Medwedew sprach von Atomkrieg: Russland warnt Finnland bei Nato-Beitritt mit massiver Vergeltung
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Medwedew sprach von AtomkriegRussland warnt Finnland bei Nato-Beitritt mit massiver Vergeltung

Nachdem Finnland beschlossen hat, der Nato beitreten zu wollen, kam die Replik aus Moskau umgehend: Der Kreml warnt seinen Nachbarstaat in markigen Worten, ein solcher Schritt habe ernste Folgen für das Land.

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Finnische Soldaten bei einem Manöver: Das Land möchte der Nato beitreten.

Finnische Soldaten bei einem Manöver: Das Land möchte der Nato beitreten.

via REUTERS
Bisher war Finnland neutral, wurde aber bereits im Zweiten Weltkrieg von Russland angegriffen.

Bisher war Finnland neutral, wurde aber bereits im Zweiten Weltkrieg von Russland angegriffen.

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Finnland (rechts: Präsident Sauli Niinisto) und Grossbritannien hatten sich vor wenigen Tagen gegenseitig zugesichert, sich im Krisenfall militärische Hilfe zu leisten.

Finnland (rechts: Präsident Sauli Niinisto) und Grossbritannien hatten sich vor wenigen Tagen gegenseitig zugesichert, sich im Krisenfall militärische Hilfe zu leisten.

IMAGO/Xinhua

Darum gehts

  • Finnland steht kurz davor, der Nato ein Beitrittsgesuch zu stellen.

  • Das sorgt im benachbarten Russland für Aufregung – und massive Drohungen an Helsinki.

  • Der stellvertretende Chef des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, drohte gar mit der Möglichkeit eines Atomkriegs.

Das russische Aussenministerium hat vor den Folgen eines Nato-Beitritts Finnlands gewarnt. Das Ministerium erklärte am Donnerstag, dass ein finnischer Beitritt zum Militärbündnis «den russisch-finnischen Beziehungen sowie der Stabilität und Sicherheit in Nordeuropa ernsthaften Schaden zufügen wird». Russland werde gezwungen sein, «Vergeltungsmassnahmen militärisch-technischer und anderer Art zu ergreifen, um den aufkommenden Gefahren für seine nationale Sicherheit entgegenzutreten».

Es sei zwar an Finnland, über Wege zur Gewährleistung der Sicherheit des skandinavischen Landes zu entscheiden. «Helsinki muss sich jedoch seiner Verantwortung und der Folgen eines solchen Schritts bewusst sein.» Das Ministerium warf Finnland vor, mit dem angestrebten Beitritt gegen frühere Vereinbarungen mit Russland zu verstossen. «Die Geschichte wird entscheiden, warum Finnland sein eigenes Territorium in ein Bollwerk der Konfrontation mit Russland verwandeln musste, während es die Unabhängigkeit über das Treffen seiner eigenen Entscheidungen verlor», hiess es.

Medwedew sprach von Atomkrieg

Noch klarer drückte sich der frühere russische Präsident und stellvertretende Chef des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, aus: Zunehmende Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine und die Ausbildung ihrer Truppen hätten «die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein laufender Stellvertreterkrieg zu einem offenen und direkten Konflikt zwischen der Nato und Russland wird». Er fügte hinzu, dass «es immer das Risiko gibt, dass sich ein solcher Konflikt in einen umfassenden Atomkrieg verwandelt, ein Szenario, das für alle katastrophal sein wird».

Der finnische Staatspräsident Sauli Niinistö und Ministerpräsidentin Sanna Marin hatten sich am Donnerstag für einen unverzüglichen Nato-Beitritt ihres Landes ausgesprochen. Ein Gesuch zum Beitritt des nordeuropäischen Landes zu der Militärallianz gilt damit als praktisch sicher. Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Es wird erwartet, dass sich auch Schweden in den kommenden Tagen für einen Beitritt zur Nato entscheidet. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüsste Finnlands Beitrittsabsicht und stellte eine «reibungslose und zügige» Aufnahme in Aussicht.

«Eine Mitgliedschaft in der Nato würde die Sicherheit Finnlands stärken», erklärten Niinistö und Marin. Finnland ist seit Jahrzehnten in militärischen Bündnisfragen neutral. Seit Russlands Einmarsch in die Ukraine hat sich die öffentliche Meinung jedoch deutlich gewandelt. In Richtung Russland gewandt konterte er: «Ihr habt das verursacht. Schaut in den Spiegel!»

Ein Beitritt Finnlands und Schwedens wäre die bedeutendste Nato-Erweiterung seit 2004, als die baltischen Staaten Mitglieder wurden. Helsinki und Stockholm bringen erhebliche militärische Kapazitäten mit. Allein Finnland stehen in Kriegszeiten 280’000 kampffähige Soldaten und weitere 600’000 Reservisten zur Verfügung. Und das Land will seinen Verteidigungshaushalt bis 2026 um 40 Prozent erhöhen. 

(DPA/trx)

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