Nastrovje!: Säufer gefährden Josis Traum vom Stanley Cup
Aktualisiert

Nastrovje!Säufer gefährden Josis Traum vom Stanley Cup

Roman Josi könnte mit den Nashville Predators die begehrteste Eishockey-Trophäe gewinnen. Doch ausgerechnet jetzt hauen die Topskorer seines Teams über die Stränge.

von
Jürg Federer
USA
Andrej Kacicyn (l.) und Alexander Radulov (r.): Kostet ihre Sauftour die Predators den Stanley Cup?

Andrej Kacicyn (l.) und Alexander Radulov (r.): Kostet ihre Sauftour die Predators den Stanley Cup?

Nashville tritt heute Abend ohne ihre beiden Topskorer zur kapitalen Playoffpartie gegen Phoenix an. Andrej Kacicyn und Alexander Radulov wurden nach einer Sauftour intern gesperrt.

Die Brüder Andrej und Siarhiej Kacicyn sind vor Jahren von Weissrussland nach Montreal gereist, wo sie sich einen NHL-Stammplatz erobern konnten. In 705 kombinierten NHL-Partien haben sie 383 Skorerpunkte erzielt, wobei der ältere der beiden, Andrej, mit deutlich mehr Talent gesegnet ist.

Wilder Lebenswandel seit Jahren

Schlagzeilen machten die Kacicyns aber gern auch neben dem Eis. Kaum in Montreal eingetroffen, liessen sie sich von der lokalen Unterwelt-Figur Pasquale Mangiola unter die Fittiche nehmen. Mangiola organisierte den Kacicyns luxuriöse Autos, Frauen und Zugang zu den angesagten Nachtclubs der Stadt. Die Kacicyns waren an jedem Alkoholausschank gern gesehen, sie feierten bis spät in die Nacht und fanden sich regelmässig in vierfarbigen Bildern auf den Facebook-Seiten amüsierter Fans wieder. Erst vier Jahre und unzählige Partys später, als die Kacicyns im Rahmen von polizeilichen Ermittlungen gegen Mangiola in aufgezeichneten Telefongesprächen des mutmasslichen Gangsters auftauchten, wurde die Lebenslust der Kacicyns für die Montreal Canadiens zum Problem.

Kurz darauf wurde Siarhiej von Montreal zu Nashville transferiert, Andrej blieb in Montreal. Im vergangenen Winter hat Nashville-General Manager David Poile die Kacicyns wieder vereint, Bruder Andrej wechselte im Transfer zum Team seines Bruders. Die Kacicyns machten Nashville offensiv stärker. Kurz vor Ende der Qualifikation konnte Poile noch den Russen Alexander Radulov aus der KHL zurückholen, der Stürmer hatte vier Jahre zuvor einen Vertrag mit Nashville gebrochen und seither in Russland gespielt. Die NHL urteilte, Radulovs Vertrag habe noch immer Gültigkeit und der Spieler konnte, ohne durch den Waiver gehen zu müssen, nach Transferschluss zu den Predators stossen.

Zu lange unterwegs - ein Spiel gesperrt

Die durchschnittliche Offensive der Predators war auf einmal eine Macht. Bis zum vergangenen Wochenende. Wie einst in Montreal ging Andrej Kacicyn nach der Rückkehr von den ersten zwei Playoffpartien in Phoenix auf eine Bartour, diesmal hatte er seinen neuen Teamkollegen Radulov im Schlepptau. Die beiden Stürmer haben damit gegen eine Teamregel der Nashville Predators verstossen. Nicht dass Josi und seine Teamkollegen kein Bier in einer der unzähligen Bars am Broadway in Nashville trinken dürften. Aber Kacicyn und Radulov haben die Schliesszeit der Nashville Predators missachtet und blieben länger im Ausgang, als es ihnen Poile erlaubt.

Als Konsequenz für ihre zu lange Bartour wurden beide Spieler für die dritte Playoffpartie von heute Mittwoch intern gesperrt. Eine konsequente Massnahme, denn Radulov und Kacicyn sind die besten Playoff-Skorer der Nashville Predators. Beide werden im kapitalen Heimspiel gegen die Coyotes fehlen – auf Wunsch ihres Arbeitgebers. Die Gegner der Predators schmunzeln über den Vorfall, war doch die Vorgeschichte der Kacicyns bekannt und die Erlaubnis der NHL, Radulov mir nichts dir nichts aus der KHL zu verpflichten, suspekt.

Wird die Strafe ausgedehnt?

In den Playoffs ist man nie in Notlage, solange man die Heimspiele gewinnt. Diese Verantwortung wird nun allein Siarhiej Kacicyn und seinen Kollegen übertragen. Für einmal war der Jüngere der Kacicyn-Brüder nicht dabei. Doch mit dem kleinen Kacicyn haben die Predators einst den Grundstein für die gute NHL-Qualifikation mit dem vierten Schlussrang im Westen gelegt.

Nun müssen sie in gleicher Aufstellung den Grundstein für einen Erfolg gegen die Phoenix Coyotes legen. Trotz Heimstärke der Predators, ein Auswärtsspiel müssen sie in dieser Serie gewinnen, wollen sie ins Conference-Finale vorstossen. Die Predators haben zwar in der Qualifikation sieben Punkte mehr als ihr Gegner erspielt, weil die Coyotes aber ihre Division gewannen, sind sie besser platziert und haben Heimvorteil. In den ersten zwei Spielen haben die Coyotes den Heimvorteil genutzt, sie führen in der Serie mit 2:0. Ob eine mögliche Auswärtspartie der Predators wieder mit den Playoff-Topskorern Radulov und Andrej Kacicyn gespielt wird, lässt Poile offen. Er überlässt es Headcoach Barry Trotz, weitere Massnahmen gegen die Lebemänner zu verhängen.

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