20.07.2017 03:50

St. Galler Innenstadt«Sagt man etwas, haben sie einen dummen Latz»

Seit Frühjahr verstellen Bagger, Mulden und Gräben die Gassen der östlichen Altstadt. Für die Geschäfte bedeutet das Dreck, Lärm und weniger Kundschaft.

von
air
1 / 7
Bis mindestens September 2018 wird an mehreren Gassen in der St. Galler Innenstadt gebaut, hier in der Brühlgasse.

Bis mindestens September 2018 wird an mehreren Gassen in der St. Galler Innenstadt gebaut, hier in der Brühlgasse.

Alain Rutishauser
Der Kleiderladen «Ulla Popken» und das «Scandola» nebenan, spüren die Baustelle. Sie beklagen sich über Dreck, Lärm und weniger Kundschaft.

Der Kleiderladen «Ulla Popken» und das «Scandola» nebenan, spüren die Baustelle. Sie beklagen sich über Dreck, Lärm und weniger Kundschaft.

Alain Rutishauser
Die Filiale von «Ulla Popken» ist derzeit nur über die Kugelgasse auf der anderen Seite erreichbar.

Die Filiale von «Ulla Popken» ist derzeit nur über die Kugelgasse auf der anderen Seite erreichbar.

Alain Rutishauser

«Die Stadt sagt, sie kann nichts machen. Offen gesagt ist das eine Sauerei.» Salvatore Nonnis hat an der Kugelgasse in St. Gallen das Kleidergeschäft Underground. Direkt vor seiner Nase steht seit Monaten eine Baustelle.

Am 20. Februar begannen die Bauarbeiter in der Brühl-, der Glocken-, der Kugel- sowie der Löwengasse, die Strassen aufzureissen. Die Gas- und Wasserleitungen werden ersetzt und eine Natursteinpflästerung wird angebracht. Die Arbeiten sollen mindestens bis September 2018 andauern.

«Man könnte die Scheiben täglich putzen»

Bereits im März forderte die Baustelle ein erstes Opfer. «Elektro Schneider hat mir damals gesagt, dass sie im Frühling zumachen werden, weil sie dann die Baustellenzeit kaum mehr überleben würden», sagt Pino Stinelli, der auf Facebook die Seite «Freie Ladenlokale St. Gallen» betreibt.

Auch den verbliebenen Geschäften geht die Bauerei an die Substanz. «Wegen der Baustelle kommen weniger Leute zu uns», sagt Ursula Koster, Mitarbeiterin des Kleidergeschäfts Ulla Popken an der Kugelgasse. Glücklicherweise habe das Geschäft zwei Eingänge. Doch: «Zeitweise waren beide Eingänge verstellt», so Koster. «Zudem entsteht Lärm und wegen dem Dreck kann man die Scheiben täglich putzen.»

Das gleiche Problem hat auch Salvatore Nonnis vom Underground: «Wenn wir etwas wegen dem Dreck sagen, haben die Bauleute noch einen dummen Latz.» Die Geschäfte müssten erst eingehen, bevor die Stadt etwas unternehme. «Am Morgen können wir wegen der Baustelle keine Ware anliefern und am Nachmittag verteilt die Polizei Bussen, weil es dann anscheinend verboten ist, hier durchzufahren», wettert Nonnis. Er sei hier bereits seit 30 Jahren, aber jetzt habe er die Schnauze voll. «Unseren Mietvertrag, der 2018 abläuft, verlängern wir nicht mehr», so Nonnis. Er hat eine weitere Filiale im Heidiland sowie ein Outlet in Zuzwil.

«Die Baustelle ist ein Mangel am Mietobjekt»

Die Frage drängt sich nun auf, was der Mieter unternehmen kann. «Mit Vertragsabschluss sichert der Vermieter ein mängelfreies Mietobjekt zu. Das kann er, so lange die Baustelle besteht, nicht einhalten», sagt Hugo Wehrli, Geschäftsleiter des Mieterverbands Ostschweiz. Darum müsse der Mieter auch nicht den vollen Mietzins bezahlen. «Er kann deshalb eine Mietzinsreduktion vom Vermieter verlangen», so Wehrli.

Am besten würde der Mieter die Bauphase genau dokumentieren. «Nach Abschluss der Bauarbeiten geht er auf den Vermieter zu. Mit der erstellten Liste der Beeinträchtigungen begründet man die Höhe der Reduktion», sagt Wehrli. Werde sich der Mieter mit dem Vermieter über die Höhe der Reduktion nicht einig, könne die Schlichtungsbehörde eingeschaltet werden.

Ein wichtiger Beitrag zur Attraktivierung der Innenstadt

Stadtpräsident Thomas Scheitlin appelliert ans Verständnis der Gewerbler: «Es handelt sich um temporäre Installationen, die der Verbesserung der Aufenthaltsqualität der einzelnen Gassen dienen.» Als Vergleich nennt Scheitlin die südliche Altstadt, die zuvor erneuert wurde. «Wir erhalten immer wieder positive Rückmeldungen.» Dies wolle man auch den anderen Geschäften bieten. «Doch all diese Massnahmen können ohne Baustelle nicht realisiert werden», so Scheitlin.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.