Krieg in Libyen: Russland zweifelt an Version der NATO
Aktualisiert

Krieg in LibyenRussland zweifelt an Version der NATO

Russland vermutet, dass es sich bei dem Angriff, bei dem Gaddafis Sohn ums Leben kam, um einen gezielten Angriff auf al-Gaddafi gehandelt hat. Der britische Premierminister bezweifelt hingegen die Angaben der libyschen Regierung.

Russland hat Zweifel an der Darstellung der NATO geäussert, ein Luftangriff in Tripolis in der Nacht zum Sonntag habe sich nicht gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi und seine Familie gerichtet. Beim Angriff wurde der jüngste Sohn des Machthabers getötet.

Angaben des Militärbündnisses, Angriffe in Libyen hätten «nicht die physische Zerstörung von Muammar al-Gaddafi und Mitgliedern seiner Familie zum Ziel», gäben Anlass zu «ernsthaften Zweifeln», erklärte das Aussenministerium in Moskau.

Die Berichte über bei den Kampfeinsätzen getötete Zivilisten stiessen in Moskau auf «wachsende Sorge». Russland rief die Militärkoalition auf, die Angriffe in Libyen sofort einzustellen.

Sohn und Enkelkinder getötet

Ein Sprecher der libyschen Regierung hatte in der Nacht erklärt, Gaddafis Sohn Saif al-Arab sowie drei von Gaddafis Enkelkindern seien bei einem NATO-Luftangriff in der libyschen Hauptstadt getötet worden.

Die NATO bestätigte nur «gezielte Angriffe auf Militäranlagen» im Stadtteil Bab al-Asisija, in der auch die Residenz von Muammar al- Gaddafi liegt. Ihre Angriffe richteten sich gegen Ziele nicht gegen Individuen, erklärte das Militärbündnis.

Vorwürfe Libyens an die NATO

Die libysche Regierung warf der NATO vor, einen gezielten Angriff Staatschef Gaddafi verübt zu haben. Während des Angriffs auf das Haus von Saif al-Arab Gaddafi habe sich auch Libyens Machthaber und seine Frau dort aufgehalten; sie seien aber unverletzt geblieben, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim.

Mehrere anwesende Freunde und weitere Familienangehörige seien dagegen verletzt worden. NATO-Kampfjets hätten das Haus des 29-jährigen am Samstagabend «mit voller Wucht» angegriffen, sagte Ibrahim.

Britischer Premier mit Zweifeln

Der britische Premier David Cameron hat hingegen Zweifel am angeblichen Tod eines Sohnes von Libyens Machthaber Muammar al- Gaddafi geäussert. Es handle sich bisher lediglich um einen «unbestätigten Bericht» der Regierung in Tripolis, den er nicht weiter kommentieren wolle.

In einem Interview mit dem britischen Sender BBC versicherte Cameron am Sonntag zugleich, die NATO folge bei der Auswahl ihrer Ziele den Vorgaben der Libyen-Resolution des UNO-Sicherheitsrates.

Aufgabe des Einsatzes sei es, den Tod von Zivilisten durch Gaddafis «Kriegsmaschinerie» zu verhindern, sagte Cameron. «Es geht eher darum, auf Kommando- und Kontrollzentren zu zielen als auf Einzelpersonen.» (sda)

Bischof von Tripolis bestätigt Tod von Gaddafis Sohn

Der apostolische Vikar von Tripolis hat den Tod von Saif al-Arab Gaddafi, einem Sohn des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi, bestätigt. Der 29-Jährige sei tot, sagte Bischof Giovanni Martinelli am Sonntag telefonisch dem italienischen Fernsehsender Sky TG24.

Martinelli rief die internationale Gemeinschaft auf, das Bombardement Libyens einzustellen. Ein Sprecher der libyschen Regierung hatte in der Nacht erklärt, Gaddafis Sohn sowie drei von Gaddafis Enkelkindern seien bei einem NATO-Luftangriff in Tripolis getötet worden. Die NATO bestätigte lediglich «gezielte Angriffe auf Militäranlagen» in der libyschen Hauptstadt.

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