Saddam-Prozess neu ohne Saddam

Aktualisiert

Saddam-Prozess neu ohne Saddam

Der Prozess gegen Saddam Hussein ist ohne die Angeklagten fortgesetzt worden. Der ehemalige irakische Machthaber und vier Mitangeklagte hielten an ihrem Boykott fest.

Die drei übrigen Angeklagten wurden wegen «ungebührlichen Verhaltens» ausgeschlossen. Sie hätten Chaos vor dem Gerichtssaal verursacht, erklärte der Vorsitzende Richter Rauf Abdel Rahman.

Der Prozess gegen den ehemaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein ist kurz nach der Wiederaufnahme ohne die Angeklagten auf den 13. Februar vertagt worden. Saddam war erneut aus Protest gegen den neuen Vorsitzenden Richter Rauf Abdel Rahman nicht vor Gericht erschienen.

In dem Prozess geht es um ein Massaker an mehr als 140 schiitischen Bewohnern der Ortschaft Dudschail, nördlich von Bagdad. Die Verteidiger haben die Ablösung von Richter Abdel Rahman beantragt, der den Prozess erst in der vergangenen Woche übernommen hat. Sie werfen Abdel Rahman vor, wegen einer «persönlichen Fehde» mit Saddam Hussein befangen zu sein.

Die Fortsetzung des Prozesses wurde von Anschlägen begleitet. Bei der Explosion einer am Strassenrand versteckten Bombe in Bagdad wurden drei irakische Soldaten getötet. Ihr Fahrzeug wurde nach Angaben eines Militärsprechers völlig zerstört.

Ein US-Hubschrauber flog am Morgen einen Luftangriff auf den schiitischen Stadtteil Sadr. Beim Einschlag von Raketen wurde nach Angaben von Bewohnern eine 20-jährige Frau getötet. Ihr Vater, eine weitere Frau und ein zweijähriges Kind wurden verletzt. Die US-Streitkräfte begründeten den Angriff damit, dass der Hubschrauber während eines Einsatzes gegen einen gesuchten Terroristen beschossen worden sei. Der Stadtteil Sadr ist eine Hochburg des radikalen schiitischen Klerikers Muktada al Sadr. Der irakische Verkehrsminister Salam al Maliki, ein Anhänger al Sadrs, verurteilte den US-Angriff und verlangte Entschädigung für die Opfer.

In der Nähe der nordirakischen Stadt Kirkuk beschossen Aufständische eine Ölraffinerie mit Mörsergranaten. Die Anlage wurde nach Polizeiangaben in Brand gesetzt, verletzt wurde niemand.

(dapd)

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