Schwere Zeiten: Ryanair droht Boeing

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Schwere ZeitenRyanair droht Boeing

Europas grösster Billigflieger Ryanair stellt seine Wachstumsstrategie infrage und setzt damit seinen Flugzeuglieferanten Boeing unter Druck. Ein Auftrag für 200 neue Flugzeuge hängt in der Schwebe.

Zwar verbuchte Ryanair im ersten Halbjahr ein Gewinnplus von 80 Prozent. Allerdings lag dies vor allem an den gesunkenen Treibstoffkosten und kaschiert damit eine Entwicklung, die in den nächsten Monaten noch stärker durchschlagen dürfte, nämlich sinkende Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Für das dritte und vierte Quartal 2009/10 rechnet Ryanair mit Verlusten. Nun teilte Ryanair mit, dass die Gespräche mit dem US-Konzern über einen Auftrag für 200 neue Maschinen nicht vorangekommen seien.

Die bislang auch in Krisenzeiten rasant wachsende Fluggesellschaft ist einer der grössten Abnehmer von Boeing, der derzeit wie Konkurrent Airbus unter einer anhaltend flauen Nachfrage leidet.

In der Vergangenheit hatte Ryanair besonders in Krisenzeiten viele Flugzeuge bestellt und dabei etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von niedrigen Preisen profitiert.

Kostengünstige Einheitsflotte

«Es ergibt keinen Sinn, in einem Umfeld mit sinkenden Erlösen schnell zu wachsen, wo unser wichtigster Flugzeuglieferant nicht willens ist, seinen Teil zu unserem Kostensenkungsprogramm beizutragen», sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary.

Ryanair denke daher über ein Ende der Partnerschaft mit Boeing nach. Es sei unausweichlich, dass Ryanair in der Zukunft eine gemischte Flotte aus Boeing- und Airbus-Maschinen haben werde.

Experten schliessen indes nicht aus, dass sich hinter den Äusserungen nur ein strategischer Schritt verbirgt, mit dem O'Leary Boeing unter Druck setzen will. Mit der einheitlichen Flotte aus nur einem Flugzeugtyp spart Ryanair Wartungs- und Ausbildungskosten.

Prognose bestätigt

Im ersten Halbjahr (per Ende September) 2009/10 verbuchte Ryanair einen Gewinn vor Sonderposten von 387 Mio. Euro und damit mehr als erwartet. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 1,77 Mrd. Euro.

Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf sanken um 17 Prozent und überlagerten damit das um 15 Prozent höhere Verkehrsaufkommen. Im Gesamtjahr rechnet Rynair weiterhin mit einem Nettogewinn am unteren Ende der Prognose von 200 bis 300 Mio. Euro.

(sda)

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