Veruntreuungsprozess: Sachbearbeiterin zweigte 1,5 Millionen ab
Aktualisiert

VeruntreuungsprozessSachbearbeiterin zweigte 1,5 Millionen ab

Während fünf Jahren soll eine Sachbearbeiterin der Berner Bildungsorganisation OdA Geld abgezweigt haben. Anklage und Verteidigung fordern 36 Monate Haft.

Am Donnerstag erfolgt das Urteil im Veruntreuungsprozesses einer ehemaligen Sachbearbeiterin der Organisation der Arbeitwelt Gesundheit Bern (OdA).

Am Donnerstag erfolgt das Urteil im Veruntreuungsprozesses einer ehemaligen Sachbearbeiterin der Organisation der Arbeitwelt Gesundheit Bern (OdA).

Vor dem Berner Regionalgericht steht seit Dienstag eine 44-jährige Sachbearbeiterin, die bei der Organisation der Arbeitswelt Gesundheit Bern (OdA) während fünf Jahren unbemerkt 1,5 Millionen Franken abgezweigt haben soll. Der Fall flog flog erst durch eine Selbstanzeige auf.

Die Frau arbeitete von 2007 bis 2012 in der Buchhaltung der Berner OdA. Die von Spitälern, Spitex-Organisationen, Berufsverbänden und vom Kanton getragene Organisation betreibt ein Bildungszentrum für die Gesundheitsbranche. Wenige Monate, nachdem die Frau die Stelle im Mai 2012 von sich aus gekündigt hatte, zeigte sie sich selber an, um reinen Tisch zu machen. Damals sei ihr klar geworden, dass sie das Geld nicht mehr zurückzahlen konnte.

Dozentenhonorare wurden doppelt ausgezahlt

Das Geld brauchte die verheiratete Mutter zweier Kinder, um private Rechnungen zu begleichen und Löcher in mehreren Privatfirmen zu stopfen. Die Summen zweigte die Frau ab, indem sie Dozentenhonorare doppelt auszahlte – einmal an den Rechnungssteller und einmal auf eigene Konten. Im Hinblick auf mögliche Stichproben durch den Revisor schrieb die Angeklagte fiktive Rechnungen.

Anklage und Verteidigung plädieren für eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, 12 Monate davon unbedingt. Verurteilt werden soll die 44-jährige Frau wegen Veruntreuung, Urkundenfälschung und Pfändungsbetrug. Das beantragte Strafmass von drei Jahren liege an der «absoluten Untergrenze», betonte Staatsanwältin Claudia Hostettler in ihrem Plädoyer. Der Angeklagten hielt sie zugute, dass sie mit ihrer Selbstanzeige den Grundstein zu einer nötigen Verhaltensänderung gelegt habe.

Bei der Deliktssumme von 1,5 Millionen Franken handle es sich um einen «massiven Geldbetrag». Erschwerend komme dazu, dass sich die Veruntreuungen über Jahre hingezogen hätten. Andererseits habe fehlende Kontrolle im Betrieb das deliktische Handeln erleichtert.

Niemand bemerkte etwas

Auch der amtliche Verteidiger Philipp Kunz zeigte sich erstaunt darüber, dass die Angeklagte während fünf Jahren Gelder ihres Arbeitgebers abzweigen konnte, ohne dass dies bemerkt wurde. Immerhin mache die Deliktsumme 10 Prozent des Geschäftsvolumens aus, «die einfach so abflossen».

Obwohl er das gleiche Strafmass beantragte wie die Anklage, bat der Verteidiger das Gericht um Verständnis für seine Mandantin. Ihr sei das Leben über den Kopf gewachsen und statt den Kopf hängen zu lassen, sei sie als Unternehmerin zu aktiv geworden. Dabei sei ihr der eigene Optimismus, dass dann alles schon gut komme, «im Weg gestanden».

Urteil am Donnerstagmorgen

Die von der Veruntreuung betroffene Organisation der Arbeitswelt Gesundheit Bern (OdA) zog sich am Dienstagmorgen aufgrund einer Schuldanerkennung der Angeklagten als Privatklägerschaft zurück. Das Urteil des Regionalgerichtes erfolgt am Donnerstagmorgen.

(sda)

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