Aktualisiert 07.12.2010 12:55

In England enttarnt

Russlands neue schöne Agentin

Eine aus Russland stammende Mitarbeiterin eines britischen Parlamentariers ist als mutmassliche Spionin enttarnt worden. Sie bestreitet die Vorwürfe.

von
pbl
Ein Urlaubsfoto von Katia Zatuliveter.

Ein Urlaubsfoto von Katia Zatuliveter.

Die 25-jährige Ekaterina Zatuliveter, genannt Katia, sei vom Inlandsgeheimdienst MI5 entdeckt und festgenommen worden, berichtete die Londoner «Sunday Times». Laut dem Bericht wurde Zatuliveter im August bei ihrer Rückkehr nach Grossbritannien am Londoner Flughafen Gatwick verhört. Innenministerin Theresa May habe ihre Verhaftung bewilligt.

Die attraktive, blonde Russin ist demnach eine «Schläferin», also eine Agentin, die erst in Zukunft aktiviert werden sollte. Sie arbeitete für den liberaldemokratischen Abgeordneten Mike Hancock, der Mitglied des Verteidigungsausschusses im Unterhaus ist. Katia Zatuliveter soll nun nach Russland ausgewiesen werden.

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Interesse für Russland und Nuklearwaffen

Dem Bericht zufolge ist es das erste Mal seit dem Ende des Kalten Krieges, dass ein Parlamentsmitarbeiter der Spionage für Russland beschuldigt wird. Der MI5 glaube, dass die junge Frau sich gezielt den 64-jährigen Hancock ausgesucht habe, der ein starkes Russland-Interesse habe, berichtete die «Sunday Times». Der Liberaldemokrat soll in letzter Zeit ein starkes Interesse für die britischen Nuklearstreitkräfte gezeigt haben.

Der Abgeordnete aus der südenglischen Hafenstadt Portsmouth wies den Vorwurf zurück, dass seine Mitarbeiterin für den russischen Auslandsgeheimdienst SWR arbeite. «Sie ist keine Spionin», sagte Hancock. Zatuliveter werde den Abschiebebescheid anfechten. In einem E-Mail an den russischen Dienst der BBC betonte sie ihre Unschuld: «Ich wurde am Donnerstag um 7 Uhr früh verhaftet und informiert, dass ich abgeschoben werde. Niemand hat mir erklärt warum, und das ist beängstigend.»

Vom gleichen Überläufer enttarnt?

Laut britischen Medien stammt Ekaterina Zatuliveter aus der Kaukasusrepublik Dagestan. Während des Tschetschenien-Konflikts soll sie aus ihrer Heimat geflohen sein. Vor drei Jahren kam sie nach England, um an der Universität Bradford einen Master-Studiengang zu absolvieren, berichtet der «Guardian». Seit 2008 war sie im Unterhaus tätig. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow erklärte in Moskau, man werde ihr konsularische Dienste anbieten, falls es sich tatsächlich um eine russische Staatsbürgerin handle.

Der Fall weist einige Parallelen zur schönen Anna Chapman auf, die einem Spionagering angehörte, der im Juni in New York aufgeflogen ist. Andrej Soldatow, ein Experte für die russischen Geheimdienste, mutmasste im «Guardian», Katia Zatuliveter könnte vom gleichen Überläufer enttarnt worden sein wie Anna Chapman. Dabei soll es sich um einen SWR-Offizier namens Alexander Potejew handeln, wie erst kürzlich bekannt wurde.

Retourkutsche für WM-Vergabe?

«Die Frage ist, ob Katia tatsächlich rekrutiert wurde oder ob ihr Name nur auf einer Liste potenzieller Ziele stand, die irgend ein dämlicher Diplomat in der russischen Botschaft in London erstellt hatte», meinte Soldatow weiter. Russische Medien spekulierten bereits, bei der Abschiebung der jungen Frau handle es sich um eine Retourkutsche für Russlands Sieg bei der Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft 2018. Ein Sprecher der britischen Regierung bezeichnete diese Version als «etwas weit hergeholt». (pbl/sda/dapd)

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