Lesbische Paare: Samenbanken bereiten sich auf Ansturm vor

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Lesbische PaareSamenbanken bereiten sich auf Ansturm vor

Weil seit einem Monat verheiratete lesbische Paare Zugang zu künstlichen Befruchtungen haben, stocken Samenbanken auf. Die Behandlung müssen gleichgeschlechtliche Paare selber bezahlen, bei heterosexuellen Paaren gibt es Ausnahmen. 

Seit Juli bereiten sich Samenbanken auf einen Ansturm von gleichgeschlechtlichen Paaren vor. (Archivbild)

Seit Juli bereiten sich Samenbanken auf einen Ansturm von gleichgeschlechtlichen Paaren vor. (Archivbild)

imago/Rolf Kremming

Darum gehts

  • Verheiratete lesbische Paare haben seit Juli Zugriff auf künstliche Fortpflanzung. 

  • Dies führt nach Hochrechnung zu 200 Babys, die jährlich durch künstliche Befruchtung gezeugt werden. 

  • Die Behandlungen müssen gleichgeschlechtliche Paare vollumfänglich selber bezahlen, bei heterosexuellen Paaren gibt es Ausnahmen. 

Künstliche Befruchtung für verheiratete lesbische Paare sorgt für einen Ansturm auf Samenbanken. Insgesamt acht Kliniken in der Schweiz führen eine Samenbank, darunter unter anderem die OVA IVF Clinic in Zürich.

Weil viele gleichgeschlechtliche Paare auf die Gesetzesänderungen gewartet hatten, sind die Wartelisten lang. Erst für Dezember vergibt die Zürcher Klinik wieder Termine für Erstvisiten, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Leiter der Klinik, Peter Fehr, denke aber, dass sich dieser Andrang nach einem anfänglichen Peak einpendeln werde. 

Samenbank muss aufgestockt werden

Danach solle die Klinik zwischen 30 und 50 Frauenpaaren zu einem Kind verhelfen, schreibt die Zeitung weiter. Hochgerechnet auf die Schweiz wären das rund 200 Babys, die jährlich mit künstlicher Befruchtung auf die Welt kommen. Das heisst für die Klinik: Die Samenbank muss aufgestockt werden. Denn die Zahl der Babys, die auf diese Weise gezeugt werden, verdoppelt sich dadurch. 

Als Beispiel: In der Zürcher Klinik waren bisher jeweils 45 Spender aktiv, zwischen fünf und acht wurden jährlich ausgetauscht. Dies, weil entweder die vertragliche Zeit oder das festgelegte Maximum von acht Kindern erreicht wurde. Wie Fehr der «SonntagsZeitung» weiter bestätigt, muss die Klinik rund 20 neue Spender anheuern. Diese werden vom Chef persönlich nach einem einstündigen Gespräch ausgewählt. Nur Spesen für die Untersuchungen und der Zeitaufwand werden vergütet.

Kosten tragen die gleichgeschlechtlichen Paare selbst

Für die Behandlung zahlen die Paare. Eine Insemination kostet etwa 800 Franken, hinzu kommen medizinische Untersuchungen und Tests von rund 400 Franken. Alleine für den Versuch zahlen sie somit 1200 Franken. Bei heterosexuellen Paaren gibt es Ausnahmen: Wenn die Insemination mit den Spermien des Ehemanns stattfinden kann, zahlen die Krankenkassen drei Versuche. Dies, wenn die Ursache der Behandlung ein gesundheitliches Problem bei der Frau ist. 

«Eine frauenliebende Frau wird immer auf eine Samenspende angewiesen sein, ob mit oder ohne gesundheitlichem Problem», sagt die Geschäftsleiterin des Dachverbands Regenbogenfamilie der «SonntagsZeitung». Es dürfe nicht sein, dass gleichgeschlechtliche Paare kein Anrecht auf drei von der Grundversicherung bezahlte künstliche Befruchtungen hätten.  

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

(sys)

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