Aktualisiert 22.05.2020 15:23

3 mit Sex

«Sandro, Gian, Carlos: Mit euch hatte ich Sex, obwohl ich nicht wollte»

Ella outet sich als unemanzipiert und uncool und braucht dazu sehr viel Mut.

von
Ella
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Ella outet sich als unemanzipiert und uncool und braucht dazu sehr viel Mut.

Ella outet sich als unemanzipiert und uncool und braucht dazu sehr viel Mut.

Illu: Anna Deér
Lars
Lars

Er st ein schwuler Designer aus dem Aargau. WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, in und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Anna Deér
Ella
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Anna Deér

Darum gehts

  • Die sonst so selbstsichere Ella gesteht, dass auch sie an Unsicherheit und Selbstzweifeln leidet.
  • Des Öfteren wurde sie in Clubs und Bars von fremden Männern begrabscht. Nicht immer hat sie sich gewehrt.
  • Ella ist hatte auch schon mehrmals Sex gegen ihren Willen: «Weil meine zaghaften Abwehrreaktionen überhört wurden und ein klares Nein zu viel Kraft erfordert hätte.»
  • Hier erzählt sie drei Vorfälle.

Grosse Klappe, kurze Röcke, wilde Mähne – wer mich sieht, sieht eine Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Ella immer cool, immer fly, ein bisschen yolo, ein bisschen durchgeknallt. Die wie ein Sommervögelchen mit Schlafzimmerblick durch ihren Tindergarten schwebt, da innehält, dort Nektar trinkt, unbeschwert und tough zugleich. Typen fahren voll darauf ab, keine Frage.

Doch natürlich ist diese Ella nicht mal die halbe Ella. Diese Ella ist wie das Sideboard meiner guten Freundin Juno, das sie für eine galaktische Summe einem unfreundlichen Ricardo-Dealer abgekauft hat: schwedisches Design, vintage, mit Patina – aber wehe, wenn geöffnet: Dann fallen zusammengeknüllte String-Tangas raus, zerfledderte Reclam-Bücher und Arztromane, Postkarten, Parfümproben, Liebesbriefe, Zahnarztrechnungen, alte Band-Shirts und ein Anal-Plug. Junos ganzes Leben liegt vor mir auf dem Boden und während sie mit hektischen Armbewegungen ihre Schätze zusammenrauft, stehe ich daneben und streiche über die glatte Oberfläche des Sideboards. Dieses Möbelstück, das bin ich.

«Diese drei Sexerlebnisse hatte ich gegen meinen Willen»

Ich verberge nicht nur Cellulite und Pickelchen ganz geschickt, sondern auch Unsicherheit, Selbstzweifel, Ängste, meine Meinung. Nicht immer, aber doch zu oft. Und das vor allem gegenüber Männern. Ich weiss nicht, wie oft fremde Hände meinen Arsch begrabscht haben – und ich habe nichts gesagt, mich bloss weggedreht. Ich weiss nicht, wie viele anzügliche Sprüche ich schon über mich ergehen liess – ohne schlagfertige Antwort, manchmal sogar mit einem artigen Dankeschön. Wie ich nicht reagierte, wenn ich im Büro für meine Kleidung, meine Figur, meine Haare gelobt wurde, aber nicht für meine Leistung. Und am schlimmsten: Wie oft ich schon Sex hatte, einfach weil meine zaghaften Abwehrreaktionen überhört wurden und ein klares Nein zu viel Kraft erfordert hätte.

Weil ich mein Verhalten so unemanzipiert finde, spreche ich nie darüber. Ich stopfe die Erinnerung irgendwo hinten in mein Gedächtnis, so wie Juno jetzt ihre Unterwäsche und ihre Schundliteratur zwischen die Tablare presst. Doch eigentlich weiss ich, dass das nicht geht, dass ich lernen muss, mich zu wehren.

Deshalb erzähle ich Juno und allen, die es wissen wollen, drei Sex-Erlebnisse, die ich gegen meinen Willen hatte:

1) Sandro, verheiratet, Midlife-Crisis, erfolgreicher Kommunikationsberater:Ich, Studentin mit ersten Gehversuchen in derselben Branche. Sandro und ich gingen an Konzerte und Fussballmatches, ich hing an seinen Lippen, weil er alles wusste, über das Who’s who in der Branche, jedes Offside erkannte und ganze Tischrunden unterhalten konnte. Dass er mehr von mir wollte, habe ich versucht zu ignorieren. Lange dachte ich, wir könnten «Freunde sein» und das Körperliche aussen vor lassen. Immer wieder habe ich abgewehrt. Als Sandro immer mehr bohrte und mich immer häufiger berührte, mir immer mehr Drinks bezahlt hatte, gab ich nach. Ich stand vor einem mächtigen Baum und studierte die Rinde, während er seinen Prügel von hinten unsanft in mich stiess. Die zwei Minuten kamen mir lang vor. Unmittelbar nach diesem Abend habe ich den Kontakt zu Sandro abgebrochen.

2) Gian, Gitarrist, Szenie:Gian ist ein Kollege von Bruce und spielt in einer Band, die ich voll yay fand. Auch den Sänger der Band fand ich ziemlich ohlala, weshalb ich viel mit den Jungs rumgehängt bin in diesem Sommer. Es war oft Alkohol im Spiel, Gitarrengeklimper, flowers in my hair. Zu viert sassen wir auf den Steinen am Fluss und hielten uns in den Armen. Ich wollte, dass es nie endete. Doch Gian begann, meinen Tattoos nachzufahren, bis seine Finger zufällig meine Brüste streiften, mehrmals. Ich wandte mich ab, stahl mich aufs Klo oder setzte mich weg, doch es half nichts. Auf keinen Fall wollte ich den Kontakt mit der Band verlieren, und deshalb stieg ich irgendwann in Gians VW-Bus und legte mich auf die schmuddelige Matratze, er war über mir, bald in mir und ich weiss noch, dass dazu die Musik von Gians Band lief, was ich creepy fand und supernarzisstisch. Als der süsse Sänger zum Refrain ansetzte, stöhnte Gian auf und kam, während ich ein Tränchen wegdrückte. Bis heute kann ich dieses Lied nicht mehr hören.

3) Carlos, Macho, Choleriker:Mit Carlos war es ernst, ich mochte ihn sehr und liebte das Bild von uns: Er, der grosse, breitschultrige, schwarzhaarige Handwerker. Ich, die büchersüchtige, dauerironische Femme fatale im Tiger-Mini. Mehrere Monate dateten wir uns und ich war glücklich, endlich nicht mehr schatzlos, sondern in festen Händen zu sein. Allzu festen Händen. Ich drückte alle Augen zu, wenn Carlos ausrastete und mir vorwarf, ich hätte andere Männer angeguckt. Carlos war sexbesessen und ich wusste, wenn er sich mal wieder in einen Wutanfall hineinsteigerte, konnte schon ein kleiner Quickie die Wogen glätten. Also machte ich immer wieder die Beine breit, selbst wenn ich keine Lust hatte, selbst wenn ich nicht feucht war. Das war schmerzhaft, ich schämte mich und biss die Zähne zusammen, während ich pflichtbewusst ein paar «lustvolle Geräusche» machte.

Sexuelle Belästigung

Erst vergangene Woche hat das Fernsehduo Joko und Klaas von Prosieben 15 Minuten Sendezeit in der Primetime bekommen. Diese nutzten sie, um auf sexuelle Belästigung von Frauen aufmerksam zu machen. Der Inhalt: «Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland wurde schon einmal sexuell belästigt», heisst es im Beschrieb zum Video. Von ungefragten Dickpics über sexistische Kommentare bis hin zu Vergewaltigung. «Bis heute werden nur zehn Prozent aller Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht», heisst es im Abspann. In 15 Minuten macht die Sendung ganz konkret deutlich, wie sexuelle Belästigung den Alltag vieler Frauen mitbestimmt. Im Internet wurde das Video rasend schnell zu einem Hit und wurde bereits am ersten Tag mehr als sechs Millionen Mal angeklickt.

Wurdest du ebenfalls sexuell belästigt? Wie bist du damit umgegangen? Hast du dich gewehrt oder warst du zu überrumpelt?

Erzähle uns davon. Schreibe einfach eine Mail an onelove@20minuten.ch Alle deine Angaben werden vertraulich behandelt.

«Lass die Finger von Typen und lerne dich selbst kennen»

Juno hatte schweigend zugehört. Ihrem Blick war anzusehen, dass sie überrascht war, dass ausgerechnet ich solche Erlebnisse auspackte. Doch sie sagte nicht viel, sondern umarmte mich und schwor, dass sie mir beibringen würde, wie man Nein sagt. Laut, deutlich und notfalls mit Fingernägeln. «Und vor allem müssen diese Pisser lernen, dass ein verzagtes Nein einer Frau noch lange kein JA ist», sagte sie dann wütend, und knackte mit ihren Fingerknöcheln, dass mir das Blut in den Adern gefror.

«Vielleicht lässt du mal ein bisschen die Finger von den Typen und lernst dich besser kennen, bis du weisst, was du willst und was nicht. Ich habe dir ein Tool dazu», meinte sie mit pädagogischem Blick. Sie deutete auf ihren Anal-Plug, der immer noch auf dem Boden lag. Ich verschluckte mich fast. Dass ich ein bisschen prüde und easy-to-shame bin, ihr lieben Leute, erzähle ich euch nicht mehr heute. Nicht noch mehr Seelen-Striptease für den Moment, nein, nein, NEIN!

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gerne durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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