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«Saddam Hussein nicht als Märtyrer gestorben»

Saddam Hussein ist nach Meinung des Genfer Anwalts Marc Henzelin nicht als Märtyrer gestorben. Der Spezialist für internationales Strafrecht bedauerte, dass Saddam Hussein nicht vor ein internationales Gericht gestellt worden war.

«Saddam Hussein starb nicht als Märtyrer», sagte Henzelin gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Nur wenige Iraker würden dem Ex-Diktator nachtrauern und dessen Tod rächen wollen. Die Bevölkerung habe andere Probleme, sagte Henzelin.

Das am 26. Dezember bestätigte Todesurteil, welches absehbar gewesen sei, hinterlasse bei ihm noch immer Zweifel. Es könne leider nicht von einem Prozess im eigentlichen Sinne gesprochen werden.

Verteidigung Saddam Husseins abgelehnt

Das Verfahren habe nicht über die notwendigen Bedingungen der Unparteilichkeit verfügt, urteilte Henzelin. Er war 2004 von der Ehefrau Saddam Husseins für eine Beteiligung im Anwalts-Team des Ex- Machthabers angefragt worden.

Henzelin lehnte dies aber unter Verweis auf die mangelnde Ausgewogenheit ab. Der Anwalt hatte früher schon in Genf die Interessen von Barsan el Tikriti, eines Halbbruders von Saddam Hussein, vertreten.

Über das anschliessend von den USA eingesetzte Tribunal habe er seine Meinung kaum geändert, fügte Henzelin an. Das Tribunal, übrigens laut Henzelin die erste demokratische Institution im Irak, habe von Beginn weg auf wacklingen Füssen gestanden. Die Regeln des internationalen Rechts seien nicht respektiert worden.

Invasion rechtfertigen

Die Richter seien nicht unabhängig gewesen, da sie gemäss den Interessen der USA ausgewechselt worden seien. Die Verteidigung habe nicht korrekt wahrgenommen werden können und mehrere Staatsanwälte seien getötet worden, listete Henzelin die Mängel des Tribunals auf.

Nach Meinung des Genfer Professors für internationales Strafrecht hätte der Fall Saddam Hussein vor den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag gehört. Eine Alternative wäre ein gemischtes Tribunal gewesen, mit irakischen und ausländischen Richtern.

Die USA hätten sich aber für ein anderes Vorgehen entschieden, aus ideologischen Gründen. «Die Invasion vom März 2003 musste gerechtfertigt werden», bilanzierte Henzelin.

(sda)

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