Sahwa Arafat weint um ihren Vater
Aktualisiert

Sahwa Arafat weint um ihren Vater

«Weine nicht, Sahwa, dein Vater hat nie geweint. Alle arabischen Kinder teilen heute mit Dir Deinen Stolz und Deine Würde.»

Dies sagt der Kommentator des ägyptischen Fernsehens zu den Bildern der trauernden Tochter von Jassir Arafat. Die neunjährige Tochter steht an der Seite ihrer Mutter Suha, als der Sarg zum Abschluss der Trauerfeier in Kairo in ein Flugzeug getragen wird.

In der ersten Reihe der rund 60 Staatsgäste und anderen Würdenträger aus aller Welt sind der ägyptische Präsident Husni Mubarak, der neue PLO-Chef Mahmud Abbas und der neue Fatah-Chef Faruk Kaddumi zu sehen. Sie laufen hinter dem Sarg in einer kurzen Prozession auf der Salah-Salem-Strasse, die für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Soldaten einer ägyptischen Ehrengarde salutieren, als der von Pferden gezogene Wagen mit dem Sarg Arafats vorbeirollt.

Auch der saudische Kronprinz Abdullah ist ganz vorn mit dabei, zusammen mit arabischen Politikern, mit denen Arafat manche Konfrontation ausgetragen hat. Die Vereinigten Staaten, die Arafat als Hindernis für den Frieden bezeichnet haben, werden vom Staatssekretär im Aussenministerium, William Burns, vertreten. Wegen des grossen Andrangs von Staatsgästen auf dem Kairoer Flughafen trifft der deutsche Aussenminister Joschka Fischer verspätet ein.

«Er war ein Revolutionsführer, und er war ein Friedensstifter», sagt der UN-Gesandte Terje Roed-Larsen, der auf der Trauerfeier seinen Generalsekretär Kofi Annan vertritt. Aber es gebe auch Fragezeichen hinsichtlich der Leistungen Arafats in den letzten Jahren seiner Regierungszeit. «Es ist fraglich, ob die bewaffnete Intifada im besten Interesse des palästinensischen Volks lag.»

Der Grossscheich der Kairoer Moschee Al Ashar, Mohammed Sajed Tantaui, ruft die Teilnehmer der Trauerfeier zum Gebet auf. «Er hat sein ganzes Leben lang seinem Volk gedient, bis er vor seinen Gott getreten ist», sagt der Geistliche. «Lass uns für seine Seele beten.»

Auch Suha Arafat, die ihren Mann am Krankenbett in Frankreich nach vier Jahren zum ersten Mal wieder sah, weint, als der Holzsarg mit den sterblichen Überresten des palästinensischen Präsidenten zum Militärflugplatz Almasar getragen wird. Eine Kapelle in scharlachroten Uniformen spielt die palästinensische Hymne. An Bord des ägyptischen Flugzeugs tritt Arafat seine letzte Reise an: Zunächst nach El Arish, einem Flugplatz im Nordosten der Halbinsel Sinai, und dann an Bord eines jordanischen Hubschraubers nach Ramallah, zur Beisetzung vor Sonnenuntergang. (dapd)

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