13.06.2017 23:34

Zürcher Obergericht«Sabrina» war Polizist – 27-Jähriger verurteilt

Der frühere Student dachte, er würde mit einer 14-Jährigen chatten. Doch das war ein Polizist. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Das Zürcher Obergericht beschäftigte sich am Dienstag erneut mit dem Fall des 27-Jährigen.

Das Zürcher Obergericht beschäftigte sich am Dienstag erneut mit dem Fall des 27-Jährigen.

Keystone/Walter Bieri

Das Zürcher Obergericht hat einen 27-jährigen Mann verurteilt, weil er mit einem vermeintlich 14-jährigen Mädchen chattete und sich mit ihr treffen wollte. Doch «Sabrina» war ein Polizist.

Der frühere Philosophie-Student erhielt vom Obergericht eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 30 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Verurteilt wurde er wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern sowie wegen mehrfacher und teilweise versuchter Pornographie.

Es war nicht das erste Mal, dass sich das Obergericht mit dem 27-jährigen befassen musste. Im November 2015 urteilte es bereits einmal in diesem Fall - sprach den Mann damals aber noch vom Vorwurf der versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern frei. Es verurteilte ihn lediglich wegen der Pornos auf seinem Computer, die Kinder, Tiere und Gewaltszenen zeigten. Zudem wollte er der vermeintlichen «Sabrina» ein Bild seines Penis schicken.

Polizist hatte keine Genehmigung

Beim schwerwiegendsten Anklagepunkt, den versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern, gelangte das Obergericht damals aber zu einem Freispruch. Das Problem: Der Polizist, der sich als «Sabrina» ausgegeben hatte, hatte keine richterliche Genehmigung für seine Aktion. Deshalb könne der Chat als Beweis nicht verwendet werden und der Beschuldigte sei freizusprechen, fand das Obergericht.

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft war mit dem Freispruch allerdings nicht einverstanden und zog den Fall ans Bundesgericht. Dieses teilte im Herbst 2016 die Meinung der Zürcher Ankläger.

«Sabrina» brauchte keine richterliche Genehmigung

Es habe sich nicht um eine verdeckte Ermittlung gehandelt, für die eine Genehmigung nötig gewesen wäre, sondern nur um eine verdeckte Fahndung. Bei einer verdeckten Ermittlung werden Personen mit einer Geschichte versehen, die auch einer vertieften Überprüfung standhalten soll. Polizisten nennen das «Legende».

Bei «Sabrina» jedoch habe es sich nur um einen Chat-Account mit Alter, Geschlecht und äusseren Attributen gehandelt. Dies sei keine «Legende». Deshalb sei auch keine richterliche Genehmigung nötig, fanden die Lausanner Richter.

Das Zürcher Obergericht musste somit nochmals über die Bücher, weshalb der Mann nun auch noch wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt wurde.

Treffen am HB Zürich

Erwiesen ist, dass der Student am 25. September 2013 zum Hauptbahnhof Zürich fuhr und sich dort mit «Sabrina» treffen wollte. Allerdings wartete keine 14-Jährige auf ihn, sondern die Polizei, die ihn verhaftete. Er sei nur neugierig gewesen, sagte der Beschuldigte vor Obergericht vor Obergericht aus.

Sexuelle Handlungen habe er keine beabsichtigt. Die Kondome, die er bei sich hatte, seien nicht für Geschlechtsverkehr mit «Sabrina» bestimmt gewesen. Die habe er auch sonst dabei, weil er ein paar Sexbekanntschaften habe, bei denen er ab und zu vorbeigehe. (sda)

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