Jet zu Boden gezwungen: Russland will von der Türkei eine Erklärung
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Jet zu Boden gezwungenRussland will von der Türkei eine Erklärung

Die Intervention der türkischen Luftwaffe gegen einen syrischen Passagierjet sorgt für Verstimmungen. Russland fordert eine Erklärung und Kremlchef Putin sagt eine Türkei-Reise ab.

Russland hat von der Türkei eine Erklärung für die Intervention gegen ein syrisches Flugzeug gefordert. Zugleich sagte Kremlchef Wladimir Putin eine für diesen Montag geplante Türkei-Reise ab, wie ein Sprecher am Donnerstag mitteilte.

Nach offiziellen Angaben kann sich Putin wegen anderer Termine nicht mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen. Die Zeitung «Wedomosti» zitierte indes einen Kremlbeamten mit den Worten, Putin wolle sich in dem eskalierenden Konflikt zwischen Damaskus und Ankara nicht auf eine Seite stellen.

Das Aussenministerium in Moskau teilte mit, Russland sei besorgt, dass Leben und Sicherheit der 17 russischen Bürger, die sich an Bord der Maschine befanden, gefährdet worden seien. Die türkischen Behörden sollten erklären, wie es zu der erzwungenen Landung kommen konnte und wie sich ähnliche Vorfälle in Zukunft verhindern liessen.

Behörde für Rüstungsexporte: Keine Waffenteile an Bord

Zuvor hatte ein Vertreter der russischen Behörde für Rüstungsexporte versichert, das Flugzeug habe keine Waffen oder Waffenteile transportiert. Wenn Russland Militärausrüstung oder Waffen an Syrien hätte liefern wollen, wäre dies gemäss den Regeln, nicht auf illegalem Wege geschehen und «vor allem nicht mit Zivilisten an Bord des Flugzeuges», zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen Behördevertreter.

Nach Angaben der Regierung Ankaras wurde an Bord hingegen eine «illegale Ladung» beschlagnahmt, die nach internationalen Regeln hätte gemeldet werden müssen. Das türkische Nachrichtenportal «Star» berichtete, es handle sich um eine 300 Kilogramm schwere Fracht, die für das syrische Verteidigungsministerium bestimmt gewesen sei. Darunter seien auch Ausrüstungsgegenstände, die als Bauteile für Raketen verwendet werden könnten.

Eingriff wegen Geheimdienstinformationen

Der türkische Verkehrsminister Binali Yildirim betonte, die Türkei sei verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihr Luftraum nur für zivile Zwecke genutzt werde. Diese Kontrolle habe sie ausgeübt und sie würde dies auch in Zukunft tun, sagte er nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten die syrische Maschine am Mittwochabend abgefangen und zur Landung auf dem Esenboga-Flughafen in Ankara gezwungen. Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu sagte, dem türkischen Geheimdienst hätten Informationen über eine «verdächtige Fracht» vorgelegen. Am Donnerstagmorgen verliess die Maschine Ankara in Richtung Damaskus. (sda)

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