0'Leary: «Ryanair wird das Amazon des Reisens»

Publiziert

0'Leary«Ryanair wird das Amazon des Reisens»

Auf der Website des Billigfliegers sollen Kunden bald vom Konzert- bis hin zum Fussballticket alles kaufen können. Experten überzeugt das wenig.

von
kwo
1 / 4
Ryanair will zum Online-Reisebüro werden, sagte CEO Michael O'Leary der Agentur Reuters.

Ryanair will zum Online-Reisebüro werden, sagte CEO Michael O'Leary der Agentur Reuters.

Julien Warnand
O'Leary ist bekannt für witzige, auffällige Werbeaktionen wie hier, wo er den Samichlaus spielt.

O'Leary ist bekannt für witzige, auffällige Werbeaktionen wie hier, wo er den Samichlaus spielt.

Olivier Hoslet
Die neue Idee, das «Amazon der Luftfahrt» zu werden, halten Experten allerdings nicht für besonders innovativ.

Die neue Idee, das «Amazon der Luftfahrt» zu werden, halten Experten allerdings nicht für besonders innovativ.

Robin Townsend

Ryanair-CEO Michael O'Leary ist für seine besonderen Ideen bekannt. Gerne kündigt er radikale Neuerungen an – zum Beispiel Stehplätze im Flugzeug. Sein neuster Coup laut dem Reisemagazin «Travel Inside» und der Nachrichtenagentur Reuters: Die Website der Fluggesellschaft Ryanair, die in der Schweiz ab Basel fliegt, soll zum «Amazon des Reisens» ausgebaut werden. O'Leary spielt damit auf den beliebten Online-Versandhändler an, den er kopieren möchte. Konkret bedeutet dies, dass auf Ryanair.com bald verschiedenste Zusatzservices wie Fussball- und Konzerttickets sowie Preisvergleiche neben Mietwagen und Hotelzimmern angeboten werden.

«Nicht nur in der Flugindustrie, praktisch im gesamten Online-Handel versuchen die Anbieter, mehr direkte Klicks zu generieren und weniger von Suchmaschinen oder Vergleichsseiten abhängig zu sein», erklärt Ralf Wölfe, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, den Vorstoss von O'Leary. Denn: Die Gebühren der Vermittler seien für viele Fluganbieter wie Ryanair eine starke finanzielle Belastung. Ausserdem sei diese Art des Zugangs zu Kunden unberechenbar. Es könne jederzeit passieren, dass die Portale ihre Konditionen ändern oder dass Wettbewerber die Preise hochtreiben.

Kunden umfassend betreuen

«Tatsächlich haben die meisten Airlines schon länger gemerkt, dass die Kunden auch andere Bedürfnisse haben, als nur von A nach B transportiert zu werden», ergänzt Urs Wagenseil, Tourismus-Professor an der Hochschule Luzern. So biete beispielsweise Konkurrent Easyjet schon länger Hotels oder Mietwagen an. «Von da ist der Sprung zu Freizeitangeboten wie Konzerten, die in Zusammenhang mit der Reise stehen, auch nicht mehr weit», so Wagenseil zu 20 Minuten. Allgemein gehe der Trend dahin, dass touristische Anbieter versuchen, ihre Angebotsbreite auszuweiten um Kunden möglichst umfassend betreuen und so auch mehr verdienen zu können.

Dass es Ryanair tatsächlich gelingt, ein kompletter Reisegestalter zu werden, halten die Experten hingegen für unrealistisch. Urs Wagenseil sagt: «Es handelt sich keineswegs um eine Revolution der Branche.» Und Ralf Wölfe erklärt: «Amazon hat seine Marktposition früh mit attraktiven Leistungen und einem hohen Serviceniveau aufgebaut. Die Wettbewerber eifern dem grossen Versandhändler nach.» Im Online-Reisemarkt gebe es hingegen bereits zahlreiche Anbieter, mit denen viele Kunden bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Der Markt habe deshalb nicht auf einen weiteren Anbieter wie Ryanair gewartet.

In der Schweiz wenig präsent

Für Experte Wölfe ist zudem fraglich, welche Kunden ein Fussball- oder Konzertticket auf einer Airline-Website suchen würden. «Dass eine Airline-Website der Ort ist, an dem ich mich spontan zum Besuch einer solchen Veranstaltung anregen lasse, bezweifle ich», so der Experte zu 20 Minuten.

Deine Meinung