Aktualisiert 07.12.2010 08:45

«Wetten dass ..?»

Samuel Koch könnte gelähmt bleiben

Der 23-Jährige Wettkandidat zog sich Schädigungen an Rückenmark und Halswirbel zu. 20 Minuten Online sprach mit einem Experten über mögliche Folgen solcher Verletzungen.

von
Runa Reinecke

Der verletzte «Wetten dass ..?»-Kandidat Samuel Koch befindet sich nach einer Not-Operation im künstlichen Koma. Er erlitt durch den schweren Sturz Verletzungen an Halswirbelsäule und Rückenmark. Wie gefährlich solche Verletzungen sind, erklärt Clément Werner, Leitender Arzt der Unfallklinik des Unispitals Zürich im Gespräch mit 20 Minuten Online.

20 Minuten Online: Herr Werner, Samuel Koch erlitt Schädigungen im Halswirbelbereich. Während einer Not-Operation wurde das Halsrückenmark entlastet, die Halswirbelsäule stabilisiert ...

Ein Bruch an der Halswirbelsäule kann sowohl Knochen, Bandscheiben und Bänder, als auch das darin verlaufende Rückenmark beschädigen. Bei einer Verschiebung der Wirbel kann es zu einer Verengung des Spinalkanals (Wirbelsäulenkanal) kommen. Dadurch kann das Rückenmark komprimiert oder gar durchtrennt werden. Je nach Verletzung müssen nur die Knochen stabilisiert oder das Rückenmark zusätzlich entlastet werden (zum Beispiel durch Entfernen von Bandscheiben oder Knochenanteilen).

Wie riskant ist ein solcher Eingriff?

Die Operation birgt wie jede andere Operation im Bereich der Wirbelsäule gewisse Risiken. Dies um so mehr, da bei «frisch» Verletzten die Blutungsneigung höher ist.

Was kann eine Schädigung des Rückenmarks nach sich ziehen?

Das ist vom Schweregrad der Verletzung abhängig. Zu den Verletzungsbildern gehören unter anderem Einblutungen bis hin zur kompletten Durchtrennung.

Je nach Grad und Position der Verletzung kann die Motorik komplett eingeschränkt sein.

Welche Folgen hat eine Durchtrennung des Rückenmarks für den Patienten?

Bei einer kompletten Durchtrennung des Rückenmarks ab der unteren Brustwirbelsäule ist der Patient Paraplegiker und somit an den Rollstuhl gefesselt. Die Durchtrennung des Rückenmarks vom vierten Halswirbel an aufwärts ist meist tödlich - man erstickt.

Der Zustand von Samuel Koch gilt als «äusserst kritisch» ...

Per Ferndiagnose lässt sich hierzu keine seriöse medizinische Aussage machen. Man kann aber davon ausgehen, dass man bei einem Patienten, der unter Lähmungserscheinungen leidet und bei dem mehrere Halswirbel in Mitleidenschaft gezogen wurden, von einer schweren Verletzung ausgehen muss.

Bislang ist unklar, ob oder welche langfristigen Beeinträchtigungen Koch davontragen wird. Wie lange dauert es in der Regel, bis eine endgültige medizinische Diagnose gestellt werden kann?

Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Unfall kann bei gelähmten Patienten in der Regel keine Aussage darüber gemacht werden, da gewisse Lähmungen auch auf einen spinalen Schock (eine Art «Gehirnerschütterung» des Rückenmarks) zurückgeführt werden können. Erst danach können Sensibilität, Muskelkraft und Reflexe zuverlässiger geprüft – und damit eine vorsichtige Prognose gemacht werden. Die Prüfung setzt allerdings einen wachen Patienten voraus.

Und nach Ablauf dieser 24 Stunden lässt sich eine endgültige Aussage treffen?

Ja, nach Rückgang des spinalen Schocks - also wenn sich das Rückenmark wieder erholt hat - ist relativ schnell klar, ob der Patient gelähmt bleibt oder nicht.

Normalerweise werden Patienten mit Kopfverletzungen ins künstliche Koma versetzt. Bei Samuel Koch liegt offenbar «nur» eine Verletzung im Halswirbelbereich vor - doch auch er wurde ins künstliche Koma befördert ...

Es ist möglich, dass Koch auch andere Verletzungen an Hirn oder Brustkorb erlitten hat, welche eine künstliche Beatmung verlangen. Manchmal ist auch nach Operationen von vorne an der Halswirbelsäule ein selbständiges Atmen noch beeinträchtigt: Dabei muss die Luftröhre, in der während dem Eingriff ein Beatmungsschlauch (Tubus) steckt, bei Seite geschoben werden. Durch diesen Vorgang kommt es zu einem Anschwellen der Schleimhaut in der Luftröhre. Um dem Patienten beim Aufwachen Atemnot und Panik zu ersparen, belässt man ihn zunächst im künstlichen Koma und den Beatmungsschlauch in der Luftröhre.

Nach dem Aufprall blieb der «Wetten dass ..?»-Kandidat regungslos liegen. Kann man durch eine Halswirbelsäulenverletzung bewusstlos werden?

Nein, für die Bewusstlosigkeit ist der Aufprall mit dem Kopf verantwortlich. Eine Halswirbelsäulenverletzung kann sofort zu einer Lähmung, aber nicht zu einer Bewusstlosigkeit führen. Allerdings kann es bei Verletzungen der Halswirbelsäule auch zu Verschlüssen von Blutgefässen kommen, welche das Hirn versorgen.

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