-Waffe:

(Video: Youtube/Deutschland+Russland)

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