Aktualisiert 19.05.2007 15:59

Salmonellen-Epidemie: Sabotage?

Angesichts der immer noch zunehmenden Salmonellen-Infektionen in einer deutschen Klinik gibt es erste Kritik an der erfolglosen Ursachensuche.

Einer solchen Epidemie müsse man schneller auf die Spur kommen, sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Klaus-Dieter Zastrow, der «Frankfurter Rundschau». Am Samstag wurden neun Neuerkrankte im Klinikum und einen im angeschlossenen Seniorenzentrum gemeldet, so dass sich die Gesamtzahl auf 252 erhöhte. Erstmals wurde Sabotage als Ansteckungsursache nicht ausgeschlossen.

Neu erkrankt sind sieben Klinikpatienten und zwei Beschäftigte. Damit sind in dem Krankenhaus nun 228 von der schweren Durchfallerkrankung betroffen, nämlich 143 Patienten und 85 Mitarbeiter. Ausserdem sind bei vier Patienten und drei Beschäftigten Durchfallerkrankungen aufgetreten, die möglicherweise nicht mit Salmonellen im Zusammenhang stehen. Bisher starben acht an Salmonellen erkrankte Patienten und Altenheimbewohner. Als Todesursache nachgewiesen ist die Infektion aber nur in zwei Fällen. In einem dritten Fall gibt es einen mittelbaren Zusammenhang

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums, Oberbürgermeister Gerhard Möller, schloss Sabotage als Ursache der Massenansteckung nicht aus. Er sagte der «Fuldaer Zeitung»: «Auch das haben wir natürlich im Hinterkopf. Es gibt dafür aber bis jetzt keinen Beleg.»

Die ersten Salmonellen-Erkrankungen waren am 30. April nachgewiesen worden. Im angeschlossenen Seniorenzentrum Heilig Geist traten 23 Fälle auf; zehn Erkrankte hatten eine doppelte Infektion mit dem Norovirus. Am Samstag wurde der 24. Fall nachgewiesen.

Klinikum-Sprecher Stefan Burkard erklärte, die zehn neu Infizierten hätten sich wahrscheinlich am 11. oder 12. Mai angesteckt. Da die Inkubationszeit manchmal etwas länger als sieben Tage dauert, können Burkard zufolge noch bis Montag neue Fälle auftreten. Bis Montag will das Gesundheitsamt die Angaben der Erkrankten zu dem, was sie gegessen haben, ausgewertet haben.

Ganz leicht in Griff zu bekommen

Als Hauptübertragungsquelle für Salmonellen gelten Geflügel, rohes Fleisch, Speiseeis, Eier und daraus hergestellte Speisen. In der Grossküche des Klinikums wurde bisher vergeblich nach Salmonellen geforscht; vorsorglich wurde sie am vergangenen Dienstag geschlossen. DGKH-Sprecher Zastrow sagte, Ansteckungen seien «klar lebensmittelbedingt» und ganz leicht in den Griff zu bekommen. Wenn dann weiter Infektionen aufträten, «dann bleibt eigentlich nur noch Sabotage», sagte er. Der Leiter des Kreisgesundheitsamts Fulda, Stefan Kortüm, sagte laut «Frankfurter Rundschau», die zweite Welle der Infektionen sei «atypisch». Die Staatsanwaltschaft Fulda hatte vor wenigen Tagen von Amts wegen Vorermittlungen aufgenommen.

Der Gesundheitsdezernent des Kreises Fulda, Heiko Wingenfeld, wies in einem Interview der «FR» den Vorwurf von Versäumnissen zurück. «Die Klinikleitung hat über das gesetzlich erforderliche Mass hinaus reagiert, beispielsweise die Küche geschlossen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.» Er betonte: «Wir nehmen die Situation absolut ernst, aber sehen auch keinen Anlass für Hysterie.» Ein Aufnahmestopp für das Klinikum wäre nicht verhältnismässig gewesen, sagte der Dezernent. Es lägen keinerlei Anzeichen dafür vor, dass die Hygienevorschriften nicht eingehalten worden seien. Die Erkrankten werden weiterhin auf zwei Stationen isoliert behandelt. (dapd)

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