Aktualisiert 28.02.2012 13:31

Trotz Milliardenhilfe

S&P stuft Griechenland erneut herab

Neuer Schlag für die Rettungsbemühungen um Griechenland: Der Ratingagentur Standard & Poor's schmeckt der geplante Schuldenschnitt nicht. Sie wertet ihn als teilweisen Zahlungsausfall.

Die Bonitätswächter von Standard & Poor's stufen Griechenland als «teilweise zahlungsunfähig» ein.

Die Bonitätswächter von Standard & Poor's stufen Griechenland als «teilweise zahlungsunfähig» ein.

Standard & Poor's reagierte auf den ausgehandelten Schuldenschnitt mit einer erneuten Abstufung der Kreditwürdigkeit: Sie senkte am späten Montag die schon mangelhafte Note «CC» auf das Niveau eines teilweisen Zahlungsausfalls mit möglicherweise negativen Auswirkungen auf das Finanzsystem.

Die griechische Regierung bemühte sich prompt um Schadensbegrenzung: Die Banken des Landes seien nicht gefährdet. Die Zentralbank und der Euro-Rettungsfonds hätten vorgesorgt. Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker demonstrierte Gelassenheit. Der Schritt sei erwartet worden.

Ein Zahlungsausfall ist deshalb problematisch, weil damit Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmasse angenommen hatte. Damals war es nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers zu einer Kettenreaktion im Finanzsystem gekommen.

Zwang ist problematisch

S&P hatte den Schritt angedroht. Besonders kritisch sehen die Bonitätswächter, dass Griechenland Anleger notfalls per Gesetz zwingen will, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Das funktioniert über nachträglich eingefügte Umschuldungsklauseln, sogenannte Collective Action Clauses (CAC). Das sieht S&P kritisch. Die Ratingagentur Fitch hatte sich ähnlich geäussert. S&P setzte zudem den Ausblick für den Euro-Rettungsfonds EFSF auf «negativ».

Juncker, Chef der Eurogruppe, sagte zur Abstufung: «Diese oder mögliche ähnliche Entscheidungen von Ratingagenturen waren rechtzeitig vorweggenommen und wurden in die Planung zur Privatgläubigerbeteiligung einkalkuliert.»

Er zeigte sich zuversichtlich, dass viele private Gläubiger wie Banken oder Versicherungen an dem freiwilligen Schuldenschnitt mitmachen. Sie sollen auf rund 100 Mrd. Euro Forderungen verzichten und bestehende Anleihen in neue, länger laufende und niedriger verzinste Papiere umtauschen. «Ich erwarte eine hohe Beteiligung privater Gläubiger.»

Experten hatten ausgerechnet, dass Verluste vom ursprünglichen Wert der Anleihen von mehr als 70 Prozent drohen. S&P stufte die in den Schuldenschnitt einbezogenen Staatsanleihen sogar auf «D» ab, was Zahlungsausfall bedeutet.

Schnelle Entspannung möglich

Wenn genügend Anleihebesitzer ihre Wertpapiere wie vorgeschlagen umtauschen, kann sich die Kreditsituation für Griechenland jedoch schnell wieder entspannen, wie S&P erklärte. In diesem Fall sei es gut möglich, dass der «teilweise Zahlungsausfall» als abgewendet angesehen werde und die Ratingnote auf ein «CCC» steige, hiess es. Auch das Athener Finanzministerium wies auf den Umstand hin. Allerdings war in der Bankenwelt zuletzt schwer gezweifelt worden, ob sich ausreichend Gläubiger dem Schuldenschnitt zustimmen.

Die erneute Abstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands wirkte sich unmittelbar auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken bei der EZB aus: Der EZB-Rat habe beschlossen, vorrübergehend griechische Staatsanleihen sowie von Griechenland garantierte Wertpapiere nicht mehr als Sicherheiten für Kredite zu akzeptieren, teilte die Notenbank am Dienstag mit. Das dürfte vor allem griechische Banken treffen, die besonders viele Griechenland- Bonds halten. Üblicherweise können diese bei der EZB als Pfand für Kredite hinterlegt werden.

Allerdings will die EZB Griechenland dennoch weiter mit frischem Geld versorgen. Zunächst soll der Mittelbedarf über die Notfall- Liquiditätslinien des Eurosystems gewährleistet werden.

Zweites Paket am Donnerstag

Am Donnerstag werden sich die Finanzminister der Euro-Zone wieder mit dem zweiten griechischen Hilfsprogramm über 130 Mrd. Euro beschäftigen. Nach der grundsätzlichen Zustimmung im Februar soll nun überprüft werden, ob Griechenland die versprochenen Massnahmen auch in Gesetze ummünzt.

Ein ins Auge gefasstes Treffen der Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder vom Freitag findet dagegen nicht statt. Dabei wäre es um die Aufstockung des künftigen Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) gegangen. Deutschland wehrt sich weiter gegen eine Erhöhung der bisher vorgesehenen Obergrenze von 500 Mrd. Euro.

(sda)

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