Schuhe statt Hände: Salah umgeht Handshake vor Anpfiff
Aktualisiert

Schuhe statt HändeSalah umgeht Handshake vor Anpfiff

Beim gestrigen CL-Quali-Spiel gegen Maccabi Tel-Aviv umging FCB-Spieler Salah den üblichen Begrüssungsritus. Nun wird über Absicht und Auswirkungen spekuliert.

von
Philippe Wenger

Es ist ein kleiner Aufreger vom Rande des Champions-League-Qualifikationsspiels des FCB gegen Maccabi Tel-Aviv gestern Abend. Basels ägyptischer Spieler Mohamed Salah umging den üblichen Handschlag vor dem Anpfiff mit dem gegnerischen Team, indem er die Schuhe wechselte. Mit Absicht? Das bleibt offen, denn kommentiert hat den Vorfall von offizieller Seite niemand. Weder Salah noch Maccabi-Spieler äusserten sich direkt nach dem Spiel dazu. Gegenüber dem jüdischen Wochenmagazin «Tachles» sagte etwa Maccabi-Mittelfeldspieler Gal Alberman: «Ich mische mich nicht in politische Angelegenheiten ein, der Ägypter interessiert mich nicht.»

Seither wird in den Medien spekuliert, ob Salah das Rückspiel in Israel bestreiten wird: Der Blick sagt, es sei «stark zu bezweifeln». Tachles meint, Trainer Yakin könne es sich «nun kaum erlauben, seine beiden Ägypter im Rückspiel zu schonen». Von Seiten des FCB heisst es nur: «Wir nehmen den Vorfall ernst und thematisieren ihn mit den Spielern», so Mediensprecherin Andrea Roth. Beim FCB spielt neben Salah mit Mohamed Elneny noch ein Ägypter, im Fokus steht aber nur Salah.

Dem gestrigen Vorfall vorausgegangen war die Meldung, dass Salah an die Vereinsführung des FCB herangetreten ist und laut NZZ gesagt haben soll, er befinde sich «in einer schwierigen Situation». Von ägyptischen Medien werde gefordert, er solle nicht nach Israel reisen.

«Eine interessante Erfahrung»

Eine Abwesenheit könnte jemandem schnell in den falschen Hals geraten: Als Beispiel dafür dient Ashkan Dejagah. Der iranisch-deutsche Fussballer sagte 2007 seine Teilnahme an einem Spiel in Israel gegen die israelische U21-Mannschaft aus Gründen «sehr persönlicher Natur» ab. Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland und der CDU-Politiker Ronald Pofalla forderten daraufhin den Ausschluss des Doppelbürgers aus der Nationalmannschaft wegen seines «Juden-Boykotts».

Hany Ramzy sei der Spieler, den Salah am meisten bewundere, wie er selber sagte. Der Ägypter Ramzy musste 1994 die gleiche Entscheidung wie Salah heute treffen und entschied sich dazu, die Herausforderung anzunehmen und nach Israel zu fahren. Im Nachhinein sprach Ramzy zweideutig von einer «interessanten Erfahrung». Tachles-Redaktor Yves Kugelmann meinte auf Anfrage: «Wenn Salah ein Problem mit den Israeli hat, soll er doch ein Tor schiessen.»

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