Stadt Bern: Sandwich-Frau wirbt mit Red Bull für Evangelikale
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Stadt BernSandwich-Frau wirbt mit Red Bull für Evangelikale

Die Plakate waren ihre Rüstung, der Glaube ihr Schwert: Eine Frau in Bern verwickelte Jugendliche in ein Gespräch über Jesus – als Belohnung winkte ein Energydrink.

von
cho
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«Ein Red Bull für deine Meinung», mit diesem Plakat lief am Samstag eine Frau durch Bern.

«Ein Red Bull für deine Meinung», mit diesem Plakat lief am Samstag eine Frau durch Bern.

Leser-Reporter
«Die Gruppe hat gezielt junge Menschen angesprochen um sie in ein Gespräch über Jesus zu verwickeln», so ein Leser-Reporter.

«Die Gruppe hat gezielt junge Menschen angesprochen um sie in ein Gespräch über Jesus zu verwickeln», so ein Leser-Reporter.

Leser-Reporter
Sektenexperte Georg Otto Schmid rät von solchen Aktionen ab. Leute würden sich heutzutage immer öfters dadurch belästigt und bedrängt fühlen.

Sektenexperte Georg Otto Schmid rät von solchen Aktionen ab. Leute würden sich heutzutage immer öfters dadurch belästigt und bedrängt fühlen.

Leser-Reporter

Zwei Plakate mit der Aufschrift «Ein Red Bull für deine Meinung» sorgten am Samstag in der Berner Altstadt für Ärger. Ein Leser-Reporter traf bei der Neuengasse auf eine Missionarin, die sich als «Sandwichfrau» die Plakate umgehängt hatte. Begleitet wurde sie von zwei Männern. «Die Gruppe hat gezielt junge Menschen angesprochen um sie in ein Gespräch über Jesus zu verwickeln», so der Leser-Reporter.

Zeitweise hätten sie sich mit ganzen Gruppen unterhalten. Die Missionarin mit den Schildern habe auch ihn angesprochen: «Sie wollte etwa wissen, ob und warum ich an die Evolutionstheorie glaube.»

Danach habe sie immer weiter gebohrt und erklärt, warum Gott der richtige Weg im Leben sei. Am Schluss habe sie ihm nach langem Hin und Her das Red Bull gegeben. «Für mich ging das ganze schon in Richtung Lockvogeltaktik», so der Reporter. Als er gegangen sei, habe er mitbekommen, dass sich auch andere Passanten an der Aktion gestört hätten. Interessierten sei offenbar ein Kärtchen mit der Aufschrift gottkennen.ch in die Hand gedrückt worden.

Organisation weiss von nichts

Verantwortlich für diese Webseite ist «Campus für Christus», der Schweizer Ableger einer streng evangelikalen Gemeinschaft aus Los Angeles. «Diese Karten können bei uns bezogen werden», sagt der Projektverantwortliche Simon Löffel. Mit der Aktion habe er aber nichts zu tun. Die Karten seien eigentlich dafür gedacht, um sie ungläubigen Freunden weiterzugeben. «Es kommt aber immer wieder vor, dass die Karten bei Aktionen verteilt werden», weiss er. Was die Motivation der Gruppe gewesen sei, könne er nicht sagen. Von einer «Lockvogeltaktik» zu sprechen, finde er jedoch übertrieben, er sehe darin eher eine Marketingstrategie.

«Eigenen Glauben stärken»

Für Sektenexperte Georg Otto Schmid handelt es sich jedoch eher um Fehlmarketing: «Wer das Image seiner Organisation, Gemeinschaft oder Religion heben will, sollte unbedingt auf solche Aktionen verzichten.» Die Leute würden sich heutzutage immer öfter durch solche Aktionen belästigt und bedrängt fühlen.

Schmid glaubt jedoch nicht, dass hier das Anwerben neuer Mitglieder im Vordergrund stand. Solche Aktionen würden auch die eigene Gemeinschaft und den eigenen Glauben stärken: «Wer andere überzeugt, überzeugt auch sich selber von neuem.»

Red Bull Schweiz wollte sich auf Anfrage nicht zu der Aktion äussern. Zu tun hat das Unternehmen damit nichts.

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