Saddams letzte Nacht?
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Saddams letzte Nacht?

Das Todesurteil gegen Saddam Hussein soll in der Nacht zum Samstag bis sechs Uhr früh vollstreckt werden. In der hermetisch abgeriegelten Grünen Zone in Bagdad sind bereits mehrere Personen zusammengekommen, die zu Zeugen der Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators bestimmt wurden. Wo der Galgen genau aufgebaut ist, ist unbekannt. Zusammen mit Saddam soll noch zwei weitere Männer hingerichtet werden.

Zu ihnen gehören auch Abgeordnete, Hinterbliebene von Opfern des früheren Staatschefs und ein islamischer Geistlicher, wie ein irakischer Regierungsbeamter mitteilte. Wo der Galgen für die Vollstreckung der Todesstrafe aufgebaut ist, ist unbekannt.

Zusammen mit Saddam Hussein sollen auch der ehemalige Geheimdienstchef Barsan Ibrahim - ein Halbbruder des 2003 gestürzten Präsidenten - und der frühere Vorsitzende des Revolutionsgerichts, Awad Hamed al Bandar, hingerichtet werden.

Saddam Hussein wurde am Freitag in seiner Zelle von zwei Halbbrüdern besucht. Dabei soll er ihnen seine persönliche Habe und eine Kopie seines Testaments übergebeh haben. Alle für die Hinrichtung erforderlichen Schritte seien unternommen worden, sagte Richter Munir Haddad, der dem dem Berufungsgericht angehört, das die Strafe am Dienstag bestätigt hat. «Es gibt keinen Grund für Verzögerungen.»

Bei einem Gericht in den USA legten Anwälte von Saddam Hussein Beschwerde gegen eine Überstellung ihres Mandanten an die irakische Justiz ein. Der Eilantrag verfolge das Ziel, dass Saddam Hussein weiterhin im Gewahrsam der US-Streitkräfte bleibe, sagte eine Sprecherin des Bundesgerichts in Washington D.C. Die Anwälte riefen in der jordanischen Hauptstadt Amman dazu auf, «alles zu tun, um diese ungerechte Hinrichtung zu stoppen».

Das Todesurteil wurde nach Angaben eines Regierungsbeamten von Ministerpräsident Nuri al-Maliki unterzeichnet. «Unsere Respekt vor den Menschenrechten verlangt von uns, ihn hinzurichten», sagte al-Maliki. Das Urteil werde ohne jede Verzögerung vollstreckt. Nach unterschiedlichen Berichten wurde bereits dafür gesorgt, dass Saddam Hussein seine persönliche Habe einem Halbbruder übergeben konnte.

Der 2003 von den US-Streitkräften gestürzte Staatschef wurde der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen. In dem am 5. November beendeten Prozess ging es um ein Massaker an 148 Schiiten in der Stadt Dudschail im Jahr 1982. Das Verfahren begann bald nach der Gefangennahme Saddam Husseins im Dezember 2003.

In Washington teilte das Pentagon mit, dass die US-Truppen im Irak auf gewaltsame Reaktionen auf die Hinrichtung vorbereitet seien. Die Soldaten seien in hoher Alarmbereitschaft, sagte ein Sprecher. Bei Anschlägen am Donnerstag wurden mindestens 72 Iraker getötet. Am Freitag bargen Polizisten in Bagdad die Leichen von 22 Menschen, deren Körper die Spuren von Folterungen aufwiesen. Bei einem Selbstmordanschlag in Chalis nördlich von Bagdad wurden am Freitag mindestens neun Menschen getötet und zwölf verletzt.

(dapd)

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