Aktualisiert 08.08.2012 16:56

Kinderarbeit und PrügelSamsung steht am Pranger

Kinderarbeit, miese Löhne und täglich Überstunden: Die NGO China Labor Watch hat sich bei einem chinesischen Samsung-Zulieferer eingeschleust und mit den Kindern gesprochen.

von
owi

Beim chinesischen Samsung-Zulieferer HEG Electronics werden Telefone und DVD-Player von Kindern zusammengesetzt, schreibt die Organisation China Labor Watch. Ein Mitarbeiter der NGO hat sich zwischen Juni und Juli 2012 als Arbeiter bei HEG Electronics eingeschleust. Am Dienstag publizierte China Labor Watch einen ausführlichen Bericht mit Fotos von jugendlichen Arbeitern, der die Anschuldigung beweisen soll (siehe Diashow).

«Kinderarbeit ist normal»

In der heimlich inspizierten Fabrik im südchinesischen Huizhou seien sieben Mitarbeiter unter dem gesetzlichen Mindestalter von 16 Jahren angestellt gewesen. Da der getarnte Mitarbeiter nicht zu allen Abteilungen Zugang hatte, dürften weit mehr Minderjährige beschäftigt sein, vermutet China Labor Watch. Die NGO schildert im Bericht die Situation bei HEG unter anderem an folgendem Beispiel: Als die 14-jährige Wu Xiaofang (Name geändert) im April die Treppen hinterfiel, habe ihr HEG den Besuch eines Krankenhauses verweigert und die Fehltage direkt vom Lohn abgezogen. Als der Fabrik-Direktor Wind von offiziellen Inspektionen bekam, sei die 14-Jährige im Juni entlassen worden. Dies ist nur einer der Vorwürfe, den China Labor Watch erhebt.

«Kinderarbeit ist eine übliche Praxis in der Fabrik», heisst es im Bericht. Die Kinderarbeiter seien denselben harten Arbeitsbedingungen ausgesetzt und erhielten lediglich 70 Prozent des Lohnes eines Erwachsenen. Während der Sommer- und Winterferien seien zudem bis zu 80 Prozent der Beschäftigten Studenten, die meisten unter 18 Jahre alt. Tägliche Überzeiten von drei bis fünf Stunden seien an der Tagesordnung für HEG-Angestellte, schreibt China Labor Watch. Während der elfstündigen Nachschicht dürften die Arbeiter eine 40-minütige Essenspause einlegen.

«Schlimmer als bei Foxconn»

Wer zu langsam arbeitet, wird angeschrien oder geschlagen, berichtet der eingeschleuste NGO-Mitarbeiter. Eine beliebte Züchtigungsmassnahme sei auch ganztägiges Stehen.

China Labor Watch hat bereits früher von Explosionen und Unfällen in chinesischen Fabriken berichtet und beschuldigte den Apple-Zulieferer Foxconn ein Ausbeutungskonzern zu sein, nachdem mehrere Suizid-Fälle bekannt geworden waren. Der taiwanische Foxconn-Konzern verfügt über ein Heer von rund 1,2 Millionen Arbeitern, das Unterhaltungselektronik wie das iPhone von Apple oder die PlayStation von Sony fabriziert. Seit 2006 sieht sich der Konzern wiederholt schweren Vorwürfen ausgesetzt. Insbesondere die geringen Löhne und unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken werden kritisiert.

Die Situation bei HEG sei «deutlich schlechter» als bei Foxconn, heisst es im neuen Report von China Labor Watch. Die Organisation will erreichen, dass die Kinder in die Schule gehen können und nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, wie ihr Präsident Li Qiang gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte.

HEG schweigt, Samsung spricht

Der chinesische Konzern HEG Electronics schweigt sich zu den Vorwürfen aus. Samsung sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur, dass man die HEG-Fabrik dieses Jahr zweimal vor Ort inspiziert habe, aber keine Regelwidrigkeiten feststellen konnte. «Angesichts des Berichts werden wir so bald wie möglich eine weitere Prüfung durchführen», sagte ein Firmensprecher gegenüber Bloomberg. Man werde die angemessenen Massnahmen ergreifen, um alle Probleme zu korrigieren, die zum Vorschein kommen könnten.

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