Angriff gegen den Kopf: Saisonende für Heins und Gottérons Weicheier?
Aktualisiert

Angriff gegen den KopfSaisonende für Heins und Gottérons Weicheier?

Das Foul gegen Servettes Stürmer Daniel Rubin wird für Shawn Heins und Fribourg-Gottéron Folgen haben: Der kanadische Hitzkopf ist automatisch für die Partie vom Samstag gesperrt und Einzelrichter Reto Steinmann eröffnet zusätzlich ein Verfahren.

von
Klaus Zaugg
Fribourgs Shawn Heins droht eine lange Sperre. (Bild: Keystone)

Fribourgs Shawn Heins droht eine lange Sperre. (Bild: Keystone)

Heins muss mit einer Sperre zwischen sieben bis zehn Spielen rechnen. Das ist erfahrungsgemäss Steinmanns Tarif für einen Angriff auf den Kopf eines Gegenspielers - und als das ist die Aktion von Heins zu werten und als das ist es auch von den Schiedsrichtern taxiert worden (Matchstrafe). Erschwerend für Heins kommt hinzu, dass TV-Bilder auch noch eine abschätzige Geste (Stinkefinger) dokumentieren. Es zeichnet sich damit ab, dass Gottérons Captain in diesen Viertelfinals nicht mehr spielen darf - und das könnte auch das «Aus» für seine Mannschaft und damit bereits das Saisonende bedeuten.

Nach dem Krieg ist jeder Küchengehilfe ein kleiner Napoléon. Und doch sei die Frage gestellt: Warum liess Fribourgs Cheftrainer Serge Pelletier den Hitzkopf Shawn Heins in der Schlussphase eines längst entschiedenen Spieles nicht auf der Bank? Pelletier hat gute Gründe dafür: Kein Coach der Welt nimmt seinen besten und wichtigsten Feldspieler vom Eis, auch dann nicht, wenn eine Partie entschieden ist. Erst recht nicht seinen Captain.

Pelletier trifft keine Schuld

Ein so dominantes Alphatier wie Heins kann ein Coach auch nicht einfach so auf die Bank setzen. Er würde damit negative Emotionen auslösen und den Anschein der Kapitulation erwecken. Pelletier ist ohnehin ein Coach europäischer Prägung, der mehr auf die Eigenverantwortung der Spieler als auf autoritäres Gehabe setzt. Das erklärt sich auch aus seiner Herkunft: Er ist kein Kanadier, dessen Profil im nordamerikanischen Profihockey geschärft worden ist. Er musste seine Spielerkarriere schon als Junior wegen einer Verletzung abbrechen und hat dann in Kanada den Universitätsabschluss als Sportlehrer gemacht.

Inzwischen ist er in der Schweiz eingebürgert und einer der bestausgebildeten Eishockeytrainer der Liga. Er ist im «Fall Heins» von aller Schuld freizusprechen. Zumal es in dieser Partie keinerlei Anzeichen für einen Ausraster von Heins gegeben hatte - der Kanadier hatte ruhig und besonnen gespielt.

Gegner fürchten Fribourg nicht

Eigentlich lässt sich dieses «Waterloo» von Gottéron in einem Satz erkläre: Zu weich für richtiges Eishockey. Gottéron ist wie eine typisch welsche Mannschaft an der Härte des Gegners zerbrochen und konnte das Manko an Wasserverdrängung und Einschüchterungspotenzial mit dem «heiligen Zorn» nicht kompensieren. Die kernigen aber korrekten Checks von Marco Maurer gegen Serge Aubin (er spielte nachher weiter, aber nur noch wie im Leerlauf) und Adam Hasani (Saisonende wegen einer Schulterverletzung) löschten die Lichter. Maurer ist eigentlich ein Hinterbänkler in Servettes Verteidigung. Aber Bandengeneral Chris McSorley hat ihn zum «Grinder» am Flügel umfunktioniert: Zum «Mühlstein» (so die wörtliche Übersetzung von Grinder), der die gegnerischen Spieler zerreibt. Der nur eine Aufgabe hat: Bei Kurzeinsätzen harte, einschüchternde Checks auszuteilen, die das Selbstvertrauen des Gegners zum Einsturz bringen.

Auch deshalb sind die zu erwartenden Sperren für Heins so fatal: Er ist Gottérons einziger Spieler, den die Gegner fürchten, er bringt dieses physische Element ins Spiel, das die sonst eher spielerisch ausgerichtete, typisch welsche Mannschaft in den Playoffs konkurrenzfähig macht. Ein einziges Foul hat also die Ausgangslage in einer Viertelfinalserie von Grund auf verändert.

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