Publiziert

TierschutzSan Francisco verbietet Shows mit Wildtieren

Als erste US-Grossstadt wird San Francisco Zirkussen und Filmproduktionen den Einsatz wilder Tiere untersagen.

von
sut
1 / 11
Elefantenritte unter dem Zirkuszelt: Nicht mehr in San Francisco. Die US-Stadt hat ein Verbot für Wildtiere in Wanderzirkussen erlassen. Bild: Vorstellung im März 2015 in Washington.

Elefantenritte unter dem Zirkuszelt: Nicht mehr in San Francisco. Die US-Stadt hat ein Verbot für Wildtiere in Wanderzirkussen erlassen. Bild: Vorstellung im März 2015 in Washington.

Keystone/AP/Alex Brandon
Elefanten wie auf diesem Bild von 1960 haben als Tiere in der Manege eine lange Tradition. Doch Amerikas grösster Zirkus Ringling Bros. and Barnum & Bailey will bis 2018 ganz auf die Dickhäuter verzichten.

Elefanten wie auf diesem Bild von 1960 haben als Tiere in der Manege eine lange Tradition. Doch Amerikas grösster Zirkus Ringling Bros. and Barnum & Bailey will bis 2018 ganz auf die Dickhäuter verzichten.

Keystone/AP/Harvey Lippman
Der Zirkus hatte vorher immer gesagt, seinen Elefanten gehe es gut. Bild: Boxenstopp der Rüsseltiere in New Jersey 2004.

Der Zirkus hatte vorher immer gesagt, seinen Elefanten gehe es gut. Bild: Boxenstopp der Rüsseltiere in New Jersey 2004.

Keystone/AP/Daniel Hulshizer

Elefanten, Raubkatzen und andere wilde Tiere werden längerfristig aus Wanderzirkussen verschwinden. Diese Prognose ist erlaubt, wenn das Parlament der für soziale Trends wichtigen Stadt San Francisco am Dienstag erwartungsgemäss ein vollständiges Verbot von Shows mit Wildtieren erlässt.

Der Gesetzesvorschlag wurde von Katy Tang eingereicht, einer von elf Supervisors genannten Stadtparlamentarierin. Es gehe darum, «den Missbrauch von Tieren zu verhindern», sagte die Politikerin zur AP. Tang ist engagierte Tierschützerin und hat den Verzehr von Fleisch vor vielen Jahren aufgegeben.

Haustiere vom Verbot ausgenommen

Die fragwürdige Behandlung wilder Tiere in Wanderzirkussen ist seit Jahren vor allem bei Elefanten ein Thema. Aber das Verbot in San Francisco geht weiter. Davon betroffen sind laut sfgate.com auch Löwen, Tiger, Affen, Bären, Waschbären, Frettchen, Seelöwen, Delfine und sogar Strausse sowie Emus. Von dem Verbot ausgenommen sind bloss Haustiere wie Hunde, Hauskatzen, Pferde und Nutztiere, also Rinder, Schafe, Schweine und Schafe. Reptilien von unter 2,40 Meter Länge gelten unter der Verordnung nicht als Wildtiere; sie dürfen in temporären Shows gezeigt werden.

Zur Begründung des Verbots nannte Katy Tang ein Beispiel: «Auf einem Ball zu balancieren, ist für einen Bären nichts Natürliches. Und sehr wahrscheinlich wurde dem Bären Nahrung vorenthalten, er wurde erschreckt und gequält, damit er das Balancieren lernte.» Anders verhalte es sich etwa bei Papageien: «Allgemein gesprochen ist es keine Tierquälerei, einen Papagei auf die Schulter zu setzen und ihn zum Sprechen anzuhalten.»

In der Schweiz nur strenge Regeln

Der Schritt von San Francisco zeigt, dass sich die internationale Bewegung zum Schutz von Wildtieren weiter ausbreitet. Nach Angaben auf der Website stopcircussuffering.com ist der Einsatz von Tieren in Zirkussen bereits in vielen Ländern untersagt. In Europa gelten ziemlich vollständige Verbote in über 15 Staaten von Belgien bis Schweden. In der Schweiz sieht das Tierschutzgesetz statt Verboten strenge Regeln für die Haltung von Zirkustieren vor.

In den USA gebe es in 22 Gliedstaaten 49 teilweise oder vollständige Verbote von Zirkustieren, notiert die Website. Weltweite Schlagzeilen machte im März Amerikas grösstes Zirkusunternehmen Ringling Bros. and Barnum & Bailey mit der Ankündigung, bis 2018 alle Shows mit Elefanten aufzugeben. Die Firma hatte sich auch vor Gericht immer wieder dafür gewehrt, dass sie ihre Wildtiere artgemäss halte und keine Quälerei zulasse.

Wirkung nicht flächendeckend

Der gesetzgeberische Flickenteppich in den USA führt aber dazu, dass Zirkusse womöglich noch einige Zeit lang Wildtiere vorführen werden – sogar in San Francisco. Laut AP wird Barnum & Bailey diesen Sommer wie jedes Jahr seinen sogenannten Cow Palace errichten, und der liegt knapp ausserhalb der Stadtgrenzen.

Ein landesweites Verbot von Zirkustieren ist in Washington zwar in Vorbereitung. Das Bundes-Zirkusgesetz TEAPA – «Traveling Exotic Animal Protection Act» – wurde schon wiederholt von tierschützerisch eingestellten Kongressabgeordneten eingebracht. Dass es demnächst verabschiedet wird, ist indes unwahrscheinlich.

Video gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen:

(Quelle: Vimeo/ad-international)

Deine Meinung